Regeneratives Permanent Make-up

Schönheitsmakel reparieren
Verbrennungs- oder Verletzungsnarben, fehlende Haare oder Hauterkrankungen stören häufig nicht nur optisch, sondern auch mechanisch. Qualifizierte Pigmentierer können mit Permanent Make-up vieles kaschieren und die Lebensqualität des Kunden so beachtlich steigern.
Clevere Geschäftsfrauen und kreative Visagistinnen haben gleichermassen die Permanent Kosmetik für ihren Salon entdeckt und arbeiten sehr ertragreich und erfolgreich mit modernen Permanent-Make-up-Methoden.
Besonders gewinn- und imageträchtig ist Permanent Make-up, wenn intelligente Kooperationen geschlossen werden. So bieten inzwischen auch viele Pigmentistinnen einen mobilen Service an, bei dem sie verschiedene Salons besuchen und vor Ort deren Kunden beraten und behandeln. Auf diesem Weg verdienen beide Parteien gutes Geld und der Kundenstamm der Pigmentistin wird erweitert.
Heute werden die Fähigkeiten einer Pigmentistin mehr denn je auch in artverwandten Berufsbereichen eingesetzt. Die Mikropigmentierung hat mittlerweile alle Berufszweige der Kosmetik erreicht und ist für eine moderne Kosmetikerin aus dem täglichen Salonleben kaum noch wegzudenken. Dauerhafte Schönheit und Gepflegtheit gehören zu den Grundwünschen einer jeder Kundin.
Es bieten sich also Kooperationen zu befreundeten Kosmetikerinnen an, zu Friseuren, Nagelstudios, Sonnenstudios, Schönheitsfarmen oder – für medizinisch indizierte Pigmentierungen –zu Ärzten, plastischen Chirurgen, Dermatologen, Krebskliniken und Selbsthilfegruppen für Alopecia.
Medizinische Gründe
Die sogenannte Mikropigmentation ist längst über das „normale“ Permanent Make-up hinausgewachsen. Von medizinisch indizierten Pigmentierungen spricht man, wenn man Kunden und Patienten mit medizinischer Vorgeschichte kosmetisch nachbehandelt. Diese Pigmentierungen können Kunden und Patienten zu neuem Selbstbewusstsein verhelfen, die durch Unfallnarben entstellt sind, durch Chemotherapie ihre Gesichtshaare verloren haben oder unter genetischen Defekten wie beispielsweise einer Lippen-Gaumen-Spalte leiden.
Diese Arten von Behandlung haben eine kosmetische Zielsetzung, nämlich das Aussehen oder die äussere Erscheinung eines medizinischen Eingriffes rein optisch zu verbessern. Diese Behandlungen heilen nicht und lindern keine Schmerzen, vielmehr sind sie ein Make-up auf einer etwas anderen Unterlage. Deshalb werden die folgenden Behandlungen nicht als medizinische Eingriffe, sondern als rein kosmetische Behandlungen bewertet.
Die Nachfrage nach einer dauerhaften Hilfe bei Weissflecken, kreisrundem Haarausfall, nach Verbrennungen, bei Narben durch Unfälle oder Operationen steigt mit der sich immer weiter verbreitenden Information durch Fachleute, Ärzte und Selbsthilfegruppen sowie Kosmetikerinnen stetig an. Doch natürlich ist ein umfassendes Wissen im Bereich der Pigmentologie sowie eine grosse Erfahrung mit Permanent Kosmetik nötig. Medizinisch indizierte Pigmentation kann nur lernen, wer bereits ausreichend Erfahrung mit den alltäglichen Permanent-Make-up-Techniken gesammelt hat.
Optisch angleichen und rekonstruieren
Pigmentistin für medizinisch indizierte Behandlungen ist ein sehr interessantes Berufsbild. Es macht viel Spass und es macht auch sehr stolz, wenn man Techniken beherrscht, die unglückliche Menschen ein Stückchen weit glücklicher machen und mit denen man auch noch gutes Geld verdient.
Diese Pigmentisten können zum Beispiel Brandnarben, chirurgische Narben – etwa nach Brustoperationen – sowie Fehlpigmentierungen der Haut farblich angleichen, sodass sie nicht mehr so intensiv sichtbar sind.
Auch Chemotherapie-Patienten sowie Patienten mit Alopecia areata oder Alopecia totalis können Pigmentistinnen helfen, indem sie Kopfhaare, Wimpern oder Brauenhärchen optisch rekonstruieren. Ausserdem kann man Frauen helfen, bei denen nach einer Brustamputation beziehungsweise nach dem Wiederaufbau der krebskranken Brust die Brustwarze samt Warzenvorhof fehlt. Denn mit der medizinisch indizierten Pigmentierung kann man sie neu zeichnen und farblich abstimmen.
Pigmentierung von Narben
Es ist möglich, eine Narbe farblich zu verändern. Es ist dagegen nicht möglich, die Oberfläche zu verändern. Wenn also eine Narbe eine gewisse Breite hat und der spezifische Glanz an einer glatten Oberfläche zu sehen ist, wird sich dies durch die Mikropigmentation nicht entfernen lassen. Die Charakteristik, dass sich eine Narbe bei Zug oder Dehnung anders verhält als die „normale Haut“ darum herum, wird sich ebenfalls nicht durch eine Pigmentation verändern. Am deutlichsten wird das bei einer Narbe durch Verbrennung: Die Oberflächenbeschaffenheit bleibt, die Farbe verbessert sich.
Es ist möglich, Hautfarbe, Sommersprossen, Äderchen und andere Farbchangierungen dem natürlichen Erscheinungsbild sehr nahe nachzuempfinden. Dennoch sollte man nicht erwarten, dass man alle zu hellen Depigmentierungen und Narben sinnvoll behandeln kann. Je grösser die betroffene Partie ist, umso auffälliger die Korrektur. Hier bleibt eine gute Camouflage oft die einzige Chance. Im Laufe der Zeit wird sich auch die Farbe der Pigmentierung ändern, weil die Haltbarkeit der einzelnen Bestandteile jeder Pigmentfarbe unterschiedlich ist. So kann es passieren, dass die Narbe nach einiger Zeit wieder sichtbar wird. In diesem Fall ist eine weitere Behandlung nötig.
Verbrennungsnarben verbessern
Aus meiner persönlichen Praxiserfahrung möchte ich zwei wichtige Punkte hervorheben: Die meist rosa-violette Färbung einer Verbrennung lässt sich gut kaschieren, indem man die entsprechenden Gegenfarben (zitronen- bis limonengelb) zum Hautton beimischt und sanft in einer nicht deckenden Gitterform pigmentiert.
Der zweite Effekt wurde mir von mehreren Kunden berichtet: Je grösser die Brandnarbe, umso straffer spannt sie sich über den Körper. Manche meiner Kunden waren sogar in ihren Bewegungen eingeschränkt. Durch die Brandnarben-Pigmentiertechnik ist eine regelmässige und wiederkehrende Perforation des Gewebes gegeben. Diese Perforation erleichtert eine Dehnung der harten Narben und kann sogar für mehr Bewegungsfreiheit sorgen. Wird eine Brandnarbe mit der Mikroperforationsmethode weiterbehandelt, kann sich dieser Effekt noch verstärken. In histologischen Befunden konnte man belegen, dass durch eine regelmässige Perforation des Gewebes bereits nach dem vierten Mal eine Vaskularisierung des Gewebes eintreten kann. Es bilden sich also gegebenenfalls neue Blutgefässe, und die Chance auf eine allgemeine Verbesserung des Gewebes erhöht sich.
Narben an Kopf und Gesicht
Ob infolge eines Unfalls oder nach einem Lifting – Narben im Kopfbereich sind besonders einfach zu verstecken. Hierbei werden Dicke und Farbe eines natürlichen Haares kopiert und ins Narbengewebe eingezeichnet. So verschwindet ganz schnell eine Narbe an den Augenbrauen oder zwischen den Kopfhaaren. Bei einer Lidstraffung ist eine Narbenkorrektur nicht nötig, weil ein guter Chirurg hier keine Narbe hinterlässt. Sollte trotzdem ein weisser Strich sichtbar bleiben, so hilft eine netzähnliche Pigmentierung in Beige-Rosé auch hier.
Narben im Lippenbereich können ganz leicht in Lippenfarbe oder zum Lippenhighlight farblich verändert werden, sodass diese nicht mehr auffallen. Dies kommt vor allem bei Lippen-Gaumen-Spalten zum Einsatz.
Dehnungsstreifen behandeln
Dehnungsstreifen entstehen durch starke Dehnung des Gewebes, zum Beispiel bei einer Schwangerschaft oder bei einer starken Gewichtszunahme aufgrund von Übergewicht. Es ist zwar möglich, den rot-violetten Unterton bei Dehnungsstreifen
etwas zu minimieren, wie auch bei Brandnarben. Doch das macht Schwangerschaftsstreifen nicht wirklich unsichtbar. In diesem Fall sollte man der Kundin keine grossen Hoffnungen machen.
Narben nach Brust-OPs
Im Falle einer Brustverkleinerung, nach dem sogenannten Ankerschnitt, sollte man mit einer Pigmentierung auf jeden Fall etwa drei bis sechs Monate warten. Es empfiehlt sich dann zunächst nur, die periareolare Narbe um die Brustwarzenhöfe herum in Brustwarzenfarbe zu färben. Es ist wenig sinnvoll, jetzt bereits die feine senkrechte Narbe in Hautfarbe zu pigmentieren. Dazu sollte man sich erst nach weiteren sechs Monaten entscheiden. Wenn es nötig sein sollte, empfehle ich, dann nur Pünktchen zu zeichnen.
Nach Brustvergrösserungen entsteht eine kleine Narbe in der Brustfalte. Falls diese sehr hell wirkt, kann man bei dunklen Hauttypen oder bei sommersprossiger Haut die Farbe gut kopieren. Liegt die Narbe im Kreis um die Brustwarzenhöfe herum, ist es bereits bei der OP wichtig, darauf zu achten, den Schnitt innerhalb des Brusthoffarbtons zu setzen. So kann die Areolafarbe eingebracht werden. Macht man dies bei aussen liegenden Narben, wird die Areola optisch deutlich grösser.
Hier wird besonders deutlich, wie wichtig die Kooperation zwischen Arzt und Pigmentierer ist. Wenn ein Arzt genau weiss, wie man seine Arbeit noch unterstützen kann, wird jedes Ergebnis für die Patientin schöner. Für eine Kosmetikerin eröffnet sich dadurch im Gegenzug ein unglaublich interessantes Geschäftsfeld und so profitieren alle von dieser Zusammenarbeit. Und dies sollte schliesslich das Ziel sein.
Holger Hoffmann