Der richtige Schutz vor UV-A- und UV-B-Strahlen

Sonnenanbeter
Noble Blässe oder doch knackige Urlaubs bräune? Das ist eine Frage des Geschmacks. Ein Muss ist allerdings der richtige Hautschutz in der Sonne. Lesen Sie hier, worauf Sie bei der Beratung Ihrer Kunden achten sollten.
Auch wenn wir wissen, dass durch ausgiebiges Sonnenbaden das Risiko, an Hautkrebs zu erkranken, steigt, so freuen wir uns doch über die warmen, wohltuenden Strahlen. Tatsächlich brauchen wir sie auch: Sie sind wichtig für die Bildung von Vitamin D3 im Körper, was wiederum die Kalziumaufnahme verbessert. Eine Unterversorgung von Vitamin D würde das Risiko gewisser Erkrankungen, wie beispielsweise Osteoporose, Multiple Sklerose sowie Bluthochdruck, erhöhen. Ferner ist eine ausreichende Versorgung mit Vitamin D wichtig für die Funktion von Nerven und Muskeln. Doch so gut uns die Sonne tut, so viele Gefahren birgt sie auch. Deshalb ist es wichtig, dass Sie Ihre Kunden über die Wirkung und Gefahren von UV-A- und UV-BStrahlen richtig aufklären.
Hauteigenen Schutz verlängern
Der ideale Sonnenschutz richtet sich nach der Dauer des Aufenthalts in der Sonne und nach der Intensität der UV-Strahlen. Der Zeitraum, in dem die Haut ohne Schutz der Sonne ausgesetzt ist und noch keine Anzeichen einer Rötung aufweist, nennt man den „hauteigenen Sonnenschutz“; dieser variiert je nach Hauttyp und Hautfarbe. Gute Sonnenschutzmittel schützen die Haut vor UV-Strahlen, indem sie dieses Zeitfenster verlängern. Der LSF (Lichtschutzfaktor) oder SPF (sun protection factor) gibt an, um welches Vielfache man länger das Sonnenbad ohne Beeinträchtigung geniessen kann. Kann man beispielsweise ohne Schutz zehn Minuten in der Sonne bleiben, werden mit LSF 30 bei richtiger Anwendung daraus bis zu 300 Minuten. Mittlerweile wird der Lichtschutzfaktor weltweit nach derselben Methode gemessen, der von der Cosmetics Europe (vormals Colipa) ausgegebenen „Internationalen Methode zur Bestimmung des Lichtschutzfaktors“. Hierbei wird mithilfe von In-vitro-Methoden (im Labor) sowie durch In-vivo-Methoden (Tests an freiwilligen Probanden) die Schutzleistung vor UV-A- und UV-B-Strahlen bestimmt. Durch diese Vereinheitlichung kann man auf zuverlässige Angaben auf den Sonnenschutzmitteln vertrauen.
Viel hilft viel
Hoher Lichtschutzfaktor – geringer Verbrauch? Falsch! Sonnenschutzmittel müssen reichlich aufgetragen werden. Die Krebsliga Schweiz empfiehlt bei einer erwachsenen Person etwa 30 ml Sonnenschutzmilch für den ganzen Körper. Nur so kann ein Sonnenschutzmittel mit LSF 50 dafür sorgen, dass nur ein Fünftel der UV-B-Strahlung auf die Haut trifft. Diese Werte wurden durch Labormessungen festgestellt, bei denen zwei Milligramm Sonnenschutzmittel pro Quadratzentimeter aufgetragen wurden. Da sich die Schutzwirkung linear verringert, bedeutet das: halbe Menge – halber Schutz! In den Bergen ist hoher Sonnenschutz besonders wichtig, denn je 300 Höhenmeter nimmt die UV-Strahlung um etwa drei bis fünf Prozent zu. Wasser (und auch Schnee) reflektiert die Sonnenstrahlen und erhöht somit deutlich die Bestrahlungsintensität. Aufgrund der Risiken, die UV-Strahlen mit sich bringen, empfehlen die Krebsliga Schweiz sowie einige Dermatologen, nur Sonnenschutzmittel ab der Schutzklasse „mittel“ zu verwenden. Produkte der Gruppe „sehr hoch“ werden vorwiegend für Menschen mit Pigmentstörungen, Allergien, Narben, während der Einnahmezeit von bestimmten Medikamenten und nach kosmetischen Behandlungen, welche die Lichtempfindlichkeit der Haut erhöhen, empfohlen.
UV-A und UV-B
Sonnenlicht, das auf der Erdoberfläche ankommt, setzt sich aus ca. 95% UV-A- und ca. 5% UV-B-Strahlen zusammen. Die langwelligen UV-A-Strahlen sorgen für eine sofortige, jedoch nur oberflächliche Bräunung von geringer Dauer, greifen aber das elastische Bindegewebe an, was die Hautalterung beschleunigt. Je nach Intensität können sie das Erbgut schädigen und somit das Hautkrebsrisiko erhöhen. Die energiereichen kurzwelligen UV-B-Strahlen sind verantwortlich für den Sonnenbrand und spenden eine verzögerte Bräunung. Auch sie können das Erbgut schädigen und das Hautkrebsrisiko erhöhen.
Sowohl UV-A als auch UV-B ist für die Bildung von Fieberbläschen (Herpes simplex) verantwortlich. Die sogenannte Sonnenallergie wird jedoch nur von UV-A-Strahlen ausgelöst. Die europäische Kommission empfiehlt, dass der Schutz vor UV-A-Strahlen mindestens ein Drittel des angegebenen Schutzfaktors betragen sollte. Dann weist ein Sonnenschutzmittel mit LSF 30 einen UV-A Schutz von mindestens 10 auf. Alle Sonnenschutzmittel, die diesem Standard entsprechen, erkennen Sie am UVA-Qualitätssiegel.
Gut gefiltert
Bei den Filtern, die in den Produkten eingesetzt werden, unterscheidet man zwischen organischen und anorganischen. Organische sind chemische UV-Filter, welche in die Haut penetrieren und dort die energie – reichen UV-Strahlen in Wärme umwandeln. Sie stehen allerdings unter Verdacht, eine hormonähnliche Wirkung zu haben. Definitive Beweise stehen noch aus. Lediglich bei dem UV-Filter 4-Methylbenzylidene Camphor ist Vorsicht geboten, da der Verdacht auf Schädlichkeit bisher nicht widerlegt werden konnte. Anorganische UV-Filter sind sogenannte physikalische UV-Filter wie Titandioxid und Zinkoxidpartikel. Sie reflektieren und absorbieren UV-Licht. In einer höheren Konzentration hinterlassen sie gerne einen „weissen Film“ auf der Haut. Im Vergleich zu den organischen Filtern dringen diese jedoch nicht in die Haut ein. Zwar sind auf Zinkoxid basierende Filter in Verruf geraten, das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hat aber keine gesundheitlichen Bedenken angemeldet, wenn die Konzentration des mikrofeinen Zinkoxids in den Filtern unter 25% liegt. Für eine optimale Schutzwirkung werden vorwiegend Kombinationen aus chemischen und physikalischen Filtersystemen eingesetzt.
Sonniges Wohlbefinden
Schlechtes Gewissen beim Sonnenbad? Nein! Die Sonne hat auch eine entspannende und erholsame Wirkung auf den Menschen. Ob am Strand, auf der Terrasse oder in den Bergen – schon wenige Minuten in der Sonne sorgen für gute Laune. Also: Eine angemessene Sonnendosismit einem den Gegebenheiten angepassten Sonnenschutz.
Rolf Stehr | Der Make-up-Artist und Permanent-Make-up- Ausbilder arbeitet seit 1991 im Bereich Visagistik. Neben seiner eigenen Marke vertreibt er in der Schweiz verschiedene Pflegelinien und leitet weltweit Seminare für Kosmetikfirmen.