Wellness im Institut

Wellness im Institut

Wohlfühlen bitte!

Wellness boomt nach wie vor und birgt für Kosmetikerinnen ein grosses Potenzial. Doch wie können sich Institute gegen Day-Spas und Wellness-Hotels behaupten? Und wie wird aus einer klassischen Kosmetikbehandlung eine kleine Wohlfühlpause? Hier finden Sie Antworten …

Betrachtet man die Branche einmal genauer, so fällt auf, dass hier seit Jahren eine starke Vermischung der Begriffe Wellness und Kosmetik stattfindet. Das Kosmetikinstitut nennt sich gern Wohlfühl- oder Wellnessoase, Nagelstudios werben mit der Bezeichnung Spa und selbst Handcremes oder Duschcremes erhalten die Zusatzbezeichnung „Wellness/Spa“. Dabei steht fest: Im klassischen Kosmetikinstitut werden noch immer hauptsächlich bis zu 70 Prozent Gesichtsbehandlungen durchgeführt und das, obwohl überall in der Werbung von Spa-Feeling, Wohlfühlen und ganzheitlichen Anwendungen die Rede ist.
Dabei muss das eine das andere jedoch nicht ausschliessen. Auch bei einer klassischen Gesichtsbehandlung kann – oder sollte sogar – das Thema Wohlfühlen ein wichtiger Bestandteil sein. Und das ist einfacher, als viele Kosmetikerinnen vielleicht glauben mögen.

Nur klassische Hautpflege im Institut?
Ausser klassischen Behandlungen für Gesicht, Hals und Dekolleté stehen im Institut besonders Anti- Aging-Behandlungen und Maniküre im Vordergrund. Körperbehandlungen und -massagen werden noch immer primär in Day-Spas oder Hotels gebucht. Für eine Gesichtsbehandlung gehen viele Kunden zu „ihrer Kosmetikerin“, den Körper hingegen lassen sie eher bei einem Aufenthalt im Wellness-Hotel behandeln. Sicher sind die Angebote in Hotel und Day-Spa vielfältiger, die Räumlichkeiten und das Ambiente ansprechender. Doch gerade die kleineren Wohlfühlbehandlungen, die Kunden gut in ihren Alltag integrieren können (z.B. in der Mittagspause), bergen ein enormes Potenzial für Kosmetikinstitute.

Hautpflege oder Wohlfühlen?
In der Praxis bedeutet das für Kosmetikerinnen: etwas weniger klassische Hautpflege, dafür mehr Wohlfühlangebote wie Massagen an Kopf, Nacken, Armen und Füssen, die Kunden das Gefühl von unendlicher Zeit und Ruhe vermitteln. Die Institutsbehandlung sollte für die Kunden ein unvergessliches Wohlfühlerlebnis sein und keine „Alles-in-einem-Gesichtsbehandlung“, bei der das jeweilige Hautproblem im Vordergrund steht. Es sollte vielmehr ein kleiner Wellnessurlaub bei dezenter Musik und angenehmer Raumbeduftung sein – ohne die Lupenleuchte, die jede Unreinheit der Haut gnadenlos zum Vorschein bringt.

Was sind Wohlfühlaspekte?
Ein kurzes Willkommensritual sollte Bestandteil jeder Wohlfühlbehandlung sein. Auf diese Weise kann die gestresste Kundin direkt beim Ankommen den Alltag schnell hinter sich lassen. Es kann Folgendes beinhalten:
§  eine leichte Nacken- und Kopfmassage
§  eine Massage der Ohren als wichtiger Träger von energetischen Punkten
§  eine Druckpunktmassage im Gesicht und am Kopf
§  eine warme Gesichtskompresse mit einem Hydrolat im Kompressenwasser, zum Beispiel Rosenwasser oder Lavendel
§  eine heisse Kompresse für den Nacken
§  eine Dehnung von Nacken und Schultern unter Zuhilfenahme einer warmen Kompresse
§  je nach Jahreszeit eine kurze, wohltuende Fussmassage oder eine warme Aroma-Fusspackung.

Keine extremen Veränderungen
Eine Wohlfühl-Gesichtsbehandlung darf jederzeit mit neuen Elementen aus den Bereichen Wellness und Spa kombiniert werden. So können Kosmetikerinnen beispielsweise die Pausen während der Behandlung nutzen und eine Massage an Händen, Armen, Kopf oder Füssen zelebrieren, während die Maske der Kundin einwirkt.
Wichtig ist: Es sind nicht die extremen Veränderungen, die aus einer klassischen Gesichtsbehandlung eine Wohlfühlbehandlung machen. Es geht vielmehr darum, reine Hautpflegeelemente wegzulassen und sie durch Wohlfühlrituale zu ersetzen. Die Gesichtsmassage ist dabei ein wichtiger Bestandteil und bei Kunden sehr beliebt. Kosmetikerinnen können die manuelle Massage zum Beispiel mit Seidenhandschuhen, speziellen Massagepinseln oder Halbedelsteinen durchführen. Weiterer Tipp: Eine kurze Mimikgymnastik zum Schluss einer Behandlung ist nicht nur effektiv, sie unterstreicht auch den positiven Gesichtsausdruck, den die Kundin nach einer Wohlfühlbehandlung im Institut haben sollte. Spa-Feeling lässt sich aber nicht nur in Gesichtsbehandlungen integrieren. Kombiniert man zum Beispiel die Maniküre mit einem Peeling, einer Hand-Arm-Massage oder Fingeryoga, verwandelt sich auch diese Standardbehandlung in pure Wellness.

Wohlfühlpakete richtig kombiniert
Optimal sind im Institut kombinierte Behandlungsprogramme, die nicht länger als 60 bis maximal 90 Minuten dauern. Hier können Sie kurze Gesichtsbehandlungen, die vielleicht nur aus Abreinigen und einer Massage bestehen, während der Einwirkzeit einer Maske um Folgendes ergänzen:
§  eine kurze Rückenmassage (ca. 15 Minuten)
§  ein Peeling an Händen und Armen
§  eine Bürsten- oder Hot-Stone-Massage am Rücken
§  eine Fussmassage
§  eine Fussmassage mit Peeling und Fusspackung mit feuchten und warmen Kompressen im Winter und kühlen Wickeln im Sommer
§  je nach räumlichen Möglichkeiten ein Körperpeeling oder eine vitalisierende Körpermassage
§  als Abschluss eine kurze, erfrischende Fuss- undBeinbehandlung.

Zeitlich flexibel sein
Obwohl manche Anwendungen parallel erfolgen, gilt bei Wohlfühlbehandlungen: Weniger ist mehr. Ziel ist schliesslich, dem Kunden Erholung vom Alltag zu verschaffen und ihn nicht durch das Leistungsspektrum des Institutes zu treiben. Wichtig ist, dass das Kosmetikinstitut die nötige zeitliche Flexibilität mitbringt und Termine auch in der Mittagspause oder nach Geschäftsschluss annimmt.

Fazit
Das Kosmetikinstitut hat definitiv seine Stärken und braucht die Konkurrenz mit Wellnesshotels und Day-Spas nicht zu scheuen. Für das Kosmetikinstitut sprechen die Kompetenz bei der Gesichtspflege, die kurze Anreise und die Möglichkeit, auch im Alltag kurz mal Energie tanken zu können. Daher beschränken sich die Wohlfühlelemente auch darauf, die jeweilige Gesichtsbehandlung zu ergänzen und zu erweitern. Je nach räumlichen Möglichkeiten kann die Kosmetikerin aber ruhig auch Körperangebote ausprobieren und diese gern unter ein jeweiliges Motto stellen. Fest steht: Kosmetikerinnen müssen Kreativität aufwenden, um künftig mehr Wohlfühlkunden anzusprechen. Präzise Angaben in der Preisliste über die Behandlungszeit und die Abgrenzung zum bisherigen und herkömmlichen Angebot bringen dabei Klarheit für die Kunden und zeigen die Alternativen auf.

Ingrid M. Breyer –Die Kosmetikerin und Heilpraktikerin mit dem Schwerpunkt Traditionelle Chinesische Medizin berät Kosmetikerinnen erfolgreich zum Thema Behandlungskonzepte, Verkauf und Marketing.

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