Empfindliche Haut beruhigen und stärken

Empfindliche Haut reagiert schneller und heftiger auf störende Faktoren von aussen wie von innen. Neben einer sanft pflegenden Behandlung und guten Heimpflegeprodukten spielt auch die Beratung eine wichtige Rolle, um das Sensibelchen zu beruhigen.
Sensible Haut ist heute eher die Regel als die Ausnahme. Umfragen zufolge stufen 70 % der Frauen ihre Haut als sensibel und leicht reizbar ein – Tendenz steigend. Auch immer mehr Männer sind betroffen. In den seltensten Fällen handelt es sich bei den Überreaktionen um eine echte Allergie z.B. auf Kosmetikinhaltsstoffe. Diese tritt nach Schätzungen von Wissenschaftlern nur bei 15 bis 20 Prozent der Bevölkerung auf.
Empfindliche Haut reagiert auf verschiedene, oft harmlose Einflüsse bereits mit Rötungen, Juckreiz, Spannen und Pickelchen. Eine klare Definition von empfindlicher Haut gibt es bislang aber nicht. Denn die Ursachen sind vielschichtig: Man spricht von einem multifaktoriell verursachten Zustand, bei dem eine leicht zu störende Hautbarriere, erhöhter Feuchtigkeitsverlust, eine verstärkte Reaktion auf hautreizende Stoffe und eine gesteigerte Immunreaktivität eine Rolle spielen können.
Schnelle Reaktion
Empfindliche Haut weist beispielsweise eine geringere Toleranz gegenüber exogenen Reizen (Temperaturschwankungen, klimatisierte Räume, Kosmetika etc.) und endogenen Reizen (psychische Belastung, Stress etc.) auf. Unliebsame Rötungen und sichtbare Äderchen im Gesicht lassen die Haut alles andere als frisch und rosig wirken. Vor allem, wenn aus kurzen „Flushes“ dauerhafte Rötungen werden und diese mit Irritationen, Juckreiz, Spannungsgefühl oder Entzündungen einhergehen. Die Haut reagiert immer sensibler auf Reize wie Temperaturschwankungen, UV-Strahlen und Stress. Somit kann eine ganze Kaskade von Reaktionen ausgelöst werden. Die Besänftigung von Juckreiz, Rötung und Irritationen steht bei Produkten zur Pflege empfindlicher Haut daher zunächst im Vordergrund.
Schutzschirm Haut
Die Hauptaufgabe gesunder Haut ist vor allem, eine wirkungsvolle Barrierefunktion aufzubauen. Diese hindert Fremdstoffe wie krankheitserregende Bakterien, Viren oder Pilze, chemische Substanzen und Allergene daran, in den Körper einzudringen. Ausserdem schützt sie vor äusseren Einflüssen wie Kälte, Hitze und Verletzungen. Sie verhindert den Feuchtigkeitsverlust von innen und damit die Austrocknung des Körpers. Nicht zu unterschätzen ist daher bei der Pflege der empfindlichen Haut auch die Stärkung der meist beeinträchtigten Barrierefunktion. Reizende Stoffe können durch eine geschwächte Barriere schneller von aussen in die Haut eindringen als durch eine intakte und dort Irritationen auslösen. Wichtig ist daher, dass die Pflege Komponenten enthält, die dem entgegenwirken und somit den Schutz der Haut unterstützen. Stoffe mit hohen Anteilen an ungesättigten Fettsäurenwie GLA (Gamma-Linolensäure) sind in der Lage, die Kittsubstanz des Stratum corneums positiv zu beeinflussen und dadurch einen verbesserten Hautschutz zu bewirken. Die empfindliche Epidermis wird dadurch weniger durchlässig und Reizstoffen wird der „Eintritt“ verwehrt.
Zusammengefasst sollte das Behandlungskonzept für sensible Haut folgende Punkte erfüllen:
· besänftigen, Irritationen mindern, harmonisieren
· Stärkung und Schutz der Hautbarriere
· SOS-Wirkung zur Beruhigung bei „Flushes“
· Minderung von Trockenheit
Sowohl die sensible Haut, die durch genetische und äussere Faktoren bedingt ist, als auch die sehr empfindlich reagierende Haut beispielsweise einer Rosacea bedürfen einer speziellen kosmetischen Behandlung – in der Kabine und bei der Heimpflege. Dermatologisch konzipierte Pflegeprodukte bieten daher oft massgeschneiderte Lösungen für jede Form dieses Hautproblems.
Die richtige Pflege
Die kompetente Hautdiagnose und richtige Einschätzung des Hautzustandes spielen bei der sensiblen Problemhaut mit Rötungen eine essentielle Rolle. Nur so können Sie gezielt die geeignete Pflege auswählen. Bei der Auswahl von Produkten für empfindliche Haut ist es massgeblich, auf die dort eingesetzten Aktivstoffe und deren Wirkprofile zu achten. Von nahezu gleicher Bedeutung ist für die Kosmetikerin aber auch die Auswahl und für den Hersteller die Konzeption reizarmer Grundlagen.
Produkte für sensible Haut sollten auf irritierende Stoffe mit erhöhtem Allergiepotenzial verzichten, die das ohnehin unbalancierte Hautbild nur noch mehr aus dem Gleichgewicht bringen können. Produkte mit Emulsionsgrundlagen ohne Farbstoffe, allergiepotente Duftstoffe, Parabene, Mineralöl, PEG-Derivate oder tierische Stoffe können der Haut wirkliche Hilfe bieten. Weiterhin sind aus dermatologisch-kosmetischer Sicht unterstützende Massnahmen zu empfehlen. Beispielsweise spielt eine sanfte Reinigung der Haut ohne den Einsatz von aggressiven Tensiden eine entscheidende Rolle. Keratolytische (hautschälende) oder stark mechanisch wirkende Behandlungsmassnahmen wie Peelings sollten ausdrücklich nur sehr sanft und gering dosiert vorgenommen werden.
Gut genährt
Sensible Haut benötigt Balance – innerlich und äusserlich. Ausgesuchte Nahrungsergänzungsmittel können die Behandlung empfindlicher Haut sinnvoll ergänzen, z.B. mit stoffwechselaktiver Gamma-Linolensäure aus Borretsch- und Nachtkerzenöl. Gamma-Linolensäure ist wesentlicher Bestandteil einer intakten Hautbarriere und daher für die Balance von grosser Bedeutung. Ist diese gestört, wird die Haut empfindlicher gegenüber äusseren Einwirkungen, was zu Feuchtigkeitsverlust führt. Die in Borretsch- und Nachtkerzenöl enthaltenen ungesättigten Fettsäuren unterstützen die Widerstandskraft und helfen, empfindliche Haut zu stabilisieren.
Zuhören
Bei Personen mit sensibler Haut spielen das Beratungsgespräch und die Behandlung eine wichtige Rolle. Nehmen Sie die Hautprobleme der Kunden besonders ernst und versetzen Sie sich in „deren Haut“. Hören Sie sich die Probleme und Wünsche aufmerksam an und gehen Sie sowohl während der Behandlung als auch bei der Empfehlung der Heimpflegeprodukte intensiv darauf ein. Die Kunden gewinnen Vertrauen und werden es Ihnen danken, wenn Sie ihnen mit Kompetenz, Feingefühl und der richtigen Pflege zu einer Verbesserung der Hautsituation verhelfen.
Für empfindliche, leicht irritierte Haut und Rosacea
· Benutzen Sie sehr sanfte Reinigungsprodukte, die die Haut so wenig wie möglich aus dem natürlichen Gleichgewicht bringen.
· Verwenden Sie lauwarmes Wasser zum Abspülen; das reizt die Haut am wenigsten.
· Vermeiden Sie mechanische ebenso wie aggressive chemische Peelings. Vielmehr sollten Sie die Haut nur ganz sanft mit Hilfe von enzymatisch aktiven Produkten von abgestorbenen, überschüssigen Hautzellen befreien.
· Reduzieren Sie den Kontakt mit allergenen Stoffen (z.B. Parabene, Duftstoffe etc.), um die Haut nicht zusätzlich zu belasten.
· Versuchen Sie, tägliche Stressfaktoren zu meiden, und schützen Sie sich vor intensiver UV-Strahlung.
· Achten Sie auf besonders hautschonende Pflegeprodukte mit dermatologischer Verträglichkeit.
· Verzichten Sie bei der Ernährung auf zu häufigen Verzehr scharfer Speisen. Prüfen Sie, ob die Gabe einer stabilisierenden Nahrungsergänzung der Haut hilft.
· Verzichten Sie auf Nikotin sowie einen zu hohen Alkoholkonsum und achten Sie auf eine gesunde Lebensweise mit genügend Schlaf, guter Ernährung, ausreichend Flüssigkeitszufuhr und Bewegung an der frischen Luft. Das stärkt den Körper und die Haut.
Dr. med. Christine Schrammek-Drusio
Die Ärztin für Hauterkrankungen/Allergologie und Anti-Aging-Expertin entwickelteBehandlungsmethoden, u.a. die Kräuterschälkur „Green Peel“. Sie leitet die Essener Berufsfachschule für Kosmetik und das Internationale Fortbildungszentrum für Ganzheitskosmetik.