Nagelpflege

Nagelpflege

Auf Biegen und Brechen

Fingernägel zählen wie die Haare zu den Hautanhangsgebilden. Zusammen mit den Fingerspitzen bilden sie eine funktionale Einheit als Tast- und Greiforgan. Die Nagelplatte besteht überwiegend aus verhornten Keratinozyten, die in der Nagelmatrix gebildet werden.

Weiche Nägel
Die Festigkeit der Nagelplatte hängt von der Verbindung und Ausrichtung der Keratinfasern ab. Wird das Keratin aufgebrochen, führt das zu weichen Nägeln bzw. zu Onychomalazie, wie das Phänomen in der Medizin genannt wird. Typische Symptome sind, dass sich die Nägel extrem leicht biegen und verformen lassen. Zudem sind sie oft auch aufgesplittert oder gespalten. Sie können auch fast transparent oder leicht bläulich aussehen. Auch wenn das paradox klingen mag: intensiver und andauernder Kontakt mit Wasser – z. B. beim Putzen ohne Handschuhe oder bei zu häufigem Händewaschen – entzieht dem Nagel Feuchtigkeit und ist eine der häufigsten Ursachen für weiche Nägel. Durch die Feuchtigkeit quellen die Nägel auf und schrumpfen wieder beim Trocknen. Durch häufiges und wiederholtes Aufquellen und Schrumpfen lockert sich der Keratinverbund der Nagelplatte und die Nägel werden weich. Weitere Faktoren, die zu extrem weichen Nägeln führen können, sind medizinische Probleme wie zum Beispiel Mangelerscheinungen durch Fehlernährung, speziell ein Magnesiummangel, endokrine Störungen wie zum Beispiel eine Schilddrüsenüberfunktion oder Hauterkrankungen wie Psoriasis oder Psoriasis-Arthritis bei gleichzeitiger Gelenkentzündung.
Eine exakte Diagnose der möglichen Ursachen kann nur ein Arzt erstellen. Als Kosmetikerin können Sie betroffenen Kundinnen aber ein paar Tipps und Hilfestellungen geben, mit denen sich die Symptome lindern lassen. Eine erste Möglichkeit besteht darin, auch beim Termin im Studio den Kontakt mit Wasser auf ein Minimum zu beschränken. Verzichten Sie z.B. auf das Einweichen der Nägel vor der Maniküre und bieten Sie stattdessen „trockene Services“ an (mehr Infos in unserem Downloadbereich – siehe Kasten). Führen Sie pflegende Behandlungen durch, die Haut und Nägeln viel Feuchtigkeit spenden und zwar so, dass diese auch gespeichert werden kann. Sollten Kundinnen mit weichen Nägeln unter schmerzhaften Spaltbildungen leiden, die auch das Nagelbett oder das Hyponychium in Mitleidenschaft gezogen haben, sollten Sie diese am besten sofort zu einem Arzt schicken.

Brüchige Nägel
Sind die Nägel Ihrer Kundinnen sehr starr und lassen sie sich kaum verformen, wenn man sie an den Seiten leicht zusammendrückt, deutet das auf brüchige, spröde Nägel hin. Diese neigen dazu, schnell einzureissen oder abzubrechen. Blättern sie vom freien Rand her schichtweise ab, bezeichnet man das Phänomen als Onychoschisis. Splittern Sie infolge von massiver Hohlkehlenbildung längsfaserig auf, spricht man von Oychorrhexis. Genauso wie weiche Nägel können auch brüchige Nägel durch sehr häufiges Händewaschen entstehen, vor allem wenn das Wasser sehr warm ist. „Allgemeine Ansätze, um brüchige Nägel zu behandeln, bestehen darin, den Wassergehalt der Nägel zu erhöhen und zu erhalten, indem z.B. feuchtigkeitsspendende Präparate aufgetragen werden, die über Nacht einwirken“, so Dr. Richard K. Scher M.D. in einer Studie, die im „American Journal of Dermatology“ erschien. Reichen Pflegebehandlungen allein nicht aus, um den Zustand der Nägel zu bessern, sollten Sie Kunden mit gravierenden Symptomen sicherheitshalber zu einem Dermatologen schicken. Onychorrhexis ist oft bei Menschen zu beobachten, die häufigen und intensiven Kontakt mit (haut-)reizenden Substanzen haben, z.B. mit Lösungsmitteln, Laugen oder anderen Chemikalien. Das wird darauf zurückgeführt, dass die Lipide aus dem Nagel herausgelöst werden. Spröde, brüchige Nägel können auch eine Alterserscheinung sein. Oft sind sie zudem eine Begleiterscheinung von diversen Erkrankungen, wie z.B. Psoriasis, Lichen ruber oder auch Mykosen und Ekzemen.

Lösungsansätze
Um weiche oder brüchige Nägel zu kräftigen, können Sie betroffenen Kunden z.B. die Einnahme eines Vitamin-B-Komplexes, Biotin und zusätzlich einen Nagelhärter empfehlen. Dieser sollte nicht über einen längeren Zeitraum hinweg angewendet werden, da er
auf Dauer die Nägel austrocknet. Manchmal kann auch die Einnahme von Vitamin A und Gelatine die Nagelstrukturverbessern.
Eine besonders wichtige Massnahme ist allerdings die Vorbeugung. Empfehlen Sie betroffenen Kunden, die Naturnägel möglichst kurz zu halten und die Hände mit Handschuhen zu schützen, wenn sie in feuchtem Milieu oder mit aggressiven Substanzen arbeiten müssen. Sollten diese präventiven Massnahmen keinen Erfolg bringen, sollten die Betroffenen einen Arzt aufsuchen, um ggf. medizinische Ursachen abzuklären. Handelt es sich um ein rein kosmetisches Problem, kann das Aussehen der Nägel durch eine künstliche Nagelverstärkung oder eine Nagelverlängerung verbessert werden.

Wussten Sie, …
… dass brüchige Nägel bei rund 20 Prozent der Bevölkerung auftreten? Ausserdem haben ca. doppelt so viele Frauen wie Männer damit zu kämpfen. Die Ursache dafür wird darin vermutet, dass die Verbindungen zwischen den Korneozyten bei Frauen schwächer ausgeprägt sind als bei Männern.

Heimpflegetipps
Verkaufen Sie Ihrer Kundin eine hydratisierende Pflegelotion, ein hochwertiges Nagelöl sowie einen Nagelhärter, damit sie zwischen den Terminen ihre Nägel weiterpflegen kann. Raten Sie ihr zudem, auf ihre Ernährung zu achten. Empfehlenswert sind viel Gemüse, Obst und Vollkornprodukte. Bei Bedarf können Nahrungsergänzungsmittel wie Multivitamin- und Mineralstoffpräparate eingenommen werden. Ausserdem sollte sie beim Putzen und Spülen stets Handschuhe zu tragen.

Chery Louise Branche
Sie ist Ärztin im Ruhestand und arbeitet in New York als Beraterin.

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