Hautbefeuchtung

Hautbefeuchtung

Kosmetische Durstlöscher

Schöne, gesunde Haut ist in der Lage, Feuchtigkeit zu regulieren und zu speichern. Eine Vielzahl von Wirkstoffen soll diese Fähigkeiten bewahren.

Der Feuchtigkeitshaushalt der Haut ist im Wesentlichen abhängig von einer guten Durchblutung, einem gesunden Zellstoffwechsel und einem intakten Hydrolipidmantel. Letzterer wird unter anderem durch eine starke Lipidschicht (Kittsubstanz im Stratum corneum) garantiert. Sie schützt die Haut nicht nur vor Feuchtigkeitsverlust, sondern auch vor Schadstoffen, Keimen und Krankheitserregern. Gesunde Haut ist gut durchfeuchtet, rosig und straff. Da die Haut durch Stress, Klimafaktoren, übertriebene Reinigungs- sowie ungesunde Ernährungs- und Trinkgewohnheiten, falsche Pflege und natürliche Alterungsprozesse mit der Zeit jedoch immer dünner und trockener wird, ist die Entwicklung kosmetischer Durstlöscher für die Haut folgerichtig. Denn wenn die Haut nicht in der Lage ist, Feuchtigkeit zu speichern, wirkt sie nicht nur trocken, sondern auch schlaff und faltig. Der Feuchtigkeitsverlust ist zwar individuell verschieden, doch so um die Dreissig wird er fast immer sichtbar. Hilfe von innen (gesunde Ernährung, ausreichend Schlaf, Verzicht auf Genussgifte wie Nikotin und Alkohol) und von aussen (durch entsprechende Kosmetika) wird notwendig.
Um diese wichtigen Funktionen der Haut – Regulation und Speicherfähigkeit von Feuchtigkeit – zu erhalten, kommt besonders im Rahmen von Anti-Aging-Konzepten eine Vielzahl von Wirkstoffen zum Einsatz. Dabei handelt es sich zum Beispiel um Fruchtsäuren, Vitamine und Enzyme, Phytohormone und Phytosterole, bestimmte Proteine und Aminosäuren, Saccharide, Mineralien, Spurenelemente und Urea (Harnstoff). Auch Glycerin, stabilisierende edle Öle und Fettsäuren (Ceramide) werden verwendet. Die Lichtschutzfilter in den Produkten sollen ebenfalls vor Feuchtigkeitsverlust schützen. Pflanzliche Extrakte sollen die Widerstandsfähigkeit der Haut stärken und somit auch wieder die Hautfeuchtigkeit speichern und regulieren. Dabei handelt es sich zum Beispiel um Aloe vera, Feigenkaktus, Kamelie und Magnolie, Orchidee, Quitte, Reis, Sonnenblumen- und Sojasprossen, grünen und weissen Tee. Vor Feuchtigkeitsverlust sollen auch verschiedene Algenprodukte und Thermalwasserpräparate schützen.

Clevere Enzyme
Enzyme sind natürliche Aufpolsterer und Wasserspeicher der Haut, allen voran das Coenzym Q10. Ein Enzym mit dem Namen Matriptase soll stark aktivierend auf die natürliche Feuchtigkeitsregulation der Hautzellen wirken. Es wird bereits ein entsprechender Wirkstoff in edle Cremes eingearbeitet, der die Produktion dieses Enzyms, das sich im Inneren der Zellen befindet, anregen soll. Das „Zaubermittel“ aber heisst Hyaluronsäure, ein langkettiges, lineares Polysaccharid. Hyaluronsäure ist ein wichtiger Bestandteil des Bindegewebes, der aber überall im Organismus zu finden ist, auch im interzellulären Gewebswasser. Sie erfüllt viele Aufgaben im Körper, zum Beispiel bei der Wasserspeicherung und Druck – abfederung in den Bandscheiben oder bei der Bildung der Sinovialflüssigkeit (Gelenkschmiere) in allen Gelenken. Aber letztendlich sorgt auch sie für straffe, jugendlich frische Haut. Früher wurde Hyaluronsäure für Kosmetikprodukte aus Hahnenkämmen gewonnen, heute kann sie synthetisch nachgebaut werden.

Aqua Booster als „Wasserpumpe“
Die Haut verfügt über ein natürliches „Bewässerungssystem“, das nicht nur auf die Zufuhr feuchtigkeitsspendender Substanzen von aussen angewiesen ist. Deshalb ist ausreichendes Trinken auch so wichtig. Winzige Wassermoleküle dringen ständig aus tieferen Hautschichten durch die durchlässigen Zellwände ins Innere der Hautzellen und werden gleichmässig im Gewebe verteilt. Da diese „Wasserpumpe“ aber im Verlauf des Lebens immer weniger aktiv ist, hat die Kosmetikindustrie sogenannte Aqua Booster entwickelt, die z.B. mit pflanzlichen Aminosäuren und Rotalgenextrakten die natürliche Hydraulik unterstützen sollen.
Um die Bildung von natürlicher Hyaluronsäure im Bindegewebe anzu – regen, setzt man auch auf die Extrakte aus Samen der Yuzu, einer wenig bekannten asiatischen Zitrusfrucht. Und um die Speicherfähigkeit zu erhöhen sowie die Barrierefunktion der Hornschicht zu stärken, soll eine Extraktkombination aus Granatapfel und Moltebeeren in Kombination mit Vitamin E aus Weizenkeimen und Hyaluronsäure sehr wirksam sein. Auch kostbare Extrakte aus vielen Wüstenpflanzen, für die die Wasserspeicherung lebensnotwendig ist – zum Beispiel Feigenkakteen und Wüstenrosen –, sind in Kosmetika als Durstlöscher für unsere Haut enthalten. Ein Novum ist ein Rindenextrakt aus dem exotischen Katafraybaum, der helfen soll, die Hautspeicher aufzufüllen. Last, but not least werden mit einer neuen Technologie Hydrolipide mit Thermalwasser verbunden und als Feuchtigkeitsträger in die Hautzellen eingeschleust. Thermalwasser ist reich an Mineralien und Spurenelementen. Die so entstandenen Präparate eignen sich ganz besonders zur Pflege trockener sensibler Haut.

Um die Haut gegen Feuchtigkeitsverlust zu schützen, soll vor allem der Hydrolipidmantel
gestärkt werden. Das geschieht am besten durch die Aktivierung der Hautdurchblutung und durch die Anregung des Zellstoffwechsels sowie der Zellregeneration. Dazu gibt es im Handel eine Reihe von Produktangeboten, unter anderem mit Distel-, Jojoba-, Mandelund Olivenöl sowie mit vielen anderen Extrakten aus Pflanzen, Blüten und Früchten. Weil die Feuchtigkeitsprobleme bei jeder Haut anders gelagert sind, muss die Behandlung entsprechend individuell sein. Die Auswahl der Präparate und Anwendungen richtet sich immer nach den Ergebnissen einer gründlichen Hautdiagnose. Bei echten Hautschäden ist auch immer die Zusammenarbeit mit einem Dermatologen angezeigt. In diesem Fall ist dann ganz besonders eine Kurbehandlung empfehlenswert.

Henny Ladwig | Die Kosmetikerin, Gymnastiklehrerin, Physio-, Atem-, Lymphdrainage- und Reflexzonentherapeutin betrieb eine Praxis für Physiotherapie und eine Schönheitsfarm. Heute ist sie als Fachautorin und Referentin tätig.

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