Natürlicher Wandel

Foto: New Africa/Shutterstock.com
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Die Beauty-Industrie steht als Umweltsünderin immer wieder im Kreuzfeuer: Schädliche Chemikalien, toxische Verpackungen, nicht nachhaltige Anbaumethoden und intransparente Lieferketten stellen ihre Umweltverantwortung infrage. Moderne Naturkosmetik setzt genau hier an – nicht nur nachhaltig, sondern ökoeffektiv und ganzheitlich gedacht: von der Rohstoffgewinnung über die Produktion und Verpackung bis hin zur biologischen Abbaubarkeit. 

Die Clean-Beauty-Bewegung versucht, dem negativen Image der Kosmetikindustrie entgegenzuwirken. Der Trend zeigt 2025 klar, dass Schönheit und Gesundheit zunehmend miteinander verschmelzen. Nicht mehr in Form von Apothekerkosmetik oder Cosmeceuticals, sondern als Teil eines ganzheitlichen Wellness-Lifestyles. 
Circular Beauty, als Strömung innerhalb der Clean-Beauty-Bewegung, steht für Gesundheit, Nachhaltigkeit und ethisches Handeln in der Branche. Dabei geht es nicht nur um Abfallvermeidung, sondern auch darum, Materialien und Wirkstoffe von Beginn an frei von Toxinen zu halten, damit natürliche Kreisläufe dauerhaft geschlossen werden können. So, wie es die Natur vormacht. 
Immer häufiger werden Rohstoffe für die Kosmetik verwendet, die ursprünglich aus anderen Industrien stammen – etwa Abfälle aus der Kaffee- oder Zuckerrohrverarbeitung. Auch Nebenprodukte wie Lanolin aus der Wollindustrie erleben eine Renaissance. 
Der ganzheitliche Ansatz gewinnt stetig an Bedeutung. Das eigene Wohlbefinden gilt zunehmend als Spiegel für den Zustand des Planeten. Die Erkenntnis, dass beides untrennbar miteinander verbunden ist, setzt sich durch. Wenn die Natur bereits alles liefert, stellt sich die Frage, ob wir überhaupt in ihre Rohstoffe eingreifen dürfen oder sollen. Können wir es wirklich besser als die Natur? Oder liegt der Fortschritt in der durchdachten Kombination unverfälschter Inhaltsstoffe? 

Ökoeffektivität  

Neben herkömmlicher Kosmetik und Naturkosmetik entsteht ein neuer, kreislauffähiger Ansatz. Statt nur zu fragen, wie stark Inhaltsstoffe verändert werden dürfen, ohne den Naturanspruch zu verlieren, rückt ein umfassenderes Konzept in den Fokus: Cradle to Cradle. Dieses Prinzip setzt auf echte Kreislaufwirtschaft und betrachtet die Auswirkungen auf Mensch und Umwelt ganzheitlich. Alle Inhaltsstoffe sollen gesund, umweltverträglich und vollständig biologisch abbaubar sein. Ziel ist es, Produkte zu schaffen, die nicht nur weniger schaden, sondern auch aktiv einen positiven Beitrag leisten. 

Versteckte Gefahr 

Kürzlich erschienene Studien zeigen erst jetzt, welche negativen Auswirkungen die chemische Zusammensetzung von Verpackungen auf Produkte haben kann. So können chemische Stoffe aus der Verpackung wie Phthalate, Bisphenol A (BPA) oder Weichmacher in das Produkt übergehen. Diese Stoffe können die Haut reizen, allergische Reaktionen hervorrufen oder sogar hormonelle Störungen verursachen. Recycelbare Lösungen sind gewünscht, aber die rechtlichen Rahmenbedingungen ändern sich erst langsam durch den Europäischen Green Deal. 
Das Ziel sind Verpackungen ohne Giftstoffe. Dabei spielt auch die Öko-effektivität eine Rolle. Wiederbefüllbare Behälter lösen das Problem leider nicht, da die Produkte oft stärker konserviert werden müssen, was den Einsatz zusätzlicher Chemikalien bedeutet – und somit die Balance mit der Natur erschwert. Es gibt erste Beispiele für sichere Verpackungen, doch es besteht weiterhin grosser Innovationsbedarf, um den Anforderungen der Circular oder Clean Beauty gerecht zu werden. 

Fortschritt im Rückschritt 

Auf der Suche nach neuen Wegen und herausragender Qualität lassen sich Bestrebungen beobachten, traditionelle Anbau- und Verarbeitungsmethoden wiederzubeleben. Ein Beispiel ist die Landwirtschaft: Durch die Rückbesinnung auf traditionelle Anbaupraktiken können Monokulturen vermieden und der Einsatz schädlicher Chemikalien reduziert werden. Was in der modernen Industrie auf konventionell chemische Weise beschleunigt wurde, möchte man in der sauberen Kosmetik nicht mehr weiterverfolgen. Immer mehr Lieferanten verpflichten sich, auf herkömmliche chemische Praktiken zu verzichten. Zudem finden uralte Verarbeitungsverfahren wie die Fermentation Einzug in die Kosmetik. Dieser Gärungsprozess macht Wirkstoffe haltbarer, verbessert ihre Aufnahme durch die Haut und fördert das Mikrobiom der Haut positiv. 

Label-Dschungel 

Die Rückbesinnung auf traditionelle Methoden birgt grosses Potenzial für Innovation. Es wäre wünschenswert, diese Fortschritte auch durch entsprechende Siegel sichtbar zu machen, doch heute gibt es kaum eine Möglichkeit, sich über ein einziges Gütesiegel umfassend abzusichern. 
Traditionelle Naturkosmetik-Labels wie Natrue, Cosmos und Ecocert bieten zwar Orientierung, sind aber oft auf spezifische Kategorien beschränkt.  
Angesichts des wachsenden Greenwashings fällt es zunehmend schwer, fundierte Entscheidungen zu treffen.  
Neuere Zertifizierungen, wie die ganzheitliche BCorp-Bescheinigung, berücksichtigen die Gesamtverantwortung eines Unternehmens, decken aber nicht die Materialgesundheit ab. Die Cradle to Cradle Certified®-Zertifizierung wiederum bezieht sich auf die Kreislauffähigkeit von Produkten, jedoch ohne den Agrarsektor einzubeziehen. 

Fazit 

Viele neue und gestandene Brands suchen ihren Weg zu saubereren und nachhaltigeren Produkten, mit dem Ziel, dem Bedürfnis der modernen Gesellschaft nach sicheren und leistungsfähigen Produkten zu begegnen. Wie weit die Transparenz dabei geht, ist bis heute jeder Marke selbst überlassen.  

Foto: Karin Lanz
Foto: Karin Lanz

Karin Lanz ist Gründerin von LANUR, die weltweit erste kreislauffähige Kosmetik; Gewinner Green Product Award 2025. www.lanur.swiss 

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