Kryolipolyse: Mit Kälte gegen Fettpolster

Hartnäckige Fettpölsterchen lassen sich oft auch mit Sport und gesunder Ernährung nicht beseitigen. Als Alternative zum operativen Eingriff verspricht die Kryolipolyse, mit Kälte Fettzellen gezielt zu Leibe zu rücken.
Das Verfahren funktioniert, da Fettzellen auf den Entzug von Energie (Kühlung) empfindlicher reagieren als das umgebende Gewebe. Ein Applikator zieht mit Hilfe von Unterdruck die zu behandelnden Partien an spezielle Kälteplatten. Diese kühlen bei einer Temperatur im Bereich zwischen -2°C und +4°C das darunter liegende Fettgewebe über den jeweils eingestellten Zeitraum von 20 bis über 60 Minuten. Haut, Nerven, Muskeln und andere Gewebe werden nicht in Mitleidenschaft gezogen, da sie auf diese Temperaturen nicht so empfindlich reagieren. Durch die Kühlung wird eine Apoptose (programmierter Zelltod) ausgelöst, die Fettzellen sterben ab. Körpereigene Abbaumechanismen wie Makrophagen und das Lymphsystem eliminieren die Fettzellreste innerhalb eines Zeitraums von vier bis acht Wochen. Die Dicke der Fettschicht lässt sich mit 1 – 3 Anwendungen um etwa einen Zentimeter reduzieren.
Die Behandlung lässt sich auch an bereits bearbeiteten Stellen im Bedarfsfall wiederholen. Die Kryolipolyse stellt jedoch kein Programm zur Gewichtsreduzierung dar. Der Idealkunde ist bereits schlank und hat ein gesundes Ess- sowie Bewegungsverhalten. Sein Ziel ist es, lokale hartnäckige Fettposter ohne chirurgischen Eingriff zu verkleinern. Bei folgenden Kontraindikationen sollte von einer Behandlung abgesehen werden: Gefässerkrankungen, Schwangerschaft oder Kälte- und Druckempfindlichkeit.
Einsatz in der Kosmetik
Die Kryolipolyse ist ohne besondere Voraussetzungen von der Kosmetikerin anwendbar. An erster Stelle steht natürlich eine ausführliche Einweisung in das Gerät und eine umfassende Schulung durch den Lieferanten.
Vor Beginn einer Anwendung ist es wichtig, eine passende Anamnese zu erstellen und eine Einverständniserklärung einzuholen. Auch für die Behandlungskabine sind keine Umbauarbeiten oder besondere Anforderungen notwendig. Von Vorteil ist es, wenn es für das Gerät Applikatoren in verschiedenen Grössen gibt. So kann es bei vielen unterschiedlichen Körperzonen eingesetzt werden. Einige Geräte verfügen über zusätzliche Module wie eine integrierte Ultraschallmassage, die nach der Kryolipolysebehandlung das Lymphsystem anregt. Die meisten Geräte haben einen Kälteschutz zwischen Applikator und Haut. Vorsicht ist bei Systemen geboten, die diese Sicherung nicht haben. Hier schützt ein Einwegfleece mit gelartiger Substanz empfindliche Haut vor Reibungen und leichten Erfrierungen.
Kosten und Einnahmen
Ein so komplexes Gerät hat natürlich seinen Preis. Derzeit muss eine Kosmetikerin je nach Ausstattung zwischen CHF 25‘000.- und CHF 100‘000.- bezahlen. Zusätzlich zu den Anschaffungskosten müssen bei den einzelnen Anwendungen variable Kosten wie Strom und Verbrauchsmaterial berücksichtigt werden. Eine Einzelbehandlung mit einer Dauer von 20 bis 35 Minuten wird bei etwa CHF 300.- bis CHF 450.- angesetzt. Manche Geräte bieten die Möglichkeit, die Kryolipolyse je Körperzone in einer einmaligen Einzelbehandlung durchzuführen. Diese erstreckt sich über 60 Minuten und kann mit einem Behandlungspreis von CHF 1‘200.- angesetzt werden.
Anwendungsschritte
Vor der Behandlung
Beim ersten Besuch der Kundin steht natürlich die Beratung im Fokus. Folgende Punkte sollten ausführlich besprochen werden:
· Erfolgschancen
· Kontraindikationen
· Risiken
· Nebenwirkungen
· Behandlungsprozess
· Behandlungspreis
Erst wenn der Kunde im Anschluss mit einer schriftlichen Einverständniserklärung bestätigt hat, dass er über diese Punkte aufgeklärt wurde, kann mit der Behandlung begonnen werden. Grundsätzlich gilt: Es werden nur gesunde Personen behandelt. Ähnlich wie beim Chirurgen werden nun die Behandlungszonen im Stehen fotografiert und eingezeichnet. Eine Vorher-Massaufnahme mit einer Körperfett-Messzange bietet eine zusätzliche Kontrollmöglichkeit, da so der optische Gesamteindruck zwölf Wochen nach der letzten Behandlung objektiv vergleichbar ist.
Während der Behandlung
Für die Behandlung legt sich der Kunde auf die Liege. Da er einige Zeit in dieser Position ausharren muss, sollte sich die Kosmetikerin versichern, dass er bequem liegt. Mit Ausnahme der zu behandelnden Hautzone wird der gesamte Körper mit warmen Decken geschützt. Nun legt die Kosmetikerin die gelartige Kälteschutzmembran (Einwegprodukt) auf die Haut, setzt den ausgewählten Applikator mit Druck auf und startet die Behandlung. Jetzt wird die Haut inklusive Fettfalte an die Kälteplatten im Applikator gezogen. Während der Anwendung kann der Kunde entspannt Musik hören, lesen etc.
Nach der Behandlung
Am Ende des Programms wird der Applikator abgenommen und die behandelte Hautfläche gereinigt. Anschliessend ist es wichtig, das Lymphsystem zu aktivieren, damit die zerstörten Fettzellen auf natürlichem Weg abtransportiert werden können. Hier empfehlen sich entsprechende apparative oder manuelle Massagen.
In der Regel ist die behandelte Hautzone leicht gerötet. In seltenen Fällen können auch kleine Blutergüsse auftreten. Diese Nachwirkungen verschwinden nach wenigen Stunden oder Tagen vollständig. Als einzige Einschränkung sollte der Kunde in den ersten Tagen nach der Behandlung auf Sauna und Sonne verzichten. Ansonsten kann er sofort wieder zurück in seinen Alltag kehren.
Roland Wagner | Der Referent bei der Swiss Laser Academy ist als Berater von nationalen und internationalen Beauty- und Medizingerätefirmen tätig. Sein Beratungsfokus sind Businessplanung und strategische und operative Marketingkonzeption.