Schön altern

Erfolgreiche Vermittlung von Anti-Aging-Konzepten
Möglichst lange jung und attraktiv aus sehen – das wollen die meisten Kunden eines Kosmetikinstituts. Um Enttäuschungen bei den Behandlungs – ergebnissen zu vermeiden, ist es wichtig, eine gute und einfühlsame Beratung zu bieten.
Der Umgang mit dem Begriff „Anti- Aging“ hat sich in den vergangenen Jahren deutlich verändert. Mittlerweile wird er beinahe inflationär verwendet. Tatsächlich verbergen sich dahinter zahlreiche verschiedene Konzepte und auch Erwartungen. Um diese nicht zu enttäuschen oder bereits im Vorfeld auf ein realistisches Mass zu bringen, ist es wichtig, sich mit den konzeptionellen Hintergründen zu be fassen und zu wissen, wo die Grenzen des Möglichen liegen. Dies ist die Grundlage einer kompetenten und ehrlichen Beratung.
Ganzheitliche Aspekte
Der Aspekt der Hautalterung stellt nur einen Teil des Anti-Agings dar. Daher ist es für die Kosmetikerin wichtig, auch die anderen Bereiche zu kennen und in die Arbeit einfliessen zu lassen. Beauty-Profis, die bereits diese Ansätze verfolgen, sprechen meist von „ganzheitlicher Kosmetik“. Den Wunsch, die Zeichen des Älterwerdens so lange wie möglich hinauszuzögern, gibt es wohl schon immer. Aber besonders der gesellschaftliche Wandel in den vergangenen 100 Jahren bewirkte, dass sich hier einige Ansichten deutlich verschoben. Nicht nur Durchschnittsalter und Lebenserwartung sind gestiegen. Heute wird auch viel Wert darauf gelegt, das Alter mit Lebensfreude und in guter körperlicher Verfassung zu geniessen. Die Veränderungen in Lebensstil und Selbstwahrnehmung zeigen sich in soziolo gischen (z.B. Wohnverhalten, Familienrollen, Kon sumverhalten, Kaufkraft), medizinischen (z.B. in der Dermatologie, ästhetischen Chirurgie, Altersmedizin, aber auch in Ernährung und Bewegung) und psychischen (z.B. Selbstbild, Interpretation von Alter, Selbstschulung in Entspannungstechniken) Aspekten.
Das wachsende Bewusstsein lässt die Nachfrage nach kosmetischen Produkten und Behandlungen steigen, erhöht aber auch die Erwartungen an die Kosmeti – kerin. Im Zentrum des Anti-Agings sollte daher der etwas altmodisch klingende, aber sehr treffende Begriff des „Wohlergehens“ stehen. Denn ist das vorhanden, wird den scheinbar negativen Auswirkungen des Alterns weniger Bedeutung beigemessen. Dies ist wichtiger Bestandteil der Lebenszufriedenheit und -qualität.
Wichtig: gute Beratung!
Die Literatur bietet mittlerweile eine grosse Auswahl an Ratgebern über Ernährung, Bewegung, mentales Training, Lebensführung allgemein u.v.m. All diese Gebiete tragen dazu bei, sich jung zu fühlen, und unterstützen die Gesundheit sowie das Erscheinungsbild der Haut. Die ganzheitlichen Konzepte können in der Kosmetikberatung eine sehr sinnvolle Ergänzung darstellen. Durch gute Ernährung und Pflege des gesamten Organismus lässt sich die Regenerationsfähigkeit des ganzen Körpers erheblich steigern. Auch das Lebensgefühl wird damit massgeblich verbessert. Diese Zusammenhänge aufzuzeigen und vielleicht sogar entsprechende Bücher anzubieten, erweitert das Spektrum der Beratung im Kosmetikinstitut erheblich.
Zudem unterstreicht es die Kompetenz und macht die Kunden zu aktiven Partnern. Die gesteigerte Aktivität des Kunden wird sich auch in der Mitarbeit zum Beispiel in der Heimpflege oder beim Buchen von Behandlungsserien zeigen.
Strategien
Wenn man in der Kosmetik von Anti-Aging-Strategien spricht, ist es wichtig, die verschiedenen Phasen zu differenzieren. Die Prävention gliedert sich in Mass – nahmen für die Haut, die noch keine sichtbaren Alterszeichen aufweist, wenn die ersten Anzeichen erkennbar werden (Primär- und Sekundärprävention) und schliesslich in Tertiärmassnahmen bei sichtbar fortgeschrittener Alterung. Prävention bedeutet, die Haut vor schädigenden Einflüssen zu schützen. In der Primärprävention sind das vor allem übermässige UV Strahlung, Rauchen, ungesunde Ernährung und Stress. Hier spielen vor allem Wirkstoffe zum Lichtschutz, Antioxidantien oder hormonaktive Wirkstoffe eine wachsende Rolle. Besonders Mikronährstoffe (z.B. Vitamine A, C und E, Karotinoide, Isoflavone oder Omega 3-Fettsäuren) übernehmen eine wichtige biologische Aufgabe. Werden erste Fältchen sichtbar, greift die Sekundärprävention, die die Haut unterstützen und den Alterungsprozess verlangsamen soll.
Als tertiäre Massnahmen bezeichnet man schliesslich all jene Eingriffe, die die sichtbaren Alterserscheinungen direkt beeinflussen sollen. Hierzu zählen die nonund minimal-invasiven dermatologisch-ästhetischen Verfahren, wie chemische Peelings, Filler (z.B. Hyaluronsäure), nicht-ablative Laser-Rejuvenation, Radio – frequenztechnik, Botulinumtoxin, Laser Resurfacing (z.B. mit CO2, Erbium), kosmetisch-chirurgische Eingriffe (Lifting, Augmentation, Liposuktion) und die Eigenhaartransplantation. Ob und welche dieser Massnahmen infrage kommen, ist jeweils vom körperlichen Selbstverständnis abhängig und von der Bereitschaft, diese teilweise mühsamen und durch einen Arzt ausgeführten Behand – lungen auf sich zu nehmen. In der Primär- und Sekundärprävention spielt dagegen das eigene Wissen eine grosse Rolle. Hier kann die Kosmetikerin über die Zusammenhänge der schädigenden Faktoren aufklären.
Individuelle Beratung
Entsprechend muss die Kosmetikerin natürlich erkennen, in welchem Stadium sich die Haut des jeweiligen Kunden befindet. Nur so kann sie die passenden Wirkstoffe einsetzen. In der Dermatologie werden vier Hautalterungsstufen unterschieden, die von der ersten Faltenbildung (1) über das Vorhandensein von Falten und Anzeichen von Straffheitsverlust (2) und die Hauterschlaffung (3) bis zum hormonell bedingten Sebumlipidmangel und Elastizitätsverlust der Haut (4) reichen.
Jede Stufe zeigt unterschiedliche Phasen und die Stadien können sich überlappen. Auch altersbedingte Pigmentveränderungen sind zu berücksichtigen. Wenn man diese Eckdaten bei der Hautanalyse dem Kunden vermittelt, versteht er die Auswahl der verwendeten Kosmetikprodukte und vorgeschlagenen Behandlungen meist besser. Natürlich sollte dabei auch erklärt werden, wo die natürlichen Grenzen der Behandlung liegen. Diese Offenheit, einfühlsam vermittelt, schafft Verständnis und Vertrauen. Dabei kann auch angesprochen werden, wo die Kooperation mit anderen Berufsfeldern (z.B. Dermatologie, ästhetische Chirurgie) angebracht ist. Dies wird dann der Fall sein, wenn entweder eine Ergänzung notwendig ist (z.B. in der Diagnostik von pathologischen Veränderungen und entsprechenden Behandlungen) oder die oben geschilderten tertiären Massnahmen vom Kunden gewünscht werden. Wichtig ist auch, die dermatologischen Bilder des Alterns von Erkrankungen abzugrenzen. Die Kooperation mit Dermatologen ist hier ausgesprochen sinnvoll!
Umgang mit dem Selbstbild
Das Selbstbild ist nicht nur vom Alter abhängig – es wird vielmehr vom einzelnen Menschen und seinen persönlichen Einstellungen geprägt. Deshalb ist es für die Kosmetikerin wichtig, ein sicheres Urteilsvermögen zu entwickeln, wo ein gesundes Selbstbild schon vorhanden ist oder gefördert werden sollte. Mitunter kommt es auch vor, dass Ansichten vertreten werden, die eine Tendenz ins Krankhafte aufweisen. Sie ist beispielsweise vergleichbar mit Essstörungen wie Magersucht und ähnliche. Diese hängen immer mit psychischen Faktoren zusammen. Die Betroffenen brauchen dann eine entsprechende fachlich-kompetente Unterstützung. Unabhängig davon, wie das Selbstbild des jeweiligen Kunden ausgeprägt ist, benötigt es viel Erfahrung und Einfühlungsvermögen, ihn hierbei zu begleiten und möglicherweise auch ein wenig zu lenken. Denn unterschiedliche Ansichten über die zu erwartenden Ergebnisse einer Behandlung können für Frust auf beiden Seiten sorgen.
Dr. med. Urs Pohlmann | Der Neurologe befasste sich während seiner klinischen Tätigkeit mit Sinnesphysiologie, Neuroimmunologie und Dermatologie. Aktuell beschäftigt er sich mit dem Zusammenhang der Regenerationsfähigkeit der Haut und pflanzlichen Wirkstoffen. Er lebt und arbeitet in Zürich.