Wellness-Rituale für Männer

Wellness-Rituale für Männer

Männer werden von Jahr zu Jahr kosmetikaffiner. Doch wer seine Angebote im Institut erfolgreich an den Mann bringen will, muss umdenken. Denn was Männer und Frauen unter Wellness verstehen, ist meist nicht dasselbe.

Lange Jahre fristeten sie ein Schattendasein, doch mittlerweile liegen sie voll im Trend: Wellness-Programme speziell für „ihn“. Bei entsprechenden Anwendungen in der Hotelbranche beträgt der männliche Anteil sogar bereits mehr als ein Drittel, Tendenz steigend. Auch viele Day-Spas und Kosmetikinstitute verzeichnen immer mehr Männer unter ihren Wellness-Gästen. Hier gehen die Zahlen jedoch weit auseinander. Denn nur wer die Zielgruppe „Mann“ aktiv anspricht und ein passendes Angebotsportfolio bietet, wird in diesem Bereich erfolgreich arbeiten.

Männer mögen’s schnell
Um ausser den immer populärer werdenden Paaranwendungen auch gezielt Wellness-Rituale für Männer anzubieten, muss man zunächst deren Präferenzen und damit auch die Unterschiede zu Wellness-Angeboten für Frauen kennen und beachten.
§  Obwohl statistisch gesehen jeder dritte Mann zu Hause eigene Gesichtspflegeprodukte benutzt, ist das Interesse an klassischen Gesichtsbehandlungen nach wie vor relativ niedrig. Körpermassagen sind hingegen mit Abstand die beliebtesten Anwendungen beim starken Geschlecht.
§  Auch die bevorzugten Anwendungszeiten unterscheiden sich zwischen Männern und Frauen. Lieben es Frauen, stundenlang verwöhnt zu werden, so bevorzugen Männer in der Regel eher kürzere und besonders effektive Anwendungseinheiten ohne lange Wartezeiten, Einwirkphasen und Ruhepausen.
§  Ausserdem ist das Ambiente des Instituts für den Erfolg bei Männern entscheidend. Eine allzu weiblich anmutende Umgebung könnte hier eher abschrecken. Klar strukturierte Kabinen in harmonischen Farben haben dagegen eine einladende Wirkung.
§  Auch Öffnungszeiten, die Berufstätigen entgegenkommen, und die gute Erreichbarkeit des Instituts spielen für Männer eine wichtige Rolle. Dabei sind Parkplätze vor der Haustür ein besonderer Vorteil.

Wellness-Rituale für Männer sollten Kosmetikerinnen also unter Berücksichtigung der oben genannten Besonderheiten erstellt. Anwendungszeiten zwischen 45 und 90 Minuten sind dabei optimal.

Je nach Zeit und Ablauf bieten sich einstimmende Fusswaschungen, wohltuende Kopfmassagen, Rücken- oder Ganzkörpermassagen mit Ölen und ätherischen Aromen und Kräutereinreibungen an. Auch Meersalzpeelings für den Körper, Schlamm- und Aromapackungen, Vollbäder mit Kräutern, Wein oder Bier und kurze Gesichtsbehandlungen lassen sich gut in spezielle Arrangements für Männer integrieren. Dabei kann die Abfolge durchaus anders sein als bei klassischen Ritualen für Frauen. So würde sich beispielsweise zu Beginn eine Massage mit Öl anbieten, gefolgt von einem Peeling und einem Bad. Denn Männer mögen zwar Massagen, möchten aber in der Regel am Ende ihrer Anwendung nicht gern von oben bis unten „ölig“ dastehen.

Klare Ansagen machen
Wichtig ist auch, männlichen Kunden von Anfang an klar und verständlich zu erklären, was bei welcher Anwendung auf sie zukommt. Das vermeidet Missverständnisse. Gerade beim Thema, was während einer Anwendung ausgezogen, beziehungsweise angelassen werden soll, herrscht bei vielen Männern oft noch eine gewisse Verunsicherung. Hier können Hinweise im Abspann der Preisliste oder auf der Homepage sehr hilfreich sein. Oder man informiert den Gast bei der Terminvergabe oder spätestens bei der Ankunft darüber, dass s Bademäntel und spezielle Einwegslips vor Ort zur Verfügung stehen s und dass zur Wahrung der Intimsphäre der Körper während eines Wellness-Rituals immer sorgfältig abgedeckt wird. Sind diese Dinge im Vorfeld geklärt, ist die Chance sehr viel geringer, dass während einer Anwendung unangenehme Situationen entstehen oder es zu Missverständnissen kommt.

Selbstbewusst auftreten
Dennoch sind vor allem weibliche Anwender oft etwas ängstlich oder unsicher, Körperrituale bei Männern durchzuführen. Daher ist es gerade hier wichtig, selbstbewusst und mit einer klaren Körpersprache aufzutreten, um keine Unsicherheit aufkommen zu lassen. Dazu gehört natürlich Übung und ein eindeutiges Wissen darüber, wie bestimmte Anwendungen durchzuführen sind. So werden beispielsweise Körpermassagen und Körperpeelings in der Regel mit einem gewissen Druck ausgeübt, um nicht zu „streichelnd“ zu wirken. Die oberen Innenschenkel werden ausgelassen oder nur kurz behandelt. Der Intimbereich und das Gesäss sind – trotz Einwegslip – stets zusätzlich mit einem Handtuch zu bedecken, das beim Wenden des Gastes als Blickschutz hochgehalten wird. Übrigens: An besonders tiefgreifende und intime Massage-Rituale, wie etwa die Lomi-Lomi, wagen sich ausschliesslich sehr erfahrene Anwenderinnen und dies auch nur dann, wenn ihnen der männliche Gast bereits bekannt ist.

Tipp: Falls es bei der Behandlung wider Erwarten doch einmal zu einem peinlichen Moment kommt, hat es sich bewährt, den Kunden mit fester Stimme unmissverständlich zu bitten, sich sofort auf den Bauch zu drehen. Einige entschlossene Massagegriffe im Nacken und Rückenbereich normalisieren die Situation dann meist sehr schnell. Man sollte jedoch immer bedenken, dass dies absolute Einzelfälle sind und die männlichen Gäste in der Regel angenehme und dankbare Kunden sind, sobald man sie von der Wirksamkeit und Wohltat von Wellness-Ritualen überzeugt hat.

Männer sprechen eine andere Sprache
Auch die richtige Art der Kommunikation nimmt bei Männer-Wellness einen wichtigen Part ein. Viele Anwender(innen) sind es durch ihre überwiegend weiblichen Gäste gewohnt, von Fältchen oder samtiger Haut zu reden. Dies ist jedoch keine maskuline Ansprache und verhindert ein wirkliches Wohlfühlen männlicher Gäste. Auch Arrangementnamen wie „Schönheitstag für den Herrn“ oder „Kuschelbehandlung für ihn“ sind zwar gut gemeint, verfehlen aber leider meist ihre Wirkung. Eine „Aroma Vital-Massage“, ein „Anti-Stress-Programm“ oder eine „Auszeit für Männer“ kommen da schon besser an.

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Sylvia Glückert – Mit ihrem Unternehmen WellConsult (www.well-consult.de)
berät die Autorin Hotels, Day-Spas und Kosmetikinstitute in den Bereichen Konzeption, Bewirtschaftung und Marketing. Sie ist vom Deutschen Wellness Verband als „Autorisierter Wellness-Consultant (DWV)“ zertifiziert.

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