Geschichten aus dem Nagelstudio: Genau hinhören

Foto: Lelechka/shutterstock.com
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Als Kosmetikerin und Nageldesignerin sind Sie jeden Tag in Kontakt mit vielen Menschen. In dieser Serie erzählen vier Nageldesignerinnen, welche bewegenden, lustigen oder verrückten Begegnungen sie schon einmal bei der Arbeit gemacht haben und was sie daraus mitgenommen haben.

Foto: Autorin
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Davon, dass es nicht immer leicht ist, die Kundenwünsche richtig zu erkennen, erzählt Janine Wüst.
Die gelernte Coiffeuse und Nageldesignerin hat sich im Jahr 2018 mit ihrem Studio in Herisau selbstständig gemacht. Seit Dezember 2021 beschäftigt sie ihre erste Mitarbeiterin. Als Trainerin der alessandro Schweiz Academy ist sie stets über neue Trends, Techniken und Produkte informiert.
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„Eine meiner ersten Kundinnen, die zu mir ins Geschäft kam, war eine kleine Herausforderung für mich. Bei der Besprechung, welchen Nail-Look sie sich wünschte, sagte sie mir, sie möge kein Glitter. French fände sie ganz hübsch, aber zu langweilig. Fullcover möchte sie nicht, da man dabei so schnell sieht, wie es herauswächst. Und Stempeln würde man ja sowieso nicht mehr …
Es war also nicht einfach, den richtigen Look für die Dame zu finden. Schliesslich schlug ich vor, einen Baby Boomer zu machen. Ich war schon sehr nervös, denn wir wissen ja alle: Baby Boomer sind nicht leicht, manchmal läuft es besser, manchmal eben nicht so gut. Nach anderthalb bis zwei Stunden war ich fertig mit den Nägeln und fand, dass der Look wirklich schön geworden sei. Als die Kundin ihre Nägel betrachtete, sagte sie jedoch eiskalt: „Ist das alles?“
Diese Reaktion hat mich überrascht, denn ich hatte mir so viel Mühe gegeben! Schlussendlich haben wir es dabei belassen, denn Zeit, einen neuen Look zu machen, war keine mehr.
Die Kundin ist aber weiterhin zu mir gekommen, sodass wir das nächste Mal einen anderen Look probieren konnten, und zwar einen ganz einfachen farbigen French. Da die Kundin eine French Manicure zu Beginn kategorisch ausgeschlossen hatte, habe ich nicht erwartet, dass ihr ein French in einer anderen Farbe gefallen könnte. Doch: Ein bunter French gehörte für sie nicht in dieselbe Kategorie wie ein normaler French in Weiss.
Die Erfahrung hat mich gelehrt, dass die Besprechung am Anfang das A und O ist! Je genauer man nachfragt, desto besser. Gleichzeitig sollte man auch deutlich sagen, was möglich ist und was nicht. Zu guter Letzt sollten Sie auch immer in Betracht ziehen, dass Kunden Looks anders wahrnehmen als Sie selbst.“

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