
Seit Januar 2018 hat Ihnen Finanzexpertin Carmela Schnyder in jeder Ausgabe der BEAUTY FORUM SWISS wichtige Tipps für eine erfolgreiche Selbstständigkeit gegeben. Im letzten Teil der Serie fasst sie die wesentlichen Punkte für eine erfolgreiche Institutsführung zusammen.
Vor ein paar Wochen erhielt ich von einer Freundin eine Nachricht mit dem Link zu einem Kosmetikinstitut. Dieses hatte eine innovative Erfindung im Bereich Permanent Make-up gemacht. Ich klickte auf die Seite und überflog den Inhalt. Leider verstand ich nicht auf Anhieb, weshalb ich diese Nachricht von ihr erhalten hatte. Kurz darauf trafen wir uns und sie erzählte mir, dass die Firma, um die es in der Nachricht ging, ein paar Tage zuvor in der Sendung „Die Höhle der Löwen“ abgeblitzt sei. Die Aussage einer Investorin sei gewesen, sie hätte noch nie in ein Kosmetik-institut investieren können, weil keine Kosmetikerin imstande sei, ihre Buchhaltung korrekt zu führen – eine Buchführung, aus der gelesen werden könne, ob sich eine Investition in das Geschäft rentiere oder nicht.
Rückblick
Das gesamte Jahr habe ich in der Serie „beauty business profis“ versucht, Ihnen eine Anleitung zu geben, wie es Ihnen gelingen kann, ein eigenes Institut aufzubauen und es wirtschaftlich rentabel zu führen. Wenn Sie die Artikel in einem Stück lesen, haben Sie eine Anleitung bzw. eine Richtlinie, an die Sie sich halten können. Sie müssen natürlich nicht jeden Schritt umsetzen, können eigene Ideen einfliessen lassen oder das eine oder andere Thema auch ganz aussparen. Wichtig ist, dass Sie das Vorhaben ernsthaft angehen, sich Zeit für die Vorüberlegungen nehmen und an der Umsetzung dranbleiben. Tönt einfach, ist es aber nicht! Es braucht Zeit, Geld, Durchhaltewillen und Mut!
Vager Traum
Der Beruf der Kosmetikerin wird nach wie vor oftmals unterschätzt. Viele Kosmetikerinnen entscheiden sich zunächst unüberlegt dazu, Kosmetikerin zu werden – ganz nach dem Motto: „Mache deinen Traum zu deinem Beruf“. Die Ausbildung lässt sich gut in den Alltag integrieren und die Dauer bis zu einem Abschluss ist überschaubar.
Es scheint auf den ersten Blick so, als würde die Selbstständigkeit ganz einfach sein. Die Kosmetikerinnen, die sich überlegen, sich selbstständig zu machen, sind sehr motiviert und informieren sich gerne, legen aber ihren Fokus hauptsächlich auf die offensichtlichen Tätigkeiten im Institut, wie das Hüten des Geschäftes oder die optimale Kundenbetreuung, und vergessen dabei die Wirtschaftlichkeit.
Zur Selbstständigkeit gehören aber noch mehr als theoretische und praktische Anwendungskenntnisse. Oft realisiere ich, dass viele meiner Workshop-Teilnehmerinnen sich lediglich ein wenig informieren möchten, wie sie sich selbstständig machen können. Vom Thema „Selbstständigkeit“ generell haben sie nur eine vage Vorstellung.
Nur Mut
Tatsache ist, dass die meisten Kosmetikerinnen nie genug Umsatz machen werden, um davon leben zu können. Über die Hälfte der mir bekannten Kosmetikerinnen haben nebenbei noch eine feste Anstellung und begnügen sich damit, die anfallenden Rechnungen rechtzeitig zu begleichen oder ihr Institut durch die Festanstellung querzufinanzieren. Andere verbergen sich hinter einer Familienfassade und machen – nach einer teuren Ausbildung – entweder alles amateurhaft oder geben ihren Traum von einem eigenen Kosmetikinstitut nach ein paar erfolglosen Jahren gänzlich auf. Bloss weil der Anfang nicht immer geradlinig ist und weil ein paar Dinge nicht gleich von Anfang an gelingen, müssen Sie jedoch nicht gleich aufgeben! Nein, das sind Leergelder, die man bezahlt, an denen man aber unglaublich wächst. Und mit jeder Niederlage oder mit jedem Problem, das man gelöst hat, wachsen das Selbstvertrauen und die Erfahrung. Nur gefestigte und charakterstarke Frauen lassen sich nicht von Niederlagen oder von aussen beeinflussen und folgen ihrem eigenen Instinkt: Sie sind Macherinnen und glauben an sich selbst! Diese Ausnahmen bestätigen mir, dass es funktionieren kann.
Beachten Sie diese 12 Punkte und werden Sie erfolgreich selbstständig!
- Nehmen Sie sich die Macherinnen als Vorbilder.
- Entwickeln Sie einen Sinn für Zahlen und schärfen Sie Ihren Sinn für Ausgaben.
- Denken Sie an versteckte Ausgaben (z.B. Lagerhaltungskosten).
- Investieren Sie das verdiente Geld in eine gute Treuhänderin.
- Entwickeln Sie eine Strategie und trennen Sie private und geschäftliche Einnahmen/Ausgaben.
- Sparen Sie ein Drittel Ihrer Einnahmen für neue Investitionen oder für Notfälle.
- Kaufen Sie bewusst ein und horten Sie nicht zu viele Produkte im Lager.
- Bauen Sie Vertrauen zur Kundin auf! Bei Behandlungen kommt es oft zu intimen Situationen – wichtig ist es, dass die Chemie zwischen Ihnen und Ihrer Kundin stimmt.
- Seien Sie vorbereitet und überraschen Sie Ihre bestehenden Kundinnen.
- Legen Sie sich Verkaufsgespräche zurecht und üben Sie diese zum Beispiel, während Sie auf dem Weg zur Arbeit sind.
- Vermeiden Sie Rabattaktionen, die Ihnen nichts einbringen, und überlegen Sie sich lieber attraktive Aktionsangebote.
- Berechnen Sie die Gehälter Ihrer Mitarbeiterinnen korrekt und befassen Sie sich mit der Zusammensetzung des Lohnausweises.
