
„Eine liebe Stammkundin fragt mich regelmässig nach einem privaten Treffen, um einen Wein oder einen Kaffee zu trinken. Wir kennen uns schon seit Jahren und ich schätze sie sehr. Trotzdem möchte ich Privates und Berufliches trennen. Bin ich hier zu streng?“ Patrice S., Kosmetikerin aus Bern

Mit Rat und Tat zur Seite steht Rosine Dätwyler (www.rosinedaetwyler.ch). Sie ist Autorin ist vom BAG akkreditierte Prüfungsexpertin, Berufsbildnerin und Unternehmerin:
„Mit manchen Kunden entsteht im Laufe der Zeit eine besondere Verbindung. Eine Kundin zum Beispiel kam regelmässig, wir lachten viel und verstanden uns gut. Kürzlich hat sie mich gefragt, ob ich nicht mal ausserhalb des Studios mit ihr einen Kaffee trinken gehen möchte. Es ist verständlich, dass solche Einladungen aufkommen, wenn eine freundliche, herzliche Beziehung entstanden ist. Und ganz ehrlich: Ich mag sie wirklich sehr. Sie ist loyal, offen und liebevoll – Eigenschaften, die man schätzt.
Warum klare Grenzen wichtig sind
Dennoch merke ich, dass ich eine klare Grenze zwischen Beruf und Privatleben brauche. Nicht, weil ich arrogant bin oder Nähe ablehne, sondern weil ich mich nur dann wirklich wohlfühle, wenn diese Trennung eingehalten wird. Mein Beruf ist meine Leidenschaft, aber kein Raum, um neue Freundschaften zu schliessen.
Natürlich kann man eine freundschaftliche Atmosphäre zu Kunden pflegen – aber dabei sollte die Beziehung geschäftlich bleiben. Wenn man Privates und Geschäftliches vermischt, verschwimmen die Grenzen. Das kann auf Dauer kompliziert und belastend werden.
Wie man höflich Grenzen setzt
Vielleicht fragen Sie sich: Ist es unhöflich, eine Einladung abzulehnen? Überhaupt nicht! Es ist vollkommen in Ordnung, klare Grenzen zu ziehen. Man kann jemanden sehr mögen und trotzdem sagen: „Das lasse ich lieber hier im Studio.“ Ich habe der Kundin zum Beispiel gesagt: „Ich freue mich jedes Mal, wenn du kommst, und ich finde es toll, wie offen und herzlich du bist. Aber ich trenne bewusst Berufliches und Privates. Ich hoffe, du verstehst das, und wir können unsere schöne Zeit hier weiterhin geniessen.“
Ein liebevolles Nein ist wertvoll
Sie hat es verstanden – ganz ohne Drama. Manchmal ist ein liebevolles Nein das ehrlichste und wertvollste, was man sagen kann. Also: Scheuen Sie sich nicht, persönliche Grenzen klar zu kommunizieren. Das zeigt Respekt – Ihnen selbst und Ihren Kunden gegenüber.“