Permanent Make-up

Die optimalen Farben finden
Farbe ist nicht gleich Farbe und jede kommt – je nach Pigmentiertechnik, Hautbereich und -partie – unterschiedlich zur Geltung. Holger Hoffmann sagt Ihnen, worauf Sie bei der Pigmentierung unbedingt achten sollten und wie sich Fehlfarben korrigieren lassen
Das Ergebnis einer Pigmentierung ist davon abhängig, mit welcher Technik, in welchen Hautbereich und in welche Hautbeschaffenheit das Pigment eingebracht wird. Nachfolgend werden diese Punkte erklärt.
Die Technik
Das Farbergebnis wird besonders durch die Arbeitstechnik beeinflusst. Wir unterscheiden 13 grundlegende Handbewegungen, die mit unterschiedlichen Nadeln und in unterschiedlichen Arbeitswinkeln und Geschwindigkeiten ausgeübt werden können.
Wenn eine Farbe mit transparenten Techniken eingebracht wird, erscheint sie zarter als das Ausgangsprodukt und sein Ausstrich. Zu den transparenten Techniken gehören unter anderem:
- das Pigmentieren mit schneller Handstückführung
- die Pigmentierung mit sehr feiner Nadel bzw. wenigen Nadeln
- die Pigmentierung in lückenhafter Zeichentechnik wie z.B. Härchentechnik, Pixelierung usw.
Wenn die gleiche Farbe mit deckenden Techniken eingebracht wird, erscheint sie intensiver und kommt dem Erscheinungsbild des verwendeten Ausgangsprodukts bzw. seines Ausstrichs sehr nahe. Deckende Ergebnisse erzielt man unter anderem durch:
- das Pigmentieren mit langsamer Handstückführung
- das Pigmentieren mit leichter Schräghaltung
- das Pigmentieren mit dichter Zeichentechnik wie z.B. Kreisen, Pendeln oder Vor-und-zurück-Bewegung
Außerdem kann man folgende Faustregel auf fast alle Farben anwenden: Je tiefer ein Pigment eingebracht wird, desto grauer und matter wirkt es. Manche Farben verwischen bei zu viel Druck sogar in die Tiefe und schießen aus (Migration)
Der Hautbereich
Je nachdem in welchem Hautbereich (Flächenhaut, Lippenhaut, Schleimhaut) pigmentiert wird, wird das Farbergebnis beeinflusst. Wenn ein und dasselbe Pigment in unterschiedliche Hautbereiche eingebracht wird, so erscheint es einmal intensiver, einmal zarter. Das liegt an der allgemeinen Aufnahmefähigkeit der Haut in unterschiedlichen Zonen. Deswegen sollte man folgende Punkte beachten:
- Die Farbe wird am besten in der Dermis aufgenommen. In der Epidermis werden die Pigmente mit der Zellerneuerung nach außen geschoben und abgestoßen. Speziell bei Lippenpigmentierungen kann es zu einer unterschiedlichen Aufnahme von mineralischen Farben kommen. Sie wirken schnell fleckig, wenn man die Hautbeschaffenheit nicht beachtet.
- Die Flächenhaut nimmt den Ton am schnellsten an, die Haut an der Lippenkante etwas langsamer, dafür aber intensiver. Je weiter im Lippenrot Richtung Schleimhaut gearbeitet wird, umso schlechter werden mineralische Farben angenommen. Um diesen Effekt zu verhindern, sollten mineralische Farben ins Lippenrot ausgeblendet werden.
- Organische Farbstoffe können etwas weiter ins Lippenrot schattiert werden.
Der Hautzustand
Auch bestimmte Zustände der Haut können das Ergebnis beeinflussen.
Je stärker die Haut beispielsweise verhornt ist, umso weniger ist die Farbe zu sehen. Um diese aufzufrischen, kann manchmal ein leichtes Peeling helfen. Je trockener die Hautschüppchen auf der Haut aufliegen, umso stärker wird das Licht reflektiert und umso milchiger erscheint das Ergebnis.
Auch Melanin, Karotin und die körpereigene Durchblutung der Haut bzw. der Lippe verändern optisch das Pigmentierergebnis. Dieser Effekt lässt sich mit dem von Malfarben vergleichen, die sich ja auch auf verschiedenen Papierfarben und -typen unterschiedlich entwickeln.
Gründe für „falsche“ Ergebnisse
Die oben beschriebenen Faktoren verdeutlichen, dass man beim Permanent Make-up und bei der Mikropigmentation der Kundin/dem Kunden nicht allzu genaue Versprechen hinsichtlich des exakten Farbziels machen sollte, weil die Nuancen bei jedem Menschen anders „herauskommen“.
Viele Farbveränderungen sind tatsächlich auf die Rohstoffe der Farbmischung zurückzuführen und nicht – wie immer wieder behauptet wird – auf körpereigene Rotpigmente in der Haut, die für einen Farbumschlag von Braun in Rot verantwortlich sein sollen.
Fakt ist: Braunmischungen enthalten Eisenoxidrot. Diese Farbe hält besser als Gelb oder Eisenoxidschwarz. Wenn man mehrmals mit einem Farbton arbeitet, der Rotreste hinterlässt, darf man sich nicht wundern, wenn der Rotstich immer extremer wird. Hier lässt sich am besten mit Schlammfarben gegensteuern.
Unter den mineralischen Farben ist reines Eisenoxidbraun die instabilste und verändert sich unter dem Einfluss freier Radikale zu reinem Eisenoxidrot. Deshalb ist nur die Anwendung von mineralischen Braunmischungen mit nicht mehr als fünf Prozent Rot zu empfehlen. Manche Hersteller geben diesen Anteil leider nicht bekannt.
Eisenoxidschwarz wird schnell schwächer und grau, weshalb häufig Kohlenstoffschwarz beigemischt wird. Dieses Schwarzpigment hält zwar sehr gut, wird aber mit der Zeit oft blaugrau.
Autor: Holger Hoffmann