Was wirklich wirkt

Foto: WAYHOME studio/Shutterstock.com
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Cosmeceuticals, Placebos & Co. – Angebote und Versprechen in der Anti-Aging-Kosmetik haben Hochkonjunktur. Da fällt es nicht nur den Verwendern, sondern auch dem Fachpersonal schwer, den Überblick zu behalten. In Teil 2 erfahren Sie das Wichtigste über Placebos, altbewährte, kontroverse und verzichtbare Komponenten in Präparaten. 

Placebos ohne (Langzeit-)Nebenwirkung haben ihre Berechtigung. Sie geben offensichtlich ein gutes Gefühl, was sich bekanntlich wiederum über die Psyche auf den Allgemeinzustand und die Haut auswirkt. 
Ein Placebo wird in der Regel als ein Präparat mit Wirksamkeit und nicht als Placebo angeboten. In diesem Zusammenhang sollte erwähnt werden, dass die meisten Studien inklusive Wirkungsnachweisen fehlerhaft, artifiziell, nicht reproduzierbar und nicht auf die Praxis übertragbar sind. Nichtsdestoweniger ist mit dem Wirkstoff vielleicht eine gute Story verbunden, die aber nach KVO regelwidrig ist. Placebos lassen sich durch Doppelblindstudien nachweisen.Typische Placebos sind Präparate mit oft 30 und mehr INCI-Codes, die allseits bekannte Wirkstoffe in homöopathischen Dosierungen einschliessen. Wesentliche Voraussetzung ist dabei die Unterschreitung der Allergieschwellen bei enthaltenen Extrakten. Unwirksame Komponenten können aber auch unbeabsichtigt durch Interaktionen entstehen. Andererseits können Schutz- und Heilungsprozesse behindert werden, wie die folgenden Beispiele zur Verwendung von Antioxidantien zeigen:
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  • Bei Kombinationen starker Antioxidantien mit Coenzym Q10 entsteht unter Verbrauch der Antioxidantien die (allerdings aktive) Hydrochinonform des Coenzyms Q10.
  • Die Behandlung von Sonnenbrand mit Antioxidantien ist für den Heilungsprozess, der radikalisch verläuft, kontraproduktiv.
  • Bei der Blaulichtbehandlung von Akne wirken entstehende Radikale auf bakterielle Prozesse. Antioxidantien senken die Effektivität der Behandlung. Gleiches gilt für
  • Rotlicht, das zur Behandlung von Haut-krebs und aktinischer Keratose im Rahmen der photodynamischen Therapie (PDT mit 5-Aminolävulinsäure eingesetzt wird, sowie für
  • Licht- und O2-induzierte dermatologische Therapien (Psoriasis) mit PUVA, Dithranol etc.

Auf den ganzen Körper bezogen passen auch Chemotherapie und hoher Antioxidantienkonsum nicht zusammen. Darüber hinaus werden Immunantworten auf Infekte, die meist unter Temperaturerhöhung und Radikalbildung verlaufen, durch Antioxidantien konterkariert.

Altbewährte Komponenten

Unter diese Kategorie fallen:

  • Barriereaktive Komponenten wie langkettige Fettsäuren, Cholesterin und Phytosterine, Ceramide, hydriertes Phosphatidylcholin, Squalan/Squalen.
  • Moisturizer wie Glycerin, Glykole, Harnstoff, Aminosäuren, Mineralsalze und Glycerophosphatidylcholin (GPC) in niedriger Konzentration sowie oberflächlich wirkende filmbildende Polysaccharide wie Hyaluronsäure, Alginate und Cellulosederivate.
  • Vitamine und Provitamine – u. a. Vitamin E, das die Epithelisierung und das Feuchthaltevermögen der Haut verbessert.
  • Peptide, Spilanthol und Hyaluronsäure zur Faltenreduzierung.
  • Hautstraffende Extrakte und Wirkstoffe wie Centella asiatica, Kigelia, Saponine, N-Acetyl-Glucosamin.
  • Antioxidantien: Vitamine A, E und C, Isoflavonoide, Polyphenole und Derivate in angemessenen (!) Konzentrationen. Starke Antioxidantien sind kontraproduktiv, wenn sie Heilungs- und Pigmentierungsprozesse behindern, die durchweg radikalisch (!) verlaufen.

Kontroverse Komponenten

Antioxidantien als solche gehören daher nicht unbedingt zu den Cosmeceuticals, es sei denn, es handelt sich um Stoffe wie Vitamine oder Phytohormone, die über eine Multifunktionalität verfügen. 
Kontrovers werden auch Hilfs- und Wirkstoffe diskutiert, denen die Kausalität fehlt, die positive wie negative Eigenschaften haben oder deren Wirksamkeit von der Gegenwart anderer Stoffe abhängt. 

Verzichtbare Komponenten

In der nachhaltigen Hautpflege und den damit verbundenen Anti-Aging-Präparaten sollte auf einige Stoffgruppen ganz verzichtet werden. Dabei handelt es sich um:

  • Okklusive Komponenten – sie bremsen die Eigenregeneration aus. 
  • Konservierungsstoffe – sie beeinflussen das Mikrobiom und erzeugen Resistenzen, die gegebenenfalls zu Infektionen führen.
  • Farbstoffe.
  • Emulgatoren & Tenside – Ausnahme: Reinigungsprodukte und Tenside mit kleiner CMC (critical micelle concentration/kritische Mizellkonzentration).
  • Endokrine Disruptoren.
  • Reizlindernde Stoffe, die lokale Nervenimpulse manipulieren – Warnung des BfR vor Laureth-9 alias Polidocanol (INN). Analog zu bewerten ist 4-t-Butylcyclohexanol.
  • Duftstoffe – sie enthalten allergene Komponenten per se oder diese werden bei Lagerung und Gebrauch durch Strahlung und Oxidation erzeugt. Sie penetrieren und permeieren wegen ihrer geringen Molekülgrösse sehr rasch in und durch die Haut.

Abschliessende Bemerkungen

Der akademische Kommentar „Glaube keiner Studie, die Du nicht selbst gefälscht hast“ gilt nicht für alle Anti-Aging-Wirkstoffe und -präparate. Studien dürfen aber nicht dazu verleiten, das Denken abzuschalten. Ein in diesem Zusammenhang passender Spruch von Marie von Ebner-Eschenbach lautet: Wer nichts weiss, muss alles glauben. Informationen und Quellen zu weiteren Wirkstoffen finden sich in der Leitlinie „Dermokosmetika gegen Hautalterung“ der Gesellschaft für Dermopharmazie (GD).

Dr. Hans Lautenschläger – Der promovierte Chemiker ist geschäftsführender Gesellschafter der Koko Kosmetikvertrieb GmbH & Co. KG.
www.dermaviduals.de 

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