Kosmetikforschung

Ent-Faltung
Was gibt es Neues in Sachen Anti-Aging? Welcher Wirkstoff ist noch effektiver gegen Falten, wie wird der Teint strahlender und was hält die Haut länger jung? Ein Blick ins Beautylabor.
In den Kosmetiklaboren brodelt es in der Anti-Aging-Forschung. Nicht nur, weil immer effektivere Wirkstoffe gegen Fältchen und Linien entwickelt werden, sondern auch, weil die Anti-Aging-Wirkstoff-Forschung ein immer weiteres Einsatzfeld erhält. Studien identifizieren wichtige Symptome der Hautalterung, die bisher vernachlässigt wurden, und zeigen ausserdem, dass Kunden bereit sind, in wirkungsvolle Anti-Aging-Pflege zu investieren – und das früher als bisher. Kunden haben verstanden, dass Prävention ein entscheidender Faktor ist für alle, die länger jung aussehen möchten. Zudem ist Anti-Aging aufgrund der demografischen Entwicklung ein Zukunftsthema.
Die Basis – Lipide und Schutz
Vor allem nach der Menopause steigt die Hauttrockenheit rapide an, sodass Trockenheitsfältchen entstehen. Der natürliche Schutzmantel der Haut, der Hydrolipidmantel, leidet darunter, sodass die Haut zusätzlich empfindlicher auf Umweltstress reagieren kann. Da-her sind die Basis jeder Anti-Aging-Pflege wertvolle Lipide, die die Hautbarriere stabilisieren. Zudem ist oxidativer Stress als eine der Hauptursachen der Hautalterung erkannt. Daher sind Antioxidantien ein elementarer Bestandteil der momentanen Forschung. Wirksame Antioxidantien sind unter anderem Vitamin C und Vitamin-C-Derivate. Auch sekundäre Pflanzenstoffe wie Flavonoide haben eine gute antioxidative Wirkung.
Der Goldstandard – Wirkung gegen Falten Die Entstehung von Falten ist ein komplexer und individueller Prozess. Wenn eine Falte entsteht, kann das unterschiedliche Ursachen haben. Daher müssen auch unterschiedliche Wirkstoffe zur Bekämpfung von Falten eingesetzt werden. Lupinenextrakte beispielsweise verbessern die Hautelastizität und wirken gegen Gravitationsfalten wie z.B. die Nasolabialfalte oder Falten an den Mundwinkeln und am Hals. Die Aminosäure L-Carnosin vermindert durch Glykation (Verzuckerung) entstehende Falten, während Oligopeptide aus Hibiskussamen einen Effekt ähnlich wie Botox haben: Sie vermindern Mimikfalten wie zum Beispiel Krähenfüsse oder Fältchen um die Lippen, indem sie die Muskelkontraktion reduzieren. Moderne Peptide können den transepidermalen Wasserverlust verringern und so Plissee-Fältchen vermindern. Im Idealfall greift der Kunde jedoch schon zur Anti-Aging-Pflege, bevor die ersten Fältchen entstehen. Denn die natürliche Hautalterung beginnt bereits mit Ende 20.
Die Zukunft – Prävention
Der Wirkstoff „Telovitin“ gehört zu den präventiven Wirkstoffen. Er bekämpft die Hautalterung an ihrem Ursprung: der Zellaktivität. Der Wirkstoff schützt die Enden der Chromosomen, die Telomere, und verlängert damit den Lebenszyklus der Hautzellen. Damit zögert er die Faltenbildung heraus.
Moderne Anti-Aging-Produkte haben ein extrem hohes Wirkprofil. Dabei geht es mittlerweile nicht mehr unbedingt um den besonders tiefen Transport der Wirkstoffe, sondern um Inhaltsstoffe, die über eine Signalwirkung Reaktionen in den tieferen Hautschichten hervorrufen können – ähnlich wie man per Telefon mit einer Person sprechen kann, ohne sich in ihrer Nähe zu befinden. Solche Wirkstoffe müssen nicht tief eindringen, um einen Effekt zu haben.
Ein Beispiel hierfür sind biologisch aktive Peptide. Diese Peptide können so kreiert werden, dass sie im Körper eine bestimmte Reaktion auslösen. Signalpeptide aktivieren beispielsweise die Bindegewebszellen durch ein spezifisches Signal. Wie ein Startschuss kann dieses Peptid eine Kettenreaktion auslösen, die der Wundheilung ähnelt. So wie die Haut sich bei kleineren Verletzungen natürlich regeneriert, reagiert sie jetzt auch und erhöht die Kollagensynthese.
DNA-Technologie
Eine der wichtigsten Aufgaben moderner Hautpflege ist der Schutz der DNA, denn nur eine gesunde DNA lässt uns jung und frisch aussehen. Dabei geht es allerdings nicht um DNA als Inhaltsstoff, sondern darum, die richtigen Wirkstoffe zu finden, um sie zu schützen. Das geht zum Beispiel mit Stammzellen, bestimmten Pflanzenextrakten, Vitamin E oder Antioxidantien. Pflanzliche Stammzellen können die Stammzellen in der Haut schützen. Dies ist wichtig, da die Schädigung epidermaler Stammzellen einen direkten negativen Einfluss auf die Regenerationsfähigkeit der Haut hat. Denn wenn die Stammzellen in der Haut geschädigt sind, kann die Haut sich nicht regenerieren. Wir finden immer neue Einsatzmöglichkeiten für diese nachhal-tig gewonnenen Wirkstoffe aus unterschiedlichen Pflan-zen, sodass das Thema noch grosses Potenzial hat.
Das lässt jung aussehen – Glow
Ein Anzeichen der Hautalterung wurde lange vernachlässigt: fahler Teint. Doch Studien haben gezeigt, dass es gar nicht so sehr die Fältchen sind, die uns für andere älter aussehen lassen. Wenn der Teint strahlt, wirken wir jünger. Diese Erkenntnis berücksichtigt die Forschung und entwickelt „Strahlkraft-Wirkstoffe“ wie beispielsweise den Mikroalgenextrakt „Lumicol“. Wenn Sommersprossen nicht mehr niedlich sind, sondern zu Pigmentflecken werden, können nicht vollständig abgebaute Proteine im Gewebe schuld sein. Der Mikroalgenextrakt kann ein Enzym aktivieren, das diese abbaut. So sorgt es für einen ebenmässigen Teint. Die Haut erhält ihre Leuchtkraft zurück. Man spricht hier auch von Glow.
Gemeinsam Schönheit entfalten
Gemeinsam mit effektiven Radikalfängern sowie die Hautbarriere stabilisierenden Lipiden sind Anti-Falten-Wirkstoffe der Kern jeder Anti-Aging-Pflege. Darüber hinaus möchte moderne Wirkstoffkosmetik die Symptome der Hautalterung nicht nur kaschieren, sondern ihr auch effektiv vorbeugen. Weil wir sehr genau wissen, wie unsere Haut funktioniert, können wir mit bioaktiven Wirkstoffen den Alterungsprozess beeinflussen. Prävention ist hier das Stichwort. Noch bessere Ergebnisse kann man übrigens erzielen, wenn die Wirkstoffbehandlung mit neuesten apparativen Behandlungstechniken unterstützt wird.
Den vollständigen Artikel finden Sie in Ausgabe 10/15 der BEAUTY FORUM Edition Swiss.
Andrea Weber │ Die diplomierte Biologin leitet die Abteilung Forschung und Entwicklung des Kosmetikunter-nehmens Babor. Am London Fashion Institut erwarb sie das Diploma of Cosmetic Science. Als Technische Redakteurin und Mitglied verschiede-ner Arbeitsgruppen bei DGK und IKW schreibt sie auch Artikel für die Fachpresse.