Apparative Hautanalyse

Apparative Hautanalyse

Effektive Behandlung dank gründlicher Diagnose
Die Haut von Kunden ohne gründliche Diagnose zu behandeln, birgt Risiken und Unsicherheiten. Ausserdem wird die Aussicht auf Erfolg beträchtlich geschmälert, der Nutzen der Anwendung bleibt oft enttäuschend. Deshalb ist auch für die Kosmetikerin eine umfassende Analyse unerlässlich.
Aus dem Griechischen übersetzt, bedeutet Diagnose „Beurteilung“. Der ebenfalls griechische Begriff Analyse bedeutet: Bestimmung, Untersuchung, Zergliederung. Der sich daraus ergebende Befund ist die Arbeitsgrundlage für die Kosmetikerin. Doch was ist für eine erfolgreiche und nutzbringende Hautanalyse wichtig? Sind die vielen kostspieligen Geräte notwendig, um eine professionelle Beurteilung durchzuführen? Oder ist es das geschulte Auge und die feinfühlige Hand der Kosmetikerin? Auf keinen Fall fehlen dürfen Erfahrung und kompetentes Wissen, um negative Hautveränderungen detektivisch aufzuspüren.
ph-Wert messen
Ein Beispiel aus der Praxis zeigt, wie wichtig der Einsatz spezieller Diagnosegeräte ist. Eine pubertierende Jugendliche mit unreiner, zur Akne neigender Haut beklagte sich, sie hätte schon alles Mögliche unternommen, aber ohne Erfolg. Laut ihrer Aussage, hätte sie eine sehr fettige Haut. Mit Videomikroskopie und dem Sebometer analysiert konnte im Kosmetikstudio keine Seborrhoea festgestellt werden. Die zweite Untersuchung mit dem pH-Meter brachte Aufschluss: An verschiedenen Stellen des Gesichtes gemessen, zeigte er pH-Werte zwischen 6,8 und 7 ,3. In diesem Milieu können Bakterien sie del n und zu entzündlichen Prozessen führen. Ohne diese diagnostischen Hilfsmittel hätte die junge Frau ihre Haut künftig wie eine seborrhoische Haut behandelt und weiterhin ausgetrocknet.
Seborrhoea sicca
Es ist zwischenzeitlich hinreichend bekannt, dass der Fettgehalt der Haut nicht allein durch Hinsehen ermittelt werden kann. Ob der Teint fettig glänzend oder matt und stumpf ist, sagt wenig über die verschiedenen Seborrhoeaformen wie sicca oder oleosa aus. Durch die Videomikroskopie ist deutlich sichtbar, ob Talg und Schweiss emulsionsfähig sind oder nicht. So kann man häufig feststellen, dass sich auch bei der Seborrhoea sicca ein starkes Spannungsgefühl einstellt. Der nicht emulsionsfähige Talg verbindet sich nicht mit dem Schweiss. Dadurch entsteht keine Sebumbildung und der nicht gebundene Schweiss wird auf der Haut verdunsten. Der durch die Seborrhoea übermässig produzierte Talg lagert sich verstärkt auf der Hautoberfläche ab und führt zu einem Spannungseffekt mit eventueller Schuppenbildung. Eine Behandlung mit Fett- oder Feuchtigkeitsprodukten ist nicht zweckmässig. Diese Haut muss mit antiseborrhoischen Wirkstoffen versorgt werden, um die übermässige Talgproduktion zu normalisieren.

Farbe bekennen
Wie es mit der Farbgebung der Haut aussieht, kann in der Regel schon durch blosses Betrachten geklärt werden. Eine Mischung aus Braun-, Ocker- und Rotanteil bestimmt die natürliche Hautfarbe. Nach der Listung von Fitzpatrick wird zwischen sechs Phototypen – vom keltischen bis zum afrikanischen Typ – unterschieden. Diese Klassifizierung kann für die Bestimmung von Lichtschutzfaktoren bei Sonnenschutzmitteln wichtig sein. Geräte, mit denen die Pigmentierung gemessen wird, zeigen ebenfalls die Zahl des Lichtschutzfaktors an, der geeignet ist, um einen Sonnenbrand zu verhindern. Gerätetechnisch lassen sich auch Helligkeit und Rötungsgrad der Haut ermitteln. Diese Werte sind nicht unwichtig bei der Farb- und Stilberatung in Richtung kalte und warme Farben. Selbst der simple Objektträger kann mittels Druck auf die Haut Auskunft über Nuancen und Teints geben. Scheint unter dem Druck des Objektträgers bei Teleangiektasien oder Couperose ein Rosé durch, so wird man dieses sicherheitshalber mit Camouflage abdecken, um einen ebenmässigen Teint zu erhalten. Zur Erkennung von Hautanomalien mittels Farbdiagnostik kann auch die Woodlampe nützlich sein.

Der Feuchtigkeitstest
Neben dem Schweiss aus den ekkrinen oder apokrinen Drüsen besitzt die Haut vielfältige Feuchtigkeitsanteile. Die bekannteste Feuchtigkeitstestung ist die des Turgors. Hierbei wird am Unteraugenlid der Bindegewebswasserhaushalt getestet. Der Flüssigkeitsdruck ist dabei mitentscheidend für die Elastizität der Haut. Eine weitere Analysemethode ist die Kapazitätsmessung mit dem Corneometer. Wie schon der Name aussagt, wird hier die Feuchtigkeit in der oberen Hautschicht, dem Stratum corneum, gemessen. Aber auch die Leitfähigkeitsmessung mit dem Ionto Skin-Check gibt Auskunft über die Feuchtigkeitsmenge in der Haut.

John Herfs – Nach Studium und Tätigkeit als Lehrer (Physik, Elektrokosmetik, apparative Kosmetik) an einer Fachschule für Kosmetik übernahm der Autor die Berufsfachschulen für Kosmetologie in Köln (1975) und in Bonn (1980). Herr Herfs ist Gründungsmitglied des ZDK und 1. Vorsitzender des BfR.

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