Der heimliche Star: Maniküre

Der heimliche Star: Maniküre

Illustration: Ola-Ola/Shutterstock.
Illustration: Ola-Ola/Shutterstock.

Wohltat mit Soforteffekt
Als Dienstleistung wird die Maniküre oft unterschätzt – völlig zu Unrecht, findet Ralf Bartsch. Warum sie im Dienstleistungsmix eines modernen Kosmetikinstituts nicht fehlen sollte, erläutert er hier.
Eine gute Maniküre zeichnet sich durch zwei Dinge aus: Zum einen bekommen die Kunden sofort sichtbar schönere Hände und Nägel. Zum anderen stellt sich während der Dienstleistung eine deutlich spürbare Steigerung des Wohlbefindens ein. Wie gelingt das? Um die Optik der Hände aufzuwerten, lassen sich Form und Oberfläche der Naturnagelplatten bearbeiten und verschönern. Und die Haut wird je nach Zustand mit passenden Präparaten intensiv gepflegt.
Zarte Hände, schöne Nägel | dossier
Der eintretende Soforteffekt wird besonders deutlich, wenn zunächst nur eine Hand bearbeitet wird. Im Vergleich zur unbehandelten Hand können die Kunden den Unterschied dann direkt sehen und spüren. Dieser „Trick“ ist vor allem hilfreich, um Neukunden von der Qualität zu überzeugen.

Schonendes Kürzen der Nägel
Für eine umsichtige Bearbeitung der Naturnägel führen wir uns vor Augen, dass die Nagelplatte nur ca. 0,5 Millimeter dick ist und sich aus der Nagelwurzel heraus erneuert. Die Wachstumsgeschwindigkeit beträgt ca. 1 Millimeter pro Woche, wobei das von Nagel zu Nagel variieren kann. Um die Nägel zu kürzen und zu formen, sollte eine Sandblattfeile mit einer Körnung von 180 oder noch besser 240 Grit verwendet werden. Wichtig ist, die Form erst ab dem Bereich zu beeinflussen, der als freier Rand (free edge) des distalen Endes des Naturnagels bezeichnet wird. Das leichtfertige Befeilen der Seitenlinien führt nicht selten zu Bagatellverletzungen im Nagelbett oder am Nagelwall. Das kann einen schmerzhaften, entzündlichen Umlauf (Paronychie) zur Folge haben.

Politur der Nagelplatte
Die Bearbeitung der Nageloberfläche kann ein unglaubliches Aha-Erlebnis bei den Kunden auslösen. So lassen sich z.B. Rillen und Unebenheiten mechanisch glätten. Aber Vorsicht: Da die Nagelplatte nur einen halben Millimeter stark ist, muss äusserst behutsam und besonnen gearbeitet werden! Für die Politur gibt es zwei unterschiedliche Vorgehensweisen.
Die schonendste Variante ist, den Nagel ohne Abtragen der Substanz lediglich mit der weissen Seite der klassischen Polierfeile zu polieren. Dabei ist so gut wie kein Abrieb feststellbar und die Nägel erhalten einen schönen Glanz. Allerdings setzt diese Methode glatte und gleichmässig gewachsene Nagelplatten voraus. Im Tagesgeschäft trifft man aber häufiger auf rillige Nägel mit unebener Oberfläche. Durch den behutsamen Einsatz von Bufferfeilen mit einer Körnung von 180 Grit oder feiner lassen sich Rillen glätten oder gar ganz entfernen, bevor die Nagelplatte poliert wird. Bei dieser Vorgehensweise fallen etwa 10 Prozent der Nagelplatte dem Abrieb durch die Bufferfeile zum Opfer. Es ist daher wichtig, dass bei Folgeterminen nur der neu herausgewachsene dorsale Bereich des Nagels gebuffert wird. Der bereits geglättete Teil darf nur aufpoliert werden. Zu dünn gefeilte Nägel sind nicht reparabel und können sich im Laufe der Zeit entweder verformen oder am freien Rand ausfransen.

Hautpflege und Massage
Nagelöl ist perfekt für die Pflege trockener Nagelhaut. Als Profi, der die Hygienevorschriften beachtet, dürfen Sie das Öl nicht mit einem Pinsel auftragen, der bereits bei einer Maniküre zum Einsatz kam oder erneut dafür verwendet werden soll. Tropfen Sie es mit etwas Abstand aus einer Pipette auf. Nagelöle in Pinselflaschen sind reine Verkaufsprodukte.
Überschüssige Nagelhaut wird mit einem stumpfen Gegenstand von der Nagelplatte sanft in Richtung Nagelwurzel geschoben. Bei Bedarf dürfen Sie abgestorbene Hautreste auch mit Fräser oder Zange vorsichtig entfernen. Dass dabei kein gesundes Gewebe zerstört werden darf, versteht sich von selbst. Den krönenden Abschluss einer guten Maniküre bildet die Handmassage. Für die Pflegekomponente können Sie aus einer breiten Palette an Produkten wählen. Luxuriöse Varianten sollten Sie allerdings als eigenständiges Pflegeritual zu einem höheren Preis anbieten. Die Massage sollte mindestens bis zu den Handgelenken, maximal bis zu den Ellenbogen erfolgen. Es ist von Vorteil, angenehme und effektive Grifftechniken zu erlernen, denn die Massage ist das absolute Highlight für die Kunden – sie schmelzen dabei förmlich in Ihren Händen dahin.
Falls anschliessend eine Lackierung der Nägel gewünscht ist, muss die Nagelplatte von den Fetten der Pflegesubstanzen befreit werden, z.B. mit Isopropylalkohol. Danach können die Nägel gestylt werden.

Ralf Bartsch │ Der Autor führte ein eigenes Nagelstudio in Solingen, wurde in der Industrie als Verkaufsleiter von Hollywood Nails bekannt und wechselte wieder zurück an den Nageltisch. Der geprüfte Nageldesigner HWK gründete 2012 die Fachschule Naildesign, die firmenneutral aus- und weiterbildet.

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