
Es ist winzig klein, oft unsichtbar und doch ein wachsendes Umweltproblem: Mikroplastik. In vielen Kosmetikprodukten steckt es noch immer – mal als fester Peeling-Körper, mal als flüssiger Inhaltsstoff mit schwer verständlichem Namen. Während der Wunsch nach umweltfreundlicher Pflege wächst, bleibt der Blick auf synthetische Polymere im Tiegel oft diffus.
Mikroplastik ist ein Sammelbegriff für winzige Kunststoffpartikel, meist kleiner als fünf Millimeter. Unterschieden wird zwischen festem Mikroplastik, wie etwa Polyethylenkügelchen, und synthetischen Polymeren in flüssiger, halbfester oder wasserlöslicher Form, die häufig in der Kosmetik verwendet werden, obwohl sie formal nicht unter die gesetzliche Mikroplastikdefinition fallen.
Feste Partikel wurden früher in Zahncremes, Peelings oder Reinigungsgels eingesetzt. Flüssige Kunststoffe wie Acrylates finden sich bis heute in vielen Produkten – als Filmbildner, Emulgatoren oder Bindemittel. Sie sind oft unsichtbar, aber ökologisch nicht weniger bedenklich.
Die Gefahr ist bekannt, aber nicht gebannt
Studien zufolge nimmt ein Mensch bis zu 5 Gramm Mikroplastik pro Woche auf. Das entspricht dem Gewicht einer Kreditkarte. Ob über Trinkwasser, Meeresfrüchte oder Salz – Mikroplastik ist längst Teil unserer Ernährung geworden. Der Handlungsdruck ist deutlich. Doch Mikroplastik hat sich in der konventionellen Kosmetik über Jahrzehnte bewährt. Der Stoff ist technisch vielseitig einsetzbar und gegenüber umweltfreundlichen Alternativen vor allem kostengünstig. Diese Wirtschaftlichkeit hat zu einer starken Verbreitung geführt und lässt nach wie vor viele Unternehmen entgegen dem Interesse der Umwelt handeln.
Laut der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA) gelangen in Europa jährlich rund 3.800 Tonnen Mikroplastikbestandteile allein durch Kosmetikprodukte in die Umwelt. Eine Schätzung, die Experten allerdings für stark untertrieben halten. Denn die EU-Definition von Mikroplastik bezieht sich auf feste, unlösliche, nicht biologisch abbaubare synthetische Polymerpartikel, die kleiner als fünf Millimeter sind. Wasserlösliche, flüssige, halbfeste und auch biologisch abbaubare Polymere sowie Nanoplastik sind davon ausgeschlossen.
Doch genau diese Substanzen sind besonders schwer zu erkennen und können dennoch erhebliche Umwelt- und Gesundheitsrisiken bergen.
In der Konsequenz bedeutet dies, dass Kosmetikhersteller auch künftig Kunststoffe einsetzen können, ohne gegen die Regelungen zu verstossen. Das öffnet Greenwashing Tür und Tor.
Von Greenwashing zu echtem Green Thinking
Laut der Plastic Soup Foundation enthalten 9 von 10 Kosmetikprodukten der beliebtesten europäischen Marken Mikroplastik. Viele Hersteller berufen sich auf die eingeschränkte Definition der ECHA, um weiterhin synthetische Polymere einzusetzen, während sie gleichzeitig mit „mikroplastikfrei“ werben. Der Begriff ist ebenso wie die Aussage „Naturkosmetik“ rechtlich nicht geschützt, sodass Produkte trotz flüssiger Kunststoffbestandteile als „grün“ positioniert werden können.
Mit ihrer Verordnung zu Mikroplastik möchte die EU Umwelt und Gesundheit schützen. Doch ein echter Wandel erfordert mehr – nämlich den Mut, das Vorsorgeprinzip anzuwenden: also den bewussten Verzicht auf Stoffe, deren Auswirkungen auf Mensch und Umwelt noch nicht abschliessend erforscht sind.
Mikroplastikfreie Alternativen
Dass es auch ohne geht, zeigt die Naturkosmetik seit Jahren. Zum Glück entscheiden sich immer mehr Verbrauchern für konsequent natürliche Produkte ohne Kunststoffe – zum Wohle der Umwelt und der Gesundheit. Zertifizierte Naturkosmetik verzichtet auf alle synthetischen Polymere, unabhängig von ihrer Löslichkeit oder Abbaubarkeit. Stattdessen setzt sie auf pflanzliche Öle, Wachse, milde Tenside und natürliche Peeling-Körper. So finden beispielsweise in manchen Zahncremes weisser Ton, genannt Kaolin, und Kieselerde als natürliche mineralische Putzkörper Anwendung. Diese natürlichen Rohstoffe sind nicht nur hautverträglich, sondern auch umweltschonend. Naturkosmetikformulierungen haben sich sowohl in Kabinenbehandlungen als auch in heimischen Badezimmern längst etabliert – ein Beweis dafür, dass Wirksamkeit und Nachhaltigkeit einander nicht ausschliessen.
Die Chance liegt im echten Wandel
Ein zukunftsfähiger Umgang mit Mikroplastik erfordert weit mehr als kosmetische Korrekturen. Es reicht nicht aus, lediglich einzelne Inhaltsstoffe auszutauschen. Ein echter Wandel verlangt einen umfassenden Blick auf alle Formen synthetischer Polymere und deren Auswirkungen auf Umwelt und Gesundheit. Ebenso notwendig sind eine klare, konsequente Gesetzgebung sowie ehrliche Kommunikation seitens der Hersteller und eine fundierte Aufklärung der Konsumenten. Es ist an der Zeit, Verantwortung zu übernehmen – denn nur gemeinsam können wir sicherstellen, dass unsere Umwelt und Gesundheit langfristig geschützt werden.
So erkennen Sie mikroplastikfreie Kosmetik:
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Silva Imken hat sich vor über 10 Jahren der Naturkosmetik verschrieben. Als Leiterin Marketing & Vertrieb für
Dr. Hauschka Schweiz fühlt sie sich schon von Berufs wegen der Nachhaltigkeit verpflichtet. www.drhauschka.ch