Peelingmethoden im Überblick

Peel it!
Um die Haut wieder jung und frisch erscheinen zu lassen, eignen sich Peelings optimal. Unser Autor Dr. Hans Lautenschläger gibt Ihnen einen umfassenden Überblick über die unterschiedlichen Methoden.
Damals war es üblich, die Körperreinigung mit einer groben Bürste zu unterstützen. Das befreite die Haut nicht nur von hartnäckigen Verunreinigungen, sondern auch von locker sitzenden Hautschuppen. Gleichzeitig wurden in den oberflächennahen Gefässen die Mikrozirkulation und die Hautregeneration angeregt. Auf Letzteres konzentriert sich das professionelle Peeling, das gar nicht so weit weg von der Wurzelbürste liegt, wenn es mit mechanischen Reibekörpern durchgeführt wird. Zu den mechanischen Peelings haben sich in den letzten Jahrzehnten chemische, enzymatische und apparative Peelings gesellt.
Mechanisch
Mechanische Peelings regen ähnlich einer Massage die Mikrozirkulation der Haut an. Sie verstärken deren natürliche Abschuppung und lassen sich naturgemäss sehr gut dosieren. Im Vergleich zu chemischen Peelings sind sie in der Anwendung nebenwirkungsfrei und lassen sich hinsichtlich der Reibekörper und des Mediums, in dem sich diese befinden, jeder Haut – auch der Problemhaut – anpassen.
Feine Quarzsande, Bims- und Holzmehle sowie gemahlene Olivenkerne gehören zu den ältesten wasserunlöslichen Reibekörpern. Sie werden heute noch in Form abrasiver Waschpasten angeboten, die nach Gebrauch mit Wasser abgespült werden. Da die darin enthaltenen Reinigungsmittel während eines kosmetischen Peelings zu aggressiv sind, wird in der Praxis erst gereinigt und dann in einem zweiten Arbeitsgang gepeelt. In diesem Fall werden die Reibekörper mit pflegenden Ölen, Cremes oder Gelen aufgetragen. Weitere Reibekörper sind außer gemahlenen Kernen und Schalen von Früchten (Olive, Aprikose, Pfirsich, Walnuss) auch Kaffeemehl und Kunststoffpartikel aus Polyethylen (PE), Polypropylen (PP) und Polyurethan (PUR).
Wasserlösliche Reibekörper wie Kochsalz, Meersalz, Totes Meer Salz, gemahlener Kandis oder Zuckerkristalle u.v.m. sind beliebt, da sie sowohl als feuchter Brei als auch in Verbindung mit einem Pflanzenöl oder einem Oleogel angewandt werden können. Sie haben den Vorteil, dass sie sich beim Abspülen auflösen. Durch Abtragung von Teilen der Hornschicht erhöht sich temporär der transepidermale Wasserverlust (TEWL), d.h., nach dem Peeling muss eine schützende Creme mit Feuchthaltestoffen aufgetragen werden. Zu oft sollten Peelings allerdings nicht durchgeführt werden, da sich die Haut daran gewöhnt und mit einer gesteigerten Verhornung reagiert.
Chemische Peelings
Auch chemische Peelings verstärken in der Regel die Mikrozirkulation, dies wird
jedoch durch einen chemischen Reiz ausgelöst. Die Intensität des chemischen Peelings ist je nach Behandlungsart sehr unterschiedlich und erfolgt nach unterschiedlichen Mechanismen. Die Behandlungen erfordern viel Erfahrung und sind zum Teil den dermatologischen Praxen vorbehalten.
Vitamin-A-Säure darf heute nur noch in Arztpraxen angewandt werden. Dabei wird die Haut gezielt irritiert, was zu einer Stimulierung der Kollagensynthese führt und ganz allgemein ihre Regenerationstätigkeit ankurbelt. Das führt dazu, dass die obersten Hautschichten abgestossen werden.
Alpha-Hydroxysäuren (AHAs, Fruchtsäuren) waren die Nachfolger der Vitamin-A Säure, nachdem sie in der Kosmetik verboten wurde. Während bei Vitamin-A-Säure die Säurefunktion als solche nicht ausschlaggebend ist, kommt es bei den Alpha Hydroxysäuren genau darauf an. Starke Säuren (niedriger pH-Wert) erzeugen bekanntlich Irritationen bis hin zu Verätzungen auf der Haut. Selbstverständlich darf es bei einem Peeling nicht dazu kommen. Daher sind Fruchtsäuren wie Glykol- und Milchsäure diesbezüglich kontrollierter und gefahrloser anzuwenden als beispielsweise verdünnte Salzsäure, die den gleichen Effekt hätte. Die Irritation, bei der oberflächlich auch Proteine denaturiert werden, bewirkt eine intensive Zellneubildung. Fruchtsäurepeelings stressen die Haut und sollten nicht zu häufig angewendet werden.
Enzympeelings
Die Zellverbände der Hornschicht werden durch Proteine zusammengehalten. Werden diese enzymatisch gespalten, können die abgestorbenen Zellen gelockert und nach einer Einwirkungszeit von 10–20 Min. oberflächlich abgetragen werden. Zu diesem Zweck setzt man Masken ein, die Trockenextrakte enzymhaltiger Pflanzensäfte enthalten und mit Wasser angerührt werden. Bei den Enzymen handelt es sich um Proteasen (= eiweissspaltende Enzyme) wie z.B. das Papain aus dem Saft des tropischen Melonenbaumes und das Bromelain aus dem Saft und den Stengeln der Ananas. Enzymatische Peelings sind äusserst schonend und gleichmässig; die Wirkung beschränkt sich auf die Hautoberfläche.
Haut vorab analysieren
Allen Peeling-Massnahmen sollte eine eingehende Analyse der Haut vorangehen. Nach Chemotherapie, Krankheit oder medikamentöser Therapie ist dies nicht selbstverständlich. Daher kann es sinnvoll sein, dem geplanten Peeling eine mehrwöchige, aufbauende Hautpflege vorzuschalten. Andernfalls muss man damit rechnen, dass vorgeschädigte Haut durch Peelings noch weiter gestresst wird.
Wichtig zu wissen
In einer exakten Anamnese und gründlichen Hautanalyse sollte die Kosmetikerin zunächst ermitteln, ob ein Peeling überhaupt nötig bzw. möglich ist und – falls ja – welches infrage kommt. Denn: Nicht jede Haut muss zwangsläufig gepeelt werden. Manchmal ist ein sukzessiver Hautaufbau mit modernen Cosmeceutical-Wirkstoffen erst einmal viel wichtiger.
Dr. Hans Lautenschläger – Der promovierte Chemiker ist geschäftsführender Gesellschafter der Koko Kosmetikvertrieb GmbH (www.dermaviduals.de). Seine Arbeitsschwerpunkte sind die Entwicklung und Anwendung kosmetischer und dermatologischer Präparate.