Hohe Ansprüche an ein gepflegtes Dekolleté

Schöne Aussichten
Die Haut an Hals und Dekolleté ist nicht nur dünner als im Gesicht – sie muss auch anderen Anforderungen gerecht werden: Häufiges Dehnen, Strecken sowie dievielen Drehungen beanspruchen Bindegewebe und Muskulatur.
Die Haut, die ein schickes Kleid mit etwas tieferem Ausschnitt preisgibt, weist keine nennenswerten Fettpolster auf. Das Bindegewebe ist locker, damit es die notwendigen Dreh- und Dehnungsbewegungen mitmachen kann. Hinzu kommt, dass die Haut am Hals nur wenige Talgdrüsen hat. Daher ist sie hier besonders trocken. Am Dekolleté hingegen gibt es viele Talgdrüsen, obwohl die Haut insgesamt hier relativ dünn ist. Zudem ist das Dekolleté eine Art „Sonnenterrasse“, was sie besonders anfällig für Sonnenschäden wie Pigmentstörungen macht. Diese beiden Partien stellen also sowohl bei der täglichen Pflege als auch im Rahmen einer sinnvollen Vorbeugung von Alterungsschäden eine Herausforderung dar.
Anti-Aging
Neben regelmässiger Pflege helfen auch gymnastische Übungen, wie bewusstes Dehnen und Strecken der Halsmuskulatur, und dosiertes Krafttraining der Brustmuskeln sowie ein gut sitzender Büstenhalter, ein schönes Dekolleté zu erhalten. Der Hals verträgt reichlich Feuchtigkeit, daher sind feuchtigkeitsspendende Cremes und Lotionen ideal und werden am besten in kreisenden Bewegungen aufgetragen. Am Dekolleté schliesslich hat die Haut wesentlich mehr Talgdrüsen, ein sanftes Peeling beugt der Pickelbildung vor. Hier ist der Sonnenschutz mindestens genauso wichtig wie im Gesicht, sonst tritt die vorzeitige Hautalterung durch UVBestrahlung sehr deutlich und unschön zutage.
In der Unterhaut des Halses befindet sich der Platysma, ein flacher, dünner Muskel. Dieser hat keinen Kontakt zum Knochen, sondern nur zur Haut. Im Laufe der Zeit lässt seine Elastizität nach; es entstehen senkrechte Bindegewebsstreifen („Truthahnhals“). Ausserdem bildet die Haut durch weiteres Erschlaffen waagerechte Falten.
Hautverjüngung
Sind die Halsfalten auf eine Rückbildung des Bindegewebes und eine stetige Unterversorgung mit Flüssigkeit zurückzuführen, kann vorsichtig das Volumen des Unterhautgewebes verbessert und Feuchtigkeit zugeführt werden. Hierzu eignet sich beispielsweise der medizinische Einsatz von Hyaluronsäure. Dieser Filler lässt einerseits die Hautfalten verschwinden, andererseits wird der Feuchtigkeitsgehalt der Haut nachhaltig verbessert. Ferner bietet sich die Möglichkeit einer Laserbehandlung zur Reduktion von Falten sowie störenden Pigmentflecken an. Erwähnung finden sollte auch die Bedeutung der ästhetischen Mesotherapie, einer minimal invasiven Methode, bei der durch Einschleusen von antioxidativen und hautregenerierenden Vitaminen und Stoffen, wie unvernetzter Hyaluronsäure, das Hautbild nachhaltig verbessert werden kann („Skinrejuvenation“). Dieses Verfahren bietet sich vor allem am Dekolleté an,da hier die Haut durch ihre sonnenexponierte Lage häufig deutlich sichtbare alterstypische Veränderungen aufweist.
Faktor Ernährung
Neben den äusseren Einflüssen wie UV-Strahlung oder Nikotin hinterlassen auch weitere Faktoren, wie beispielsweise Ernährung, Stress, Vital- und Nährstoffmangel, an der Haut und dem Unterhautgewebe ihre Spuren. Dem kann man – wie auch bei der Hautalterung im Gesicht – mit einer gezielten Nähr- und Vitalstofftherapie mit Vitaminen, vitaminähnlichen Stoffen, Mineralund Spurenelementen, Aminosäuren und sogenannten sekundären Pflanzenstoffen entgegengenwirken. Allerdings sei hier ausdrücklich vor der wahllosen Einnahme von Multivitaminpräparaten gewarnt, da sie unter bestimmten Umständen mehr Schaden anrichten können als sie Nutzen bringen!
Ein wichtiger Aspekt ist auch die Ernährung, die erheblichen Einfluss auf den Alterungsprozess der Haut hat. Es empfiehlt sich eine individuelle Analyse der Ernährungsgewohnheiten und die Erstellung eines Ernährungsprotokolls. Dieser Ansatz scheint auf den ersten Blick mühevoll, aber er lohnt sich, denn die Lebensumstände und damit auch die Ernährung mit möglicherweise vorliegenden Nahrungsmittelunverträglichkeiten erfordern ein Vorgehen, das über die allgemeinen Empfehlungen zur Ernährung weit hinausgeht. Ein weiteres Stichwort heisst „Kalorienrestriktion“. Mit anderen Worten, das Weglassen beispielsweise von Abendmahlzeiten („Dinner-Cancelling“) zweimal in der Woche ist eine praktische und sinnvolle Möglichkeit, um auf Dauer altersbedinge Hautveränderungen zu verlangsamen. Durch eine geringere Energieerzeugung und damit eine biochemisch niedrigere Schadstoffbelastung der Zellen mit freien Radikalen, die bei der Energieverarbeitung durch Nahrung entstehen, kann das Altern der Zellen gebremst werden. Allerdings muss hier darauf hingewiesen werden, dass eine Nahrungsrestriktion nicht zu einem Defizit an Vitalund Nährstoffen führen darf. Dies würde die positive Wirkung der zurückhaltenden Nahrungsaufnahme wieder zunichtemachen.
Dr. Michael D. Wagener | Der Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, Pharmazeutische Medizin, Orthomolekulare Medizin und Mesotherapie leitet in Binningen ein Zentrum für Anti-Aging und Prävention.