Schönheit von innen?

Interview: Was Nahrungsergänzung leisten kann
Auf dem Markt findet man immer mehr Produkte zur Nahrungsergänzung. Ist das Thema für das Institut auch eine fachliche Notwendigkeit oder nur ein modischer Trend? Expertin Margot Ritzer beschäftigt sich seit mehr als 18 Jahren mit diesem Thema und führt Weiterbildungen für Kosmetikerinnen durch. Denn nur wer die Substanzen gut kennt, kann sie erfolgreich einsetzen.
BEAUTY FORUM: Was versteht man eigentlich unter Nahrungsergänzung?
Margot Ritzer: Der Begriff Nahrungsergänzung wird häufig mit Vitamintabletten gleichgesetzt. Aber Nahrungsergänzung umfasst Wirkstoffe und Einsatzgebiete, die viel mehr können, als uns mit Vitaminen zu versorgen. Wer kennt nicht die Wirksamkeit der Omega- 3-Fette, die den Cholesterinspiegel senken, Artischocken, die die Verdauung verbessern, Kümmel gegen Blähungen, Kamille zur Beruhigung oder Brennnesseln zum Entschlacken? All das sind keine Arzneimittel. Vielmehr versorgen sie uns mit Nährstoffen, die dem Körper helfen, sich selbst zu helfen. Doch Ernährungswissenschaft und Medizin sind heute schon viel weiter. Seit man bis in die tiefsten und kleinsten Teilchen des menschlichen Körpers sehen kann, weiss man, wie wichtig bestimmte Pflanzenstoffe für einen reibungslosen Ablauf unseres Stoffwechsels sind. Die wichtigste Rolle in diesem Konzept spielt natürlich die Vorbeugung. Aber auch die Unterstützung bei der Behandlung von Problemen und Erkrankungen spielt eine immer grösser werdende Rolle.
Was hat all das mit der Aufgabe einer Kosmetikerin zu tun?
Bei einem meiner letzten Meetings mit einem Internisten, der aus der klassischen
Schulmedizin kommt, nun aber mehr und mehr der Naturheilkunde vertraut, äusserte dieser, dass es eigentlich keine „Hauterkrankungen“ gäbe. Vielmehr ging er davon aus, dass die Haut als (Ab-)Bild unseres gesamten Organismus zu sehen ist. Probleme der Haut sind demnach das äussere Erscheinungsbild von Fehlfunktionen in unserem Körper. Und hier kommt die ganzheitlich arbeitende Kosmetikerin ins Spiel. Natürlich gibt es immer mehr hervorragende Produkte, die verschiedenste Hautprobleme von aussen wirksam behandeln. Doch meist werden dadurch vorwiegend Symptome behandelt, nicht aber die Auslöser.
Wie kann die Kosmetikerin bei Hautproblemen vorgehen?
Das Übel an der Wurzel zu packen ist oft nicht ganz so leicht. Denn unterschiedliche Auslöser können durchaus gleiche Hauterscheinungen bewirken. Ein Beispiel: Falten/Fältchen oder übermässige Hautalterung können u.a. ausgelöst sein durch freie Radikale, starke Sonnenbelastung, Übersäuerung, Schadstoffbelastung, unterschiedliche Mangelzustände, Stress etc. Ein vom Institut für Ernährung und Gesundheit speziell ausgearbeiteter Fragebogen, den wir unseren Seminar Teilnehmern zur Verfügung stellen, erleichtert die Auswahl passender Produkte und erhöht die „Treffer-Quote“. Unsere jahrelange Zusammenarbeit mit Kosmetikerinnen im In- und Ausland hat Lösungen ermöglicht, die aus der Praxis für die Praxis entstanden sind: Welche Wirkstoffe werden am besten vertragen und zeigen die zuverlässigsten Erfolge? Wie können Produkte der Kundin oder dem Kunden am einfachsten erklärt werden?
Worauf sollte man bei der Auswahl der Produkte achten?
Das Angebot an Nahrungsergänzungsmitteln wächst heute ständig. Man geht davon aus, dass fast die Hälfte der Schweizer solche Produkte in irgendeiner Form zu sich nimmt. Solche Produkte werden oft gedankenlos bei Discountern, Supermärkten, im Internet, aber auch in Apotheken erworben. Häufig aber enthalten die Produkte mehr schädliche Chemie und Zusatzstoffe als wirksame Bestandteile. Allergien, Kopfschmerzen und andere Befindlichkeitsstörungen können die Folge sein. Denn auch die Reinheit von Nahrungsergänzungsmitteln spielt eine grosse Rolle.
Lohnt sich das Angebot auch finanziell?
Neben allen fachlichen Argumenten – Erhöhung der Kompetenz, verbesserter Behandlungserfolg, Alleinstellung gegenüber Kollegen – sollten wir natürlich den kommerziellen Aspekt nicht vergessen. Gehen wir davon aus, dass etwa die Hälfte der Bevölkerung regelmässig zu Nahrungsergänzungsmitteln greift, so gilt dies natürlich auch für den Kundenstamm der Kosmetikerin. Sie kann also mit dem Angebot von Nahrungsergänzung ihren Pro-Kopf-Umsatz deutlich erhöhen.
Ihr Erfolgstipp für „Neueinsteiger“?
Viele Kosmetikerinnen befürchten, mit dem Angebot von Nahrungsergänzungsmitteln in einen ihnen unbekannten Bereich zu gelangen. Aber egal, welche neue Methode sie einsetzen – ohne regelmässige Schulungen sind auch in der Kosmetik hochwirksame Behandlungen nicht verantwortungsvoll einsetzbar. Denken wir nur an den Einsatz von Fruchtsäuren, die heute aus der Kosmetik nicht mehr wegzudenken sind. Deshalb gehört auch zur fachkompetenten Arbeit mit Nahrungsergänzungsmitteln regelmässige und qualitativ hochwertige Schulung.
Beispiele für den Einsatz von Nahrungsergänzung
· Reife oder Problem-Haut: Kombinationen aus Hyaluronsäure, probiotischen Bakterien, Carnitin, Korallenkalzium, basische Aminosäuren (z.B. Lysin, Arginin) und Aloe vera.
· „Entschlacken“: Korallenkalzium
· Wechseljahre: Soja, wilder Yams und Maca
· Schutz vor freien Radikalen: Goji-Beere, bestimmte Carotinoide wie z.B. Astaxanthin, OPC aus Trauben
Gut zu wissen
Kompetente Beratung führt zu regelmässigen Nachkäufen. Wichtig ist dabei, die Nahrungsergänzungsmittel gezielt einzusetzen. Denn nur wer das richtige Produkt empfiehlt, hat damit Erfolg. Und wenn es wirkt, wird es ohne weiteren Aufwand Ihrerseits nachgekauft. Oft werden solche Produkte auch weiterempfohlen – das bringt neue Kunden!
Margot Ritzer – ist Schulungsleiterin von Anusan (www.anusan.de). Sie gehört einem
Gremium aus Therapeuten und Biochemikern an, das sich mit der Entwicklung neuer Wege in der Naturmedizin beschäftigt.