Padabhyanga

Ayurveda für die Füsse

Fernöstliches Massageritual
Warmes Öl, Kräuterstempel, Klangschalen – mit diesen und weiteren Zutaten können Sie Ihren Kunden tiefe Entspannung und ein unvergessliches Wohlfühlerlebnis schenken. Wellness-Expertin Ursula Maria Schneider zeigt Ihnen wie Sie die beruhigende Fussmassage Padabhyanga durchführe
Fernöstliche Treatments zur Entspannung von Körper und Geist erfreuen sich nach wie vor grosser Beliebtheit. Ayurveda, die ganzheitliche indische Gesundheitslehre, beinhaltet viele Elemente und Pflegerituale, die sich an westliche Wellness-Bedürfnisse anpassen lassen. Für Fusspfleger interessant ist vor allem die ayurvedische Fuss- und Beinmassage Padabhyanga, die traditionell der Kräftigung bei körperlicher Erschöpfung dient. In ihrer klassischen Form werden Füsse und Waden mit warmem Öl und fliessenden Bewegungen bis zum Knie ausgestrichen und geknetet. Dabei werden die Fussreflexzonen und spezielle Druckpunkte einbezogen, um den Organismus ins energetische Gleichgewicht zu bringen.
Als Wohlfühlmassage lässt sich die Technik ergänzen durch Kräuterstempel, Klangschalen und einen Fussölguss, in Anlehnung an den ayurvedischen Stirnölguss Shirodhara. Solch ein „Padabhyanga-Special“ führt zu einer tiefen Entspannung und ist für gestresste, überarbeitete Menschen ideal, um zur Ruhe zu kommen.
Das Wissen vom Leben
Übersetzt bedeutet Ayurveda so viel wie Lebensweisheit oder Lebenswissen. Der Begriff aus dem Sanskrit setzt sich zusammen aus „Ayus“ = Leben und „Veda“ = Wissen. Die ayurvedische Lehre unterscheidet drei grundlegende Kräfte bzw. Energieformen, die sogenannten Doshas:

  • Vata steht für Wind bzw. Bewegung;
  • Pitta steht für Feuer bzw. Stoffwechsel;
  • Kapha steht für Erde bzw. Stabilität.

Jeder Mensch ist durch eine individuelle Mischung dieser Energien geprägt. Aus den Doshas leiten sich daher drei Konstitutionstypen ab:
Vata-Typ: Seine Elemente sind Luft und Äther. Vata-Typen sind meist zart, schlank und zierlich. Sie sind reich an Ideen und Fantasie und gelten als flexibel und geistreich, leiden aber auch schnell unter Stress und Überreizung. Sie frieren leicht und neigen zu trockener Haut. Ihr Appetit ist eher unregelmässig und sie neigen zu Verstopfungen.
Pitta-Typ: Sein vorherrschendes Element ist das Feuer. Pitta-Typen haben meist einen mittelschweren, muskulösen Körper und eine warme, trockene, sensible Haut. Sie bevorzugen eine angenehm kühle Umgebung, bräunen leicht und lassen ungern Mahlzeiten aus. Sie sind dynamisch, abenteuerlustig, durchsetzungsfähig und zielorientiert. Häufig haben sie heisse Füsse. In diesem Fall ist es eine gute Alternative, die Massage statt mit Öl mit Ghee (Butterschmalz) durchzuführen. Dieses hat eine besonders kühlende Wirkung auf den Körper.
Kapha-Typ: Seine Elemente sind Erde und Wasser. Kapha-Typen haben meist einen schweren Körperbau und die Tendenz zu Übergewicht. Sie stehen mit beiden Beinen fest im Leben. Es sind stabile Persönlichkeiten mit langfristigem Denken und ruhigem Wesen. Sie verfügen über eine geschmeidige, oft ölige Haut, haben dickere Haare und bis ins hohe Alter kaum Falten.
Wichtig: Die meisten Menschen besitzen eine Mischkonstitution, das bedeutet sie gehören nicht hundertprozentig einem ayurvedischen Typus an.
Befinden sich unsere Energien im Gleichgewicht, dann fühlen wir uns gut. Gerät die Balance der Doshas ins Wanken, wird das allgemeine Wohlbefinden beeinträchtigt. Entspannende Massagen sind bestens geeignet, die Harmonie der Doshas wieder herzustellen.
Wellness pur
Bitte beachten Sie, dass das vorgestellte „Padabhyanga-Special“ als reine Wellness-Dienstleistung konzipiert ist. Es werden keine Diagnosen, Therapien oder heilkundlichen Handlungen im medizinischen Sinne durchgeführt. Informieren Sie Ihre Kunden darüber, dass zwar einzelne Elemente der ayurvedischen Gesundheitslehre entlehnt sind, aber die Anwendung keinesfalls den Gang zum Arzt oder Heilpraktiker ersetzt.
Entspannung und Ausgleich
1. Erkundigen Sie sich nach dem Wohlbefinden Ihres Kunden und besprechen Sie in Ruhe bei einer Tasse Tee den Ablauf des Programms. Zu Beginn des „Padabhyanga-Specials“ werden Rosenöl-Wattepads auf die Augen gelegt, um das Augenfeuer zu dämpfen. Sie sind für alle Konstitutionstypen geeignet.
2. Den Auftakt bildet eine Garshan-Massage. Diese wird trocken mit speziellen Rohseidenhandschuhen ausgeübt. Sie besteht aus einer Abfolge von Streichungen und Kreisungen vom Fuss bis zum Oberschenkel. Die Anwendung sorgt für ein sanftes Peeling und fördert die Durchblutung. Bei Frauen beginnt man am linken Bein, bei Männern am rechten.
3. Nun folgt die Entspannung in einem Fussbad. Dieses sollte in einer formschönen Schale erfolgen. Für die Waschung benötigen Sie eine Naturseife und einen breiten Kosmetikpinsel.
4. Nachdem die Füsse gut abgetrocknet wurden, folgt die Einstimmung auf das Padabhyanga-Programm mit einem Fussölguss. Hierfür benötigen Sie Beinstützen, um die Füsse darauf zu platzieren. Legen Sie die Stützen mit Tüchern aus und stellen Sie eine kleine Auffangschale für das Öl darunter.
5. Mischen Sie im Wasserbad erwärmtes Öl, z.B. Sesamöl, mit ein wenig Ayurveda-Essenz, die zur Stimmungslage und Konstitution Ihres Kunden passt. Giessen Sie das warme Öl aus einer schönen Karaffe langsam mit einem feinen, dünnen Strahl über Füsse und Beine. Durch dieses kleine Einstiegsritual wird Ayurveda besonders stark versinnbildlicht. Danach werden beide Füsse in die Auflagetücher gewickelt und der Kunde kann die nachwirkende Ölpackung geniessen.
6. Nach einer kleinen Ruhezeit beginnt die Padabhyanga. Umfassen Sie zur Kontaktaufnahme die Fussrücken mit den Händen, halten Sie kurz inne und beginnen Sie mit Ausstreichungen bis zum Knie. Es folgt eine Massage der Zehen und Fusssohlen mit kreisenden Bewegungen, am besten synchron.
Das Kreisen und Streichen der Zehen und Fersen kann auch mit Mini-Kräuterstempeln erfolgen, die zuvor in ca. 45 °C warmes Öl getaucht wurden. Die Füllung der Stempel besteht aus Ingwer, naturreinem Mandarinenöl und Kampfer. Durch die Kräuterwirkstoffe wird die Durchblutung der Haut angeregt und die Feuchtigkeitsdepots werden aufgefüllt.
7. Neben ausstreichenden und kreisenden Bewegungen kommen bei der Massage auch Knetungen, Dehnungen und Spezialgriffe wie z.B. der Vierkantgriff, das Klavier oder die Z-Technik zum Einsatz. Diese werden am besten in entsprechenden Seminaren erlernt.
Eine anschliessende Ruhepause verbunden mit bewusstem Atmen und liebevoller Betreuung lässt das Spezialprogramm ausklingen. Die Haut wird abschliessend von überschüssigem Öl befreit und gegebenenfalls nachfrottiert.
Der Abschluss
Ein besonderes Abschlussritual nach Massagen ist die Erdung. Hierzu legt man beide Handflächen auf die Fusssohlen und aktiviert diese mit einem leichten Druck. Die Erdung schafft Stabilität, Verwurzelung und gibt Sicherheit. Wenn Bäume alt werden, altern zuerst die Wurzeln. Wenn Menschen alt werden, altern zuerst die Füsse. Gerade deshalb ist es so wichtig, diese abschliessende Berührung mit viel Energie und Intensität durchzuführen. Die Qualität der Berührung ist entscheidend, um alles in Fluss zu bringen und dem Kunden einen unvergesslichen Wohlfühlmoment zu schenken.
Alternativ kann die Erdung auch in Form einer abschliessenden kurzen Klangmassage erfolgen. Massage- bzw. Klangschalen bestehen aus einem Metallmix sowie Kupfer und Zinn. Ihre Schallwellen pflanzen sich auf angenehme Weise von den Füssen aus durch den gesamten Körper fort.
Autorin: Ursula Schneider

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