Mit den richtigen Mischungen zum optimalen PMU-Ergebnis

Buntes Treiben
Rote oder bläuliche Augenbrauen – der Horror eines jeden Pigmentisten. Schuld daran sind Farbveränderungen, die aufgrund ungünstig gemischter Pigmente entstehen. Holger Hoffman gab uns Antworten auf die fünf häufigsten Fragen rund um das richtige Mischen.
Nicht nur Neulinge im Bereich Permanent Make-up wundern sich des Öfteren, warum die Farben bei der Kundin anders werden, als auf der Farbkarte des Herstellers angegeben – auch „alte Hasen“ stehen immer wieder vor diesem Problem.
BEAUTY FORUM: Welche Pigmentierfarben verändern sich im Laufe der Zeit?
Holger Hoffmann: Farbentwicklungen lassen sich nur schwer voraussagen. Für das Ergebnis in der Haut sind zwar vor allem die gewählten Pigmente ausschlaggebend, aber auch Stichtiefe bzw. Arbeitstechnik, äussere Einflüsse und die Hautbeschaffenheit der Kundin wirken daran mit. Tatsächlich wird jedes Pigment und jeder Farbstoff unterschiedlich abgebaut, was zu Farbveränderungen führen kann. Werden bei der Mischung Farben zusammengebracht, die unterschiedliche Abbauzeiten haben, kann dieser Effekt sogar richtig extrem ausfallen. Ein gutes Beispiel sind dunkelbraune Pigmente, die mineralisches Braun oder Rot (INCI 77491) und einen Schwarzanteil in sich tragen: Mineralisches Schwarz (INCI 77499) hält nicht so lang in der Haut wie der Rotanteil – eine Rotentwicklung ist die Folge. Dieser Effekt hat aber nicht nur mit der schwarzen Farbe zu tun, sondern ist zusätzlich auf die chemische Reaktion von mineralischen Pigmenten zurückzuführen. Pigmente mit Eisenoxyd oxidieren (= rosten) in der Haut weiter bis zum Rostrot. Das wiederum hält sehr gut und überdauert selbst mineralisches Schwarz. Carbonschwarz (INCI 77266) hält extrem lange und reduziert sich meistens über Blau – was zur Folge hat, dass sich die Braun- und Rotanteile eher verabschieden und das „Werk“ braun-gräulich oder bläulich werden kann.
Welche Farben sind besser: mineralische oder synthetische?
In beiden Gruppen sind gute Rohstoffe zu finden und solche, die gesundheitsschädlich sind. Es macht also wenig Sinn, sich für eine Gruppe entscheiden zu wollen. Man muss exakt jene Farben in beiden Gruppen finden, welche absolut unbedenklich sind. Aktuell gibt es nur eine Negativliste mit verbotenen gesundheitsschädlichen Rohstoffen, alle anderen Farben bleiben in einer rechtlichen Grauzone. Deshalb gibt es ein intensives Bestreben nach einer Positivliste, das heisst, aus beiden Gruppen sollen jene Rohstoffe ausdrücklich zugelassen werden, die nachweislich kein Gesundheitsrisiko darstellen.
Stimmt es, dass PMU-Farben im Kernspin Verbrennungen auslösen?
Mir persönlich ist diese Behauptung zu oberflächlich, aber das Gerücht geht um. Tatsächlich ist mineralisches Schwarz minimal magnetisch. Bei hoher magnetischer Einwirkung mancher medizinischer Untersuchungen kann sich eine Erwärmung einstellen. Wenn diese unter 2,5 Tesla bleibt, ist das Risiko gering. Grundsätzlich sollte man nach der Verwendung von mineralischem Schwarz 18–24 Monate bis zur nächsten MRT oder zur Kernspin warten.
Man munkelt, dass mineralische Pigmente verboten werden sollen, weil diese Allergien auslösen könnten. Ist da etwas Wahres dran?
Noch 2003 wurden mineralische Pigmente ausdrücklich empfohlen und jetzt sollen sie plötzlich schlecht sein? Es stimmt, dass ein neuer Teststandard eingeführt wurde. Dieser kam bisher nur bei organischen und synthetischen Pigmenten zum Einsatz, muss jetzt aber auch bei mineralischen Farben durchgeführt werden. Bei dieser sogenannten Komplettaufspaltung lassen sich bei fast allen Eisenoxyden Reste von Nickel nachweisen. Und Nickel gilt als Allergieauslöser. Insofern würden alle mineralischen Farben, die Eisenoxyde enthalten, ein Risiko darstellen. Paradox ist aber, dass man in den vergangenen Jahren genau diese Farben bei Allergikern eingesetzt hat – mit Erfolg. Wobei natürlich immer ein Restrisiko besteht. Hier ist der Gesetzgeber gefragt. Daher wurde eine Vorgabe eingeführt, die besagt, dass die Farben nur den technisch kleinstmöglichen Anteil an Nickel enthalten dürfen. Kürzlich lag das Minimum bei 22 PPM (parts per million = Millionstel), dann spricht man von 6 PPM. Ich verstehe das aber so: Wenn es Farben mit 0 PPM Nickel gibt, so ist das die kleinste Menge. Welche Farben die Grenzen bereits deutlich überschritten haben, lässt sich in der RAPEX-Liste nachsehen. Diese wird wöchentlich von der EU-Kommission veröffentlicht und ist über deren Webseite einsehbar.
Eine Kundin kommt nach zwei Jahren zur Auffrischung und wünscht sich eine andere Farbe. Worauf muss man achten?
Man muss sich einfach vorstellen, die Farbe, welche noch in der Haut ist, wäre bereits im Farbtöpfchen enthalten. Dann braucht man nur noch die restlichen Pigmente zur Wunschfarbe beimischen. Hört sich zunächst kompliziert an, ist es aber gar nicht.
Praktische Tipps vom Profi!
In seinem IFC-Seminar Geniale Farbmischungen für ein erfolgreiches PMU am 28. Februar an der BEAUTY FORUM SWISS 2015 in Zürich, geht Holger Hoffmann nicht nur auf die Kunst des Farbenmischens ein, sondern gibt auch viele praktische Tipps, wie man Farbveränderungen entgegenwirken kann.
Weitere Infos unter www.beauty-forum.ch/ifc
Der Vorverkauf läuft noch bis zum 18. Februar
Holger Hoffmann
gewann 1996 die internationale Meisterschaft in Permanent Make-up und ist heute einer der bekanntesten Pigmentisten in Europa. Der Starvisagist entwickelte für Goldeneye zahlreiche geniale Arbeitstechniken, die heute aus dem Bereich der Mikropigmentation nicht mehr wegzudenken sind.