Rot & Entzündet

Rot & Entzündet

Foto: Andjelka Simic/Schutterstock.com
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Erkrankungen des seborrhoischen Formenkreises

Wenn die Haut an Wangen und Nase gerötet ist und sich kleine Knötchen und Pusteln dazugesellen, dann besteht der Verdacht auf eine Rosacea.

Die Rosacea (lat. rosaceus = rosenfarben), auch „Kupferrose“ genannt, ist eine meist chronisch verlaufende Hauterkrankung des Gesichts. Bekannt, aber nicht korrekt ist auch die veraltete Bezeichnung Acne rosacea (Kupferfinne, Rotfinne). Gekennzeichnet ist die Erkrankung durch Rötung, Couperose, empfindliche, schuppige und leicht entzündliche Areale – besonders an Wangen und Nase.
Meist treten plötzlich fleckförmige, Flush-artige Rötungen auf, die relativ schnell wieder abklingen. Mit der Zeit bleiben die Hautrötungen in den genannten Bereichen allerdings über einen längeren Zeitraum bestehen. Nicht selten gesellen sich auch Teleangiektasien dazu. Man spricht dann von einem progredienten Verlauf. Im fortgeschrittenen Stadium sind Knötchen und Pusteln zu finden, die ebenfalls schubartig vorkommen. Mit der Zeit wird die Haut verdickt und grobporig, das Bindegewebe vermehrt sich und es bilden sich grossflächige entzündliche Knoten. Als Sonderform der Hyperplasie des Bindegewebes und der Talgdrüsen gilt das Rhinophym. Die Rosacea ist weit verbreitet, vor allem bei hellhäutigen Menschen, den sogenannten „keltischen“ Hauttypen mit Sommersprossen. Das typische Erkrankungsalter liegt zwischen dem 30. und 50. Lebensjahr. Frauen sind zwar etwas häufiger betroffen als Männer; die Verläufe sind bei ihnen jedoch meist milder. Hingegen finden sich Hyperplasien und schwere Veränderungen der Talgdrüsen fast ausschliesslich beim starken Geschlecht.

Formen und Stadien
Je nach Schweregrad teilt man die chronische Gesichtsdermatose in verschiedene Stadien ein. Darüber hinaus unterscheidet man spezielle Ausprägungen: Diathese: Die Vorstufe oder auch Neigung zur Rosacea macht sich durch schnelles Erröten in bestimmten Situationen bemerkbar. Meist liegt auch eine leicht reizbare und empfindliche Haut vor.

Stadium I: Hier zeigen sich Gesichtsröte und ein persistierendes Gesichtserythem, das begleitet sein kann von Brennen und Wärmegefühl sowie einer Couperose.

Stadium II: Charakteristisch sind entzündliche Erscheinungen wie Papeln oder Pusteln, die einer Acne vulgaris ähneln können. Nun ist auch zunehmend das gesamte Gesicht bis hin zur Kopfhaut betroffen.

Stadium III: Das letzte Stadium ist durch eine Verdickung der Haut, vergrösserte Poren, knotige Entzündungen bis hin zu furunkelartigen Infiltrationen sowie eine Hyperplasie im Nasenbereich (Rhinophym) gekennzeichnet.

Ursachen und Hintergründe
Die genauen Ursachen der Rosacea sind bisher noch weitgehend ungeklärt. Wahrscheinlich ist jedoch, dass es sich um ein multifunktionales Geschehen handelt. Neben einer genetischen Disposition werden auch eine Reaktion auf Haarbalgmilben sowie eine Regulationsstörung der Gefässe in Betracht gezogen. Der letzte Faktor erklärt auch, wieso der Genuss von Tee, Kaffee und Alkohol einen Flush (s. Glossar) auslösen beziehungsweise die Beschwerden weiter forcieren kann.
Regulationsstörung von Gefässen: Man geht von einer Störung der Mikrozirkulation aus. Diskutiert wird aber auch eine durch die Erwärmung des Rachens vermittelte Veränderung der Blutversorgung des Hypothalamus und eine damit verbundene Modifikation des Wärmeaustauschs der Venae jugularis und der Carotiden. Der Blutfluss zwischen Gehirn und Gesicht sei durch eine bestehende Hyperthermie gestört. Die eigentliche Dysfunktion scheint bei der Vena angularis vorzuliegen. Durch eine venöse Stauung versagt wahrscheinlich die Thermoregulation. Besonders die von Rosacea betroffenen Regionen einschliesslich der Konjunktiva werden von diesen Venen drainiert. Haarbalgmilben (Demodex folliculorum): Ein Befall mit diesen normalerweise harmlosen Kommensalen ist bei Rosaceabetroffenen meist deutlich ausgeprägt. Besonders bei der papulopustolären Form der Rosacea könnte es ein wichtiger Faktor sein. Die genauen Zusammenhänge sind bisher jedoch nicht geklärt.

Störungen des Magen-Darm-Trakts: Auch hier wird ein Zusammenhang mit der Rosacea vermutet, der jedoch sehr umstritten ist. So ist der Erreger Helicobacter pylori, der eine Magenschleimhautentzündung verursachen kann, häufig bei Rosaceabetroffenen anzufinden.
UV-Strahlung: Eine ganz wesentliche Rolle scheint die Sonne zu spielen. Durch ihren Einfluss auf das Bindegewebe und die damit einhergehenden Veränderungen in der Haut soll eine Rosacea begünstigt werden. Deshalb ist ein permanenter UV-Schutz besonders wichtig. Dieser ist heute schon in vielen Präparaten vorhanden – in der Tagespflege, in Form eines mineralischen Make-ups oder eines Konzentrates.

Therapeutische Intervention
Dermatologen verordnen gerne Präparate mit Azelainsäure gegen die Rötung sowie topische Antibiotika (Erythromycin, Metronidazol) gegen die Entzündung. Auch Behandlungen mit dem Laser zeigen teilweise recht gute Ergebnisse. In kosmetischen Präparaten setzt man auf beruhigende und entzündungshemmende Inhaltsstoffe:

Glycyrrhiza glabra: Süssholz (Lakritze) enthält Flavonoide und Saponine und hat eine entzündungshemmende, antioxidative, antihistaminerge und immunstimulierende
Wirkung.

Aesculus hippocastanum: Die Rosskastanie enthält Aescin, ein Gemisch aus 30 verschiedenen Saponinen, und Gerbstoffe. Die Wirkung ist ödemhemmend, venentonisierend und entzündungshemmend. Die Gefässspannung wird erhöht und die Dichtigkeit der feinen Kapillargefässe verbessert.

Calendula officinalis: Ringelblume enthält Saponine, Flavonoide und Triterpene. Die Eigenschaften sind wundheilend, entzündungshemmend, immunstimulierend und antimikrobiell.

Chamomilla recutita: Kamille enthält -Bisabolol und Flavonoide, denen eine entzündungshemmende, beruhigende und antibiotische Wirkung nachgesagt wird.

Allantoin: Etwa in Beinwell enthalten. Fördert die Granulation und Gewebsregeneration und ist wundheilend.

D-Panthenol (Dexpanthenol) wirkt juckreizlindernd, entzündungshemmend und wundheilungsfördernd.

In der Tagespflege oder in Präparaten zur Abdeckung erzielt man mit grünen Pigmenten gute Ergebnisse, da grün die Rötung sehr effektiv neutralisiert. Wenn Sie Kunden mit Rosacea haben, sollten Sie abklären, ob sie sich bereits in dermatologischer Behandlung befinden. Gerade bei leichteren Verlaufsformen spricht nichts gegen eine fachkundige begleitende Behandlung durch die Kosmetikerin. Wählen Sie die Präparate mit Bedacht und Vorsicht, vermeiden Sie Vapozone und mechanische Peelings. Mit einer manuellen Lymphdrainage und den passenden Präparaten lassen sich oftmals gute Ergebnisse erzielen. Beraten Sie Ihre Kundin auch unbedingt bei der Wahl der richtigen Heimpflege und unterstreichen Sie die Wichtigkeit eines Lichtschutzes.

Susanne Thölke
Die staatl. geprüfte Kosmetikerin und Heilpraktikerin mit eigener Praxis hat sich auf die Bereiche dermatologisch-medizinische Hautpflege, Sugaring und besondere Massagen spezialisiert. Ausserdem ist sie als Fachautorin und Referentin tätig.

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