Ernährung bei Lichtempfindlichkeit und Sonnenallergie

Nicht nur mit Sonnencremes, Lotionen und Sprays kann man die Haut vor der
Sonne schützen. Auch die richtige Ernährung kann Ihren Kundinnen helfen, einen
ständigen Sonnenschutz für die Haut aufzubauen.
Laut einer Umfrage von TNS-Infratest im Auftrag von Nivea Sun aus dem Jahr 2007 halten sich 70 Prozent der Deutschen in ihrer Freizeit mindestens 3 Stunden täglich im Freien auf. Im Urlaub wenden 80 Prozent der Befragten einen UV-Schutz an, im Freibad sind es immerhin noch 70 Prozent, die sich mit Sonnenmilch vor einem Sonnenbrand schützen. Beim Sport und bei der Gartenarbeit denken nur noch 39 Prozent und in der Mittagspause oder bei Spaziergängen nur noch 25 Prozent der Befragten an den Sonnenschutz. Aber auch hier entfaltet die Sonne ihre ganze Kraft und lässt die unbedeckte Haut altern. Besonders bei Menschen mit Sonnentyp 1 und 2 summieren sich die täglichen Sonnenschäden und beschleunigen die Hautalterung. Auch Personen, die unter einer Sonnenallergie leiden, müssen regelmässig an den Sonnenschutz denken. Wie einfach wäre es da doch, wenn man morgens zum Frühstück einfach eine Pille schlucken und so die Haut den ganzen Tag von Kopf bis Fuss vor Sonnenschäden bewahren könnte. Bis man ein solches Präparat in der Apotheke kaufen kann, wird es sicher noch einige Zeit dauern, doch es gibt bereits die Sonnencreme zum Einnehmen. Man findet sie in jedem Supermarkt und zwar bevorzugt an der Gemüsetheke: Tomaten, Tomatensuppe und Tomatenmark, Möhren, Karottensaft, Wassermelonen, Grapefruits und Olivenöl sind tatsächlich in der Lage, die Widerstandskraft der Haut gegen Sonnenbrand und Faltenbildung zu erhöhen und sogar einen messbaren Lichtschutzfaktor aufzubauen – vorausgesetzt, sie werden regelmässig verzehrt.
Tomate statt Creme?
Wer gerne Pizza oder Pasta isst, hat zukünftig noch einen weiteren guten Grund, italienisches Essen zu geniessen: Gerichte mit Tomatenmark liefern einen hervorragender Sonnenschutz – so das Ergebnis einer Studie des Instituts für Physiologische Chemie der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Mit der Untersuchung konnte erstmals wissenschaftlich nachgewiesen werden, dass mit „gängigen Lebensmitteln aus dem Supermarkt“ ein Hautschutzeffekt erzielt werden kann, erklären die Leiter der Studie Prof. Wilhelm Stahl und Prof. Helmut Sies. Die Studienteilnehmer mussten täglich 40 Gramm Tomatenmark, das zusammen mit etwas Olivenöl erhitzt wurde, verzehren. Das entspricht einer täglichen Zufuhr von 16 Milligramm des Carotinoids Lycopin. Die Kontrollgruppe erhielt lediglich Olivenöl. In der Experimentalgruppe, die regelmässig Tomatenmark verzehrte, kam es im Verlauf der Studie zu einem deutlichen Anstieg der Konzentration des Tomatenfarbstoffs Lycopin im Blut und in der Haut. Nach zehn Wochen war die Intensität der durch Sonnenlicht verursachten Hautrötung in der Gruppe, die die Tomatenprodukte konsumiert hatte, um 40 Prozent geringer als in der Kontrollgruppe. Obwohl der Genuss von Tomatenmark, Tomatensaft oder anderen Tomatenprodukten nicht die Sonnencreme ersetzt, baut er nachweislich einen Basislichtschutz auf. Ein Grossteil der Lichtschäden entsteht nicht am Strand, sondern im Alltag durch zahlreiche kurze ungeschützte Aufenthalte in der Sonne. Hier kann die Verwendung von Nahrungsmitteln mit „Sonnenschutzqualitäten“ zu einem effektiven Grundschutz der Haut beitragen und sowohl gesundheitsförderliche Wirkungen (Reduzierung von Hautkrebsrisiken und Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen) als auch „kosmetische Effekte“, nämlich die langfristige Reduktion der Faltenbildung, erzielen. Immerhin hält ein Lichtschutzfaktor von zwei die Hälfte der Sonnenstrahlen ab, bei einem Lichtschutzfaktor von vier werden 75 Prozent der UVStrahlen herausgefiltert.
Verantwortlich für die Schutzwirkung von Tomatenprodukten ist vor allem das Tomatenpigment Lycopin. Es verursacht die rote Farbe des Gemüses und gehört zur Gruppe der sogenannten Carotinoide. Lycopin schützt die Haut wahrscheinlich auf zweifache Weise vor Sonnenbrand und Hautalterung: Zum einen lagert sich der Tomatenfarbstoff in die Haut ein und schützt so – ähnlich wie ein Sonnenschirm – die Hautzellen vor UV-Strahlen, zum anderen fängt Lycopin freie Radikale ab, die bei Sonnenbestrahlung in der Haut entstehen und für Sonnenbrand und Faltenbildung mit verantwortlich sind. Die besten Lycopinlieferanten sind Tomaten, Tomatensaft und andere Tomatenprodukte, Wassermelonen und Pink Grapefruits. Einen besonders hohen Lycopingehalt haben Obst und Gemüse, die im Freien gewachsen sind und viel Sonne tanken konnten. Besonders hoch konzentriert ist der Schutzstoff in Tomatenmark, Tomatensosse, Tomatensaft und sogar in Ketchup. Das Tomatenmark, das in der Untersuchung verwendet wurde, enthielt rund 40 mg Lycopin pro 100 Gramm. Das entspricht bei der in der Studie verwendeten täglichen Menge von 40 Gramm einer täglichen Aufnahme von 16 mg Lycopin. Wer Tomatenmark nicht mag, kann den gleichen Schutz auch mit 300 g Wassermelonen oder Tomaten, 200 ml Tomatensaft, einer Portion Tomatensosse oder einem Teller Tomatensuppe erreichen.
Wie bereits in den 90er-Jahren festgestellt wurde, lassen sich ähnlich gute Effekte auch mit dem Karottenvitamin Beta-Carotin erzielen. Zu Beginn wurden vor allem Vitamintabletten eingesetzt, um die Aufnahme des gesundheitsfördernd en Carotinoids zu unterstützen. Inzwischen werden Nahrungsergänzungsmittel mit hoch dosiertem Beta-Carotin sehr kritisch betrachtet, u.a. auch aufgrund des erhöhten Krebsrisikos. Unbedenklich ist hingegen die Aufnahme von Beta-Carotin durch den Verzehr von Karotten und Karottensaft.
Besser gekocht als roh
Forscher der Cornell University in Ithaca haben festgestellt, dass durch besonders langes Kochen der Tomaten mehr Lycopine freigesetzt werden als beim kurzen Dünsten. Durch das Erhitzen werden die Zellhüllen aufgebrochen und damit das Lycopin freigesetzt. Bei der Untersuchung wurden Tomaten bei 88 Grad 2, 15 und 30 Minuten lang gekocht. Dabei sank zwar der Vitamin-C-Gehalt, der Lycopingehalt aber stieg um 54 Prozent, 171 Prozent bzw. 164 Prozent. Ähnlich wie Tomaten sollte man auch Möhren öfters gekocht oder zerkleinert verzehren, denn dann versorgen sie den Organismus besser mit dem wichtigen Beta-Carotin. Durch die harten Zellwände der rohen Möhren kann der Körper das darin enthaltene Beta-Carotin kaum aufnehmen. Erst das Kochen bricht die Zellmembranen auf. Karotten enthalten besonders viel Beta-Carotin, das sich in den oberen Hautschichten einlagert und so der Haut eine frische bräunliche Farbe verleiht. Ausserdem ist Beta- Carotin ein sehr aktiver Radikalfänger und schützt die Haut vor zellschädigenden Substanzen wie den freien Radikalen. Wer von dem Vitamingehalt der Karotten profitieren möchte, muss die Möhren immer mit etwas Fett verzehren. Denn erst Butter, Öl oder Sahne geben dem Körper die Möglichkeit, die fettlöslichen Vitamine aufzunehmen.
Im Februar beginnen
Da etwa ab März die Lichtintensität im Freien rasch zunimmt und die Gefahr einer Sonnenallergie gerade im Frühjahr besonders gross ist, sollte mit dem gezielten Verzehr von Tomaten- oder Karottenprodukten bereits im Februar begonnen werden, denn bis der volle Schutz erreicht wird, vergehen einige Wochen. Bei konsequenter und rechtzeitiger Anwendung der Ernährungsempfehlungen bessert sich sehr häufig die Sonnenallergieneigung, unter der gerade hellhäutige Menschen häufig leiden. Wichtig ist, dass die empfohlenen Lebensmittel vor allem im Sommer regelmässig verzehrt werden, denn nach etwa zweiwöchiger „Tomatenabstinenz“ geht der Schutz leider wieder verloren. Zum Aufbau eines Lichtschutzes mit dem Faktor 3 bis 4 benötigt man täglich etwa 20 mg Beta-Carotin (Karottenfarbstoff) oder etwa 15 mg Lycopin (Tomatenfarbstoff) aus der Nahrung. Dieser Bedarf sollte nicht durch Nahrungsergänzungspräparate gedeckt werden, denn gerade die isolierte Aufnahme dieser beiden Vitamine aus der Gruppe der Carotinoide wird inzwischen kritisch betrachtet. Viel besser ist es deshalb, die benötigte Menge über Säfte, Obst und Gemüse aufzunehmen. Das ist gar nicht so schwer. So ist die benötigte Tagesdosis Beta-Carotin z.B. enthalten in:
· ein bis zwei Möhren,
· 200 ml Möhrensaft,
· einer grossen Portion Spinat oder
· zwei Süsskartoffeln.
Die benötigte Tagesdosis Lycopin ist enthalten in:
· 200 ml Tomatensaft,
· 300 g Wassermelone,
· einer Scheibe Brot, bestrichen mit einem Esslöffel Tomatenmark,
· einem Teller Nudeln mit einer grossen Portion Tomatensosse oder
· einem grossen Teller Tomatensuppe.
Zusätzlich unterstützt werden kann der Aufbau des körpereigenen Lichtschutzes noch durch regelmässige Verwendung von Oliven- und Rapsöl. Absolut wasserfest Die Vitamine und sekundären Pflanzeninhaltsstoffe aus der Nahrung bauen zwar nur einen Basislichtschutz auf, doch dieser wirkt von Kopf bis Fuss: Auch beim Eincremen oft vergessene Stellen werden so ein wenig geschützt. Der Basislichtschutz reduziert insgesamt die Sonnenallergieneigung und schützt gleichzeitig die Haut vor Falten und Alterung. Gleichzeitig ist dieser Sonnenschutz absolut wasserfest und verstärkt auch noch durch Carotinoide die natürliche Bräune. Auch wenn der Lichtschutz von der Gemüsetheke keinen Ersatz für ein Sonnenschutzpräparat darstellt, so ist er doch vor allem für lichtempfindliche Menschen eine sinnvolle Ergänzung.
Achtung: Wenn Sie dies essen, besteht erhöhte
Sonnenbrandgefahr!
Einige Nahrungsmittel, Nahrungszusatzstoffe und pflanzliche Arzneimittel stehen im Verdacht, die Lichtempfindlichkeit zu erhöhen. Besonders für Menschen mit den Sonnentypen 1 und 2 ist das problematisch, denn bei regelmässigem Verzehr wird die Haut noch anfälliger für Schäden durch UV-Licht. Sogar bei äusserlichem Hautkontakt kann es zu einer örtlich begrenzten Lichtempfindlichkeit kommen. Durch gründliches Händewaschen lassen sich in diesen Fällen allerdings die verantwortlichen Substanzen abwaschen.
Nahrungsmittel, die nach Genuss oder Hautkontakt die Lichtempfindlichkeit erhöhen können, sind:
· Zitrusfrüchte
· Feigen
· Sellerie
· Fenchel
· Kümmel
· Kerbel
· Koriander
· Petersilie
· Süssstoffe wie Natriumcyclamat
· Johanniskrautpräparate
Prof. Dr. Michaela Axt-Gadermann – Die erfahrene Hautfachärztin und Autorin mehrerer Bücher hat sich spezialisiert auf dermatologische Kosmetik, Lasermedizin, natürliche Heilverfahren, Akupunktur und Anti-Aging-Medizin. www.bleibjung.de