Sicher ist sicher

Schutz vor Krankheiten
Kosmetikerinnen kommen tagtäglich mit Menschen in Berührung – im wahrsten Sinne des Wortes. Hygienemassnahmen sind daher das A und O.
Als Kosmetikerin haben Sie täglich mit Menschen zu tun. Hygienemassnahmen sind daher sehr wichtig. Besonders durch die Spezialisierungen in der Kosmetikbranche werden ganz neue Anforderungen an Kosmetikerinnen gestellt und sie müssen sich mit ungewohnten Risiken auseinandersetzen. So zum Beispiel die Kosmetikerinnen, die mit Ärzten zusammenarbeiten, und Kosmetikerin nen FA mit Fachrichtung medizinische Kosmetik.
Nun, welche Zielgruppe wird dadurch angelockt und was erwartet der Kunde, der sich eventuell auch mehr als Patient angesprochen fühlt? Zum einen sind es Kunden, die ein effektives Anti-Aging wünschen, zum anderen Kunden, die sich für ihre Hauterkrankungen Hilfe von Kosmetikerin erhoffen.
Da muss die Kosmetikerin mehr als ein Basiswissen besitzen, um diesen Ansprüchen gerecht zu werden. Es beginnt der Spagat zwischen Pflegen und Heilbehandlung. Die Haut pflegen und an der gesunden Haut der Kundinnen und Kunden arbeiten, das ist das erlaubte Arbeitsgebiet der Kosmetikerin. Erkrankte Haut zu heilen oder zu therapieren ist der Kosmetikerin nicht gestattet.
Wo aber liegt das Gefährdungspotenzial für die Kosmetikerin selbst? Wie kann das Risiko für die eigene Gesundheit minimiert werden? Was gilt es besonders zu beachten im Institutsalltag? Wichtig sind unterschiedliche Hygienemassnahmen. Damit Sie im Institutsalltag bestens vorbereitet und geschützt sind, folgen nun einige wichtige Tipps.
Schutzmassnahmen
Worauf Sie achten sollten:
- Geeignete Arbeitskleidung, die ausschliesslich im Betrieb getragen wird, um sich und seine Familie nicht mit Arbeitskleidung zu gefährden.
- Handwaschplatz mit Spendern für Hautreinigungsmittel und Einmalhandtücher in jedem Behandlungsraum.
- Das Durchführen der hygienischen Händedesinfektion mit geeignetem Händedesinfektionsmitteln und zwar: vor und nach Kundenkontakt, vor Verlassen des Arbeitsbereiches und nach Kontakt mit potenziell infektiösen Materialien.
- Auf die Handpflege achten und geeignete Hautschutz- und Hautpflegemittel für die Hände verwenden, denn eine defekte Hautbarriere ist eine geeignete Eindringpforte für Erreger.
- Das Tragen von Ringen, Armbanduhren und Freundschaftsbändern ist der Hygiene nicht dienlich.
- Fingernägel sollten am besten kurz sein, damit eine gründliche Reinigung der Hände erfolgen kann.
- Die Oberflächen der Geschäftsräume (Fussböden, Arbeitsflächen, Liegen usw.) sollten leicht zu reinigen und beständig gegen die verwendeten Reinigungs- und Desinfektionsmittel sein. Der schöne Arbeitswagen aus Naturholz ist dazu weniger geeignet, da dessen Oberfläche durch die Desinfektionsmittel „angeraut“ wird und damit Keimen eine gute Behausung bietet. Aus diesem Grund empfiehlt es sich, z.B. bei Fussbädern oder als Wasserschüsseln kein Plastik zu verwenden, sondern eher Cromargan.
- Toiletten sollten bei Bedarf, mindestens jedoch arbeitstäglich gereinigt und desinfiziert werden.
- Zur Aufnahme der anfallenden Abfälle ist ein gut zu desinfizierender Abfalleimer mit Deckel direkt am Arbeitsplatz erforderlich. Das Einbringen eines Abfallbeutels ist sehr zu empfehlen. Der Deckel soll geschlossen und nur mit dem Fuss oder elektrischem Sensor zu öffnen sein.
- Mit Körpersekreten behafteter Abfall sollte getrennt vom übrigen Müll gesammelt werden, um innerhalb des Betriebes eine Weiterverbreitung von eventuell vorhandenen Krankheitserregern zu verhindern.
- Ein aktueller Impfschutz sollte für Hepatitis B vorliegen. Bezüglich zusätzlich erforderlichen Schutzimpfungen zur Prävention gegen übertragbare Krankheiten ist eine individuelle Beratung zu empfehlen.
- Am Arbeitsplatz keine Nahrungsund Genussmittel aufbewahren und zu sich nehmen.
- Die Hygienemassnahmen sollten in einem Hygieneplan festgehalten und auch mit den Mitarbeitern besprochen werden. Diese Unterweisung sollte man am besten dokumentieren und aufbewahren. Beispiele für Hygienepläne für die jeweiligen Branchen Kosmetik, Fusspflege usw. sind im Internet einsehbar und sollten auf den eigenen Betrieb angepasst werden.
- Es ist zu empfehlen, je nach Anzahl der Kunden mindestens einmal täglich die Türgriffe der oft benutzten Türen mit einem Desinfektionsmittel zu desinfizieren. Ich benutze dazu Tücher zur Flächendesinfektion, da ich so wenig Sprühprodukte wie möglich verwende, um eine Belastung der Bronchien durch Aerosole zu vermeiden.
- Es empfiehlt sich, die Räume nach jedem Kunden zu lüften. Auch dies trägt zur Reduzierung der Keime bei. Dies sind nur ein paar Beispiele dafür, worauf die Kosmetikerin bei der Basishygiene achten sollte, um sich und ihre Kunden vor Schaden zu bewahren.
Hygienemanagement
Trotz intensiver hygienischer Massnahmen ist es nicht möglich, eine keimfreie Umgebung im Kosmetikinstitut zu schaffen. Unsere Umwelt ist voll von Keimen und wir besitzen eine körpereigene Abwehr. Die Keimzahl ist oft entscheidend. Sie lässt sich durch verantwortungsbewusstes Hygienemanagement deutlich vermindern.
Um eine Infektion zu verhindern, gilt das Fernhalten von der Infektionsquelle als der beste Schutz. Kunden, die mit einer Infektionskrankheit zur kosmetischen Behandlung kommen, stellen eine Gefahr für die Kosmetikerin und andere Kunden dar und sollten nicht behandelt werden. Selbst hinter einem beginnenden und relativ harmlos aussehenden grippalen Infekt kann sich eine ernstere Erkrankung verbergen. Halsschmerzen z.B. können durch den Streptococcus pyogenes verursacht werden. Dieser Erreger ist auch häufig an Hautinfektionen beteiligt und verursacht eitrige Infektionen im Nasen-Rachen- Raum. Die Übertragung erfolgt durch Tröpfcheninfektion infolge Hustens oder Niesens, aber auch durch Hautkontakt. Er kann einige Tage in Staub oder infiziertem Material überleben und ist durch Desinfektionsmittel abzutöten.
Patienten mit einer akuten Streptokokkeninfektion, die nicht spezifisch behandelt wurden, können bis zu drei Wochen kontagiös sein, unbehandelte Patienten mit eitrigen Ausscheidungen auch länger. Spätfolgen einer Streptokokkeninfektion können eine Herzmuskelentzündung oder eine Nierenentzündung sein. Auch der sehr bekannte Staphylococcus aureus ist weit verbreitet: 20 bis 50 Prozent der Erwachsenen tragen diesen Keim auf der Haut. Gefährlich wird es dann, wenn er in eine Wunde kommt bzw. eine Eindringpforte findet.
Vorsicht vor Viren
Nicht zu vergessen ist die Vielzahl der Viren, die der Kosmetikerin gefährlich werden können. Eine sehr nette Kollegin musste diese Erfahrung bereits machen. Sie arbeitete in einem Hotel und ein Gast, der eine Behandlung gebucht hatte, klagte über Kopfschmerzen und Verspannungen im Nacken. Die Kollegin dachte sich nichts dabei, denn schliesslich kommt das in einem Hotel öfter vor. Kurze Zeit später erkrankte die Kollegin an einer Meningitis: Sie hatte sich bei dem Gast mit Meningokokken angesteckt.
Rose Steffen | Der Kosmetikerin und Heilpraktikerin gehört eine Praxis für Naturheilkunde und medizinische Kosmetik. Ihre Schwerpunkte sind dermokosmetische Behandlungen, Anti-Aging und Problemhaut. www.rose-steffen.de