Achtung Klimakatastrophe

Hilfe bei trockener Haut

Achtung, Klimakatastrophe!

Unter den Folgen von trockener Haut leidet bis zu einem Drittel der deutschen Bevölkerung. Es wird daher viel gecremt, doch meist mit den falschen Mitteln und mit fatalen Folgen. Kosmetikerinnen können mit dem Wissen um die Ursachen des trockenen Hautzustands und die Wirkungen von Pflegestoffen die Leiden ihrer Kunden deutlich mildern.

Jeder kennt die Bilder von verdörrten Landstrichen, in denen die Sonne den vertrockneten Boden mit Rissen durchzieht. Ungeschützt vor der zerstörerischen Kraft der sengenden Strahlen, zieht sich die Erde zusammen, bis ihre schützende Oberfläche bricht. Im viel kleineren Massstab, aber prinzipiell sehr ähnlich, verhält es sich mit unserer Haut, wenn sie zu viel Feuchtigkeit verliert und austrocknet. Das ist vielleicht ein dramatischer Vergleich, könnte man meinen, doch wer unter trockener Haut leidet, weiss, wie schlimm es sich anfühlt, wenn es ständig spannt und sich im schlimmsten Fall die Haut entzündet. Gut, dass Sie als Kosmetikerin wirkungsvolle Hilfe bieten können. Beachtet man einige wichtige Pflegeregeln, ist das überhaupt nicht schwer.

Rau, spröde und rissig
Wollen wir helfen, müssen wir erst einmal genau wissen, wo die Ursachen liegen für die Entstehung von trockener Haut. Erstaunlicherweise handelt es sich gerade bei der trockenen Haut um den am meisten verbreiteten Hauttyp. Man erkennt sie an verminderten Fett- und Feuchtigkeitsfaktoren, mehr oder weniger starken Abschuppungen, die Haut juckt oftmals, fühlt sich spröde und rau an. Daneben bestehen schwerwiegendere Hautkrankheiten wie beispielsweise Neurodermitis, deren Erscheinungsbild trockene, raue Haut mit Juckreiz und Ekzemen kennzeichnet. Wie wichtig eine gute Pflege noch vor dem Entstehen von Entzündungen ist, zeigt die Zahl der Ekzemerkrankungen in Deutschland: mittlerweile sind 20 bis 30 Prozent der Bevölkerung von ihnen betroffen.

Die durchbrochene Barriere
Beim trockenen Hautzustand verändert sich die Struktur der Hautfette – der sogenannten Hornschichtlipide – zwischen den Hautzellen. Auch der Anteil der Feuchtigkeitsfaktoren (NMF) ist deutlich vermindert. Bei gesunder Haut lagern sich die Fett- und Feuchtigkeitsbausteine in der Haut zu sogenannten Lipid-Doppelschichten aneinander. Auf diese Weise entsteht eine verhältnismässig undurchlässige Hautbarriere. Die Haut ist dadurch sehr gut vor dem Eindringen von Schadstoffen geschützt. Auch die körpereigene Hautfeuchtigkeit wird bestmöglich in der Haut gespeichert. Stehen jedoch die für den Aufbau dieser Barriere notwendigen Substanzen nicht ausreichend zur Verfügung, kann sie sich nicht mehr vollständig bilden. In der Folge trocknet die Haut aus und wird anfälliger für das Eindringen von sogenannten Irritanzien – Störfaktoren für die Haut. Neben einer teils auch anlagebedingten Reduktion der Hornschichtlipide beeinträchtigen zusätzlich zahlreiche äussere Faktoren die Funktion der Hautbarriere. Hierzu zählen eine falsche, zu intensive Hautpflege und besonders aggressive Tenside in schäumenden Reinigungsprodukten. Was sich im ersten Moment vielleicht noch gut anfühlt und frisch duftet, kann verheerende Folgen haben. Denn gerade bei einer gestörten Barrierefunktion emulgieren aggressive Tenside die verbliebenen Hornschichtlipide auf und schwemmen sie aus, was den Hautzustand weiter verschlechtert. Aus diesem Grund sollte die Reinigung der trockenen Haut nur mit rückfettenden Reinigungsprodukten erfolgen.

„Mauern“ nützt nichts
Wie man schon beim Waschen sieht, ist nicht immer das, was im ersten Moment Wohlbefinden bereitet, auch dauerhaft das Beste für die trockene Haut. Gemeint ist der sogenannte Okklusionseffekt, also die Abdeckung der Hautoberfläche durch hochkonzentrierte Mineralöle, Mineralwachse, Silikone oder andere filmbildende Stoffe in Kosmetikprodukten, die aus Erdöl hergestellt werden. Sie bringen die geordnete Barrierestruktur nur noch zusätzlich durcheinander. Doch was ist die Ursache dafür? Das ist im Prinzip ganz einfach: Die Hautbarriere besteht aus bestimmten Anteilen von Fett und Wasser. Eine intakte Hautbarriere speichert die Feuchtigkeit und verdunstet gleichzeitig einen Überschuss an Wasser. Verschliesst nun ein undurchlässiger Film die Haut, kann kein Wasser mehr entweichen. Das Fett-Wasser-Gleichgewicht der Hautbarriere verschiebt sich, die Barriere verliert ihre Doppelschicht-Struktur und wird durchlässiger. Ist die Haut erst einmal an eine erdölhaltige Creme gewöhnt und setzt man diese ab, kommt es zu einem plötzlichen Wasserverlust der Haut. Man spricht dann sogar oft von der sogenannten „Paraffinabhängigkeit“ der Haut.

Feuchtigkeitsfaktoren helfen
Eine gute und nachhaltige Pflege der trockenen Haut sollte immer den Aufbau einer intakten Hautbarriere unterstützen und Feuchtigkeitsfaktoren zuführen. Eine sinnvolle und logische Pflegestrategie ist daher die Zufuhr der für die Haut so
wichtigen Bausteine in Form von Hornschichtlipiden wie zum Beispiel Ceramiden, Liposomen und Gamma-Linolensäure. Darüber hinaus sollte eine gute Pflege immer auch Feuchtigkeitsfaktoren wie unter anderem Hyaluronsäure zur Verfügung stellen. Hat man die beschriebenen Zusammenhänge erst einmal erkannt, leuchtet es ein, warum eine normale, fettreiche Hautpflege oft keine Besserung des trockenen Hautzustands bringt, selbst wenn sie aus hochwertigen Naturölen besteht. Hautoberflächenfette, die den Ausscheidungen der Talgdrüsen entsprechen – sogenannte Talgdrüsenlipide – können eine gestörte Hautbarriere nicht wiederherstellen. Auch sind Fette wie Jojobaöl, die den Talgdrüsenlipiden entsprechen, nicht in der Lage, den Mangel an Hornschichtlipiden auszugleichen. Fette sind wie der sprichwörtliche Tropfen auf den heissen Stein – was trockene Haut braucht, sind Feuchtigkeitsbausteine. Ganz auf Fette verzichten kann man jedoch nicht. Denn bei vielen trockenen Hautzuständen fehlen neben Hornschichtlipiden auch Talgdrüsenlipide. Die  Kombination von beidem führt zur maximalen Verbesserung des Hautbildes.

Zucker kopiert Hautfunktion
Grenzen gibt es jedoch auch für die Zufuhr von Hautlipiden. Bei waschintensiven Körperzonen wie den Händen werden diese durch häufige Reinigungsmassnahmen immer wieder ausgeschwemmt. Ausserdem ist der Einsatz wertvoller hautidentischer Lipide bei grossflächiger Anwendung am ganzen Körper auf Dauer relativ kostspielig. Hilfe bieten neuartige Zuckerisomere, die sich an die Hautzellen anlagern und nicht ausgewaschen werden. Sie kopieren im Prinzip die Barrierefunktion der Haut. Schon nach einer Anwendung von etwas weniger als einem Monat reichern sich die Zuckerisomere in der Haut soweit an, dass sie einen schützenden, aber doch leicht durchlässigen Film in den oberen Hornschichtbereichen bilden. Dadurch schützen sie die Haut vor Irritanzien und beugen einem übermässigen Wasserverlust vor.

Stephanie Stegena, Beauty Line Consulting

Buchtipp der Redaktion
Die Haut und ihre Anhangsgebilde – In diesem Lehrbuch werden die Haut und ihre Anhangsgebilde (Haare, Nägel, Drüsen) anschaulich und klar dargestellt. Der erste allgemeine Teil behandelt die anatomischen und physiologischen Grundlagen der Haut. Der zweite Teil bietet einen Überblick über moderne dermatologische Pflegetätigkeiten.
Zahlreiche Skizzen und Abbildungen – grösstenteils in Farbe – illustrieren den Text.
210 Seiten, Softcover, vierfarbig bebildert.
CHF 75,90

Dieses Buch können Sie im BEAUTY FORUM Profi Shop bestellen unter Tel. 041 417 07 70 sowie im Internet unter www.beauty-profi-shop.ch

Leave a Comment