Entstehung und Ursachen unreiner Haut bei Jugendlichen

Ausser Balance
Jugendliche legen grossen Wert auf ihr Äusseres. Und das ausgerechnet in einer Zeit, wo die Haut plötzlich Schwierigkeiten macht! Die gute Nachricht: Der Hautzustand kann durch die fachkundige Hilfe der Kosmetikerin und die konsequente Mitarbeit der Betroffenen signifikant verbessert werden.
Fettig, glänzend, unrein! Allein diese Worte zur Beschreibung des Hautzustandes erzeugen
einen hohen Leidensdruck bei den Betroffenen. Eine Therapie bei Akne gehört – je nach Schweregrad – in die Hände eines Dermatologen. Akne und unreine Haut sind Erkrankungen der Talgdrüsenfollikel. Lokalisiert sind die Begleiterscheinungen vor allem in talgdrüsenfollikelreichen Hautregionen wie Gesicht, Dekolleté und Rücken. Die ursächlichen Faktoren für die Entstehung der ungeliebten Effloreszenzen sind vielfältig. Dazu zählen die genetische Disposition, eine vermehrte Talgproduktion, durch das Hormon Testosteron aktiviert, Verhornungsstörungen, das Bakterium Propionibacterium acnes sowie persönliche Faktoren (Alter, Geschlecht, Beruf, Stresssituationen, Lebensgewohnheiten, Monatszyklus und Medikamente). Im Teenageralter kann ein veränderter Hormonhaushalt zu Hautproblemenbis hin zu Akne führen.
Entstehung unreiner Haut
Während der Pubertät kommt es sowohl beim Mann als auch bei der Frau zu einer vermehrten Ausschüttung des Testosterons (männliches Geschlechtshormon).
Dieses Hormon hat die Eigenschaft, die Talgdrüsen zu vermehrter Talgproduktion anzuregen. Die Talgdrüsen werden gegenüber dem Testosteron, welches durch das hauteigene Enzym 5-alpha-Reduktasein das um das 10fach potentere Dihydrotestosteron umgewandelt wird, empfindlicher. Diese vergrössern sich und die Talgproduktion steigt an. Der gleichzeitig angeregte Verhornungsprozess führt dazu, dass die regelmässige Abschilferung der Hornzellen des Talgdrüsenfollikels aus der Balance gerät und die Hornzellen den Ausführungsgang verstopfen. Die Talgdrüse gibt aber weiter Sebum ab, welches am Ausführungsgang nicht mehr austreten kann. Es kommt zur Mitesserbildung. Solche Mitesser können als weisse (geschlossene) oder schwarze (offene) Komedonen in Erscheinung treten. Zusätzlich befinden sich im Talgdrüsenausführungsgang Propionibakterien (Propionibacterium acnes). Sie produzieren Enzyme (Lipasen), die freie Fettsäuren von den Neutralfetten des Talgs abspalten, welche die Komedowand auflösen. Im Anschluss entstehen Papeln, Pusteln und bei starken Entzündungen Knoten.
Neues aus der Wissenschaft
Der Einfluss der Psyche auf die Verschlimmerung der Akne konnte bislang nicht bewiesen werden. Aktuelle Untersuchungen zeigen jedoch, dass das Stresshormon CRH die Lipidgenese aktiviert und die Umwandlung von DHEA zu Testosteron in den Sebozyten beeinflusst und somit die Entwicklung von Entzündungen im Talgdrüsenfollikel fördert. Amerikanische Forscher von der University of California, San Francisco haben in einer Studie belegen können, dass die Menge körpereigener antimikrobieller Substanzen an der Hautoberfläche unter Stress rapide abnahm. Das erhöhte Stresslevel stört vermutlich den Transport körpereigener Antibiotika in die Haut. Nach Ansicht der Wissenschaftler spielen die Stresshormone daher wohl eine Schlüsselrolle bei der Hauterkrankung. Insofern haben Stress und Störungen in der Balance der Lebensführung immer auch Einfluss auf das Hautgleichgewicht.
Ernährung nimmt Einfluss
Der Zusammenhang von Ernährung und Akne war sehr lange Zeit umstritten. Obwohl Beobachtungen aus der Praxis etwas anderes bestätigen, wurde von den Dermatologen eine Verbindung zwischen dem Verzehr bestimmter Nahrungsmittel und Akne verneint. Nun ist die Bedeutung von Ernährungsfaktoren bei der Induktion der Akne aber zunehmend in den Vordergrund gerückt. Auffallend ist die hohe Anzahl der betroffenen Jugendlichen in Ländern mit westlichem Lebens- und Ernährungsstil. Interessanterweise wurde herausgefunden, dass bei den Kitava-Insulanern in Papua-Neuguinea und den Aché-Jägern in Paraguay keine Akne existiert. Trotz umfangreicher Untersuchungen weiter Bevölkerungsschichten fand sich kein einziger Aknefall. Die Inselbewohner ernähren sich hauptsächlich von Fisch und frischem Gemüse. Man nimmt an, dass der hohe Gehalt an Omega-3-Fettsäuren
eine entzündungshemmende Wirkung hat und damit auch einen therapeutischen Effekt auf die Entzündungsvorgänge der Akne.
Insulinotrope Nahrungsmittel wie Milch und Milchprodukte sowie Kohlenhydrate mit hohem glykämischem Index werden als Auslöser der Akne untersucht. Durch die amerikanische „Growing Up Today“-Studiemit 26.000 Kindern wurde z.B. herausgefunden, dass bei 4.173 Jungen und 6.094 Mädchen im Alter zwischen 9 und 14 Jahren eine signifikante Korrelation zwischen täglichem Milchkonsum und dem Auftreten von Akne besteht. Diese Nahrungsmittel führen über eine erhöhte Insulinausschüttung mit verschiedenen nachfolgenden Mechanismen zu einer gesteigerten Bildung von Talg. Bei Akne könnte also ein Verzicht auf Milch und Milchprodukte, Zucker, Getreide und Getreideprodukte aus Weissmehl sowie Kartoffeln einen hohen Stellenwert einnehmen. Günstig könnte sich der Genuss ballaststoffreicher Nahrungsmittel wie Obst, Gemüse, Rohkost und Vollkornbrot auswirken. Zusätzlich zu besonderen Ernährungsgewohnheiten gibt es eine ganze Reihe dermatologischer und kosmetischer Behandlungsansätze.
Britta Heilmann | Die Autorin ist Dipl. Ing. für Kosmetiktechnologie und Kosmetikerin. Ihre Verantwortlichkeiten bei der Dr. med. Christine Schrammek Kosmetik GmbH liegen im Bereich Produktentwicklung, Dokumentation und Qualitätssicherung.
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