Lichthärtende Nagellacke

Lichthärtende Nagellacke

Patentrezept für alle Kunden?

Seit rund zwei Jahren sind sie auf dem deutschen Markt: lichthärtende Nagellacke. Die Marktführer der Branche haben es geschafft, einen einzigartigen Hype zu entfachen. Doch was können sie wirklich? Zeit für eine erste Bilanz.

Lässt man sich bei einigen Herstellern am Messestand bezüglich der lichthärtenden
Nagellacke beraten, kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, die Nailbranche habe jetzt endlich das Patentrezept für alle Frauen, die farbige, modische Nägel lieben, gefunden. Da bietet es sich doch an, mit professioneller Distanz alle Faktoren, die für die Kosmetikerin wirklich relevant sind, zu prüfen und zu hinterfragen.

Die Innovation
Das Neue zeigt sich daran, dass der lichthärtende Lack das Beste aus zwei Welten in sich vereint: die Vorzüge von klassischen Nagellacken sowie die Vorteile von UVGelsystemen. Also die Fliesseigenschaften eines Nagellacks, die ein schnelles und leichtes Beschichten der Nagelplatte garantieren, in Verbindung mit dem schnellen, vollständigen Durchtrocknen der Nägel. Die Schutzwirkung gegen mechanische Belastungen ist höher als bei einer klassischen Lackierung und elastischer als bei einer klassischen Modellage. Die Tragedauer liegt in der Mitte zwischen Maniküre mit Lack und Nagelmodellage, also bei zwei bis drei Wochen. Echte Semi-permanent-Lacke zeichnen sich dadurch aus, dass Nachteile, wie zum Beispiel die Wartezeit bis zum Trocknen eines Nagellacks oder das Anbuffern des Naturnagels vor dem Beschichten mit Gellacken/Soak-off-Gelen sowie die Tatsache, dass UV-Gelsysteme nur abgefeilt werden können, entfallen.

Nicht auf Naturnagel feilen
Ohne Chemie zu studieren kann man herausfinden, was Fakt ist, wenn man hinterfragt, wie der Ablöseprozess funktioniert. Denn der wird bereits bei der Entwicklung der Rezeptur des Produkts festgelegt. Das Mengenverhältnis von Polymeren, Füllstoffen, Pigmenten, Lösungsmitteln, Filmbild- nern und Photoinitiatoren ist dabei ausschlaggebend. Die innovativste Formel haben UV- und/oder LED-härtende Nagellacke, bei denen sich während des Aushärtens durch alle Schichten, also vom Unterlack über die Farbschichten bis zum Überlack, ein Tunnelsystem aus feinsten Röhrchen bildet. Durch diese kann dann das Aceton leichter durch alle Schichten eindringen und die Molekularstruktur quasi sprengen. Nach einer durchschnittlichen Einwirkzeit von 10 Minuten lässt sich dann das lichthärtende Produkt genau so einfach entfernen wie ein klassischer Nagellack. Ein Hinweis, dass ein Produkt nicht über diese „Tunneltechnik“ verfügt, ist die Tatsache, dass beim Ablösen gefeilt werden muss.

Nagelanalyse bleibt Pflicht!
Um mit Sicherheit jede Kundin zur richtigen Entscheidung zu führen, bleibt die Nagelanalyse Pflicht. Dazu gehört neben dem Ermitteln des Nageltyps auch immer die Berücksichtigung des Persönlichkeitstyps und des Lebensstils der Kundin. Im Folgenden finden Sie die Quintessenz der Erfahrungswerte von 30 Kolleginnen,
die alle in den vergangenen Jahren in allen Systemen geschult wurden und bereit sind, ihre Erfahrungen mit Ihnen zu teilen:

Lichthärtende Nagellacke sind:
·         für den Nageltyp „normal“ geeignet
·         für dünne, sehr kurze Nägel nicht empfehlenswert
·         für trockene Nägel nur mit begleitenden speziellen Pflegemassnahmen geeignet

Problemnägel:
Für alle Problemnägel, ob zu dünn, zu trocken, splissend oder zu kurz, gibt es grundsätzlich zwei Alternativen. Entweder eine Nagelmodellage oder eine klassische Lackierung. Letztere sollte im Idealfall mit speziellen, typisierten Unter-, Über- und Kurlacken angeboten werden, denn dann kann im Gegensatz zu einer künstlichen Beschichtung, sei es nun mit (Soak-off-)Gel, Powder/Liquid oder lichthärtendem Lack, die Regeneration des Naturnagels positiv beeinflusst werden.

Klassische Modellage:
Völlig andere Prioritäten setzt dagegen die klassische „Modellage-Kundin“. Sie wünscht ein Resultat nach dem Motto: Schöne Nägel dürfen auch künstlich sein, solange sie natürlich aussehen. Wenn man ihr die grundsätzliche Gesunderhaltung ihrer Naturnägel garantiert, ist sie ansonsten bereit, gewisse Massnahmen, wie das Buffern der Nagelplatte, in Kauf zu nehmen.

Fazit
Wie wir gesehen haben, liegt die neue Dienstleistung „lichthärtende Lackierung“ zwischen den Klassikern Maniküre und Nagelmodellage. Sie kann daher eine Lücke im Dienstleistungsportfolio schliessen und sollte auch preislich zwischen den Preisen einer Maniküre mit Lack und einer Nagelmodellage liegen.

Susanne Seewald
Die Autorin bietet spezielle Seminare rund um das Thema ganzheitliche Nagelpflege an. Sie verfügt über mehr als 25 Jahre Erfahrung als Naildesignerin, Naturnagelexpertin und Ausbilderin.

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