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CO2-Trockenbadbehandlungen
Noch sind Behandlungen mit Kohlendioxid (CO2) im Institut eher eine Seltenheit. Dabei können sie die Wirkung von herkömmlichen Anti-Cellulite-Behandlungen ideal unterstützen. Doch was ist CO2überhaupt? Und welchen Beitrag leistet es im Kampf gegen Cellulite? Hier erfahren Sie alles über CO2-Trockenbadbehandlungen.
Wussten Sie, dass es eine Anti-Cellulite-Behandlung gibt, die schon seit vielen Jahren klinisch erforscht ist und dabei ausschliesslich mit grundlegenden physiologischen Stoffwechselvorgängen arbeitet? Die Rede ist von Kohlendioxid- Behandlungen. Trockenbäder mit CO2-Gasen (Kohlensäure) verbessern nachweislich die Hautdurchblutung, steigern den Sauerstoffpartialdruck und normalisieren den Blutdruck. Ausserdem kann CO2als liposolventes (fettlösendes) Gas dabei helfen, Cellulite zu reduzieren. Dass es sich bei dieser Behandlung aber nicht nur um eine Modeerscheinung handelt, wird schnell klar, wenn man sich mit der Geschichte der CO2-Behandlungen beschäftigt.
Historie der CO2-Bäder
Laut Aufzeichnungen in den naturwissenschaftlichen Werken des römischen Historikers Plinius (ca. 23 n. Chr. bis 79 n. Chr.) war schon bei den Römern die wohltuende und durchblutungsfördernde Wirkung des Gases bekannt, das aus vulkanischen Quellen austrat. In amphitheatrisch gebauten Becken, den sogenannten Mofetten, wurden Patienten mit dem Gas behandelt, das damals auch wegen seines positiven Einflusses auf die Psyche geschätzt wurde. Auch der Arzt und Alchemist Paracelsus, der die Mineralquellen von St. Moritz um 1535 besuchte, wusste um die heilende Wirkung des „spiritus sylvestris“ (wilder Geist). Unter anderem verwendete er das Heilgas für die Behandlung von Brandverletzungen und Frauenkrankheiten. Internationale Aufmerksamkeit erlangten schliesslich die Studien von Prof. Dr. med. B. Hartmann aus Freiburg, der zeitlebens internationale CO2 Balneotherapie-Konferenzen initiierte. Er fand heraus, dass CO2-Bäder gleichzusetzen sind mit Sporttherapien. Der Hintergrund: Beide regen die Hautdurchblutung an und bewirken, dass sich mehr Sauerstoff im Gewebe anreichert. (Quelle: B. Hartmann, M. Pittler and B. Drews, CO2Balneotherapy for Arterial Occlusion Diseases).
Die Aufzählung von Studien und Belegen über die Wirksamkeit der CO2-Bäder liesse sich beliebig fortsetzen, da von Russland bis Frankreich in den letzten Jahrzehnten viele Studien zu den verschiedensten Wirkungsbereichen unternommen wurden. Fazit: CO2-Anwendungen haben in Europa eine lange Tradition und konnten schon vielen Menschen zu mehr Lebensqualität verhelfen.
Einsatz von CO2-Bädern
Vor allem in den Gebieten der natürlichen Heilgasquellen gehören sowohl Wannenbäder mit Kohlensäure als auch CO2-Gasbäder zu den Standard Behandlungen. Zu finden sind diese vor allem in den Kurbädern der Tschechei, Sloweniens und Ungarns, in den Thermen von Royat in Frankreich sowie in Kurkliniken in Österreich und Deutschland. Auch in Italien und der Türkei sind mittlerweile Anwender zu finden. Die Rehaklinik Bad Waldsee zum Beispiel bewirbt die CO2-Trockenbadbehandlung mit folgenden Indikationen: „Das CO2-Trockenbad eignet sich bei Durchblutungsstörungen der unteren Gliedmassen, schlecht verheilenden Hautdefekten, chronisch kalten Gliedmassen, Potenzstörungen und Sterilität, Angina Pectoris und Zuständen nach Infarkten, Kreislaufschwächen, leichter Hypertension, Komplikationen durch Diabetes und bei Arteriosklerose.“ Auch das Kurhotel Weber in Bad Schönau hat nach eigenen Aussagen die Erfahrung gemacht, dass seine Gäste längere Zeit von CO2-Kuranwendungen profitieren. Der positive Effekt halte etwa ein halbes bis dreiviertel Jahr an, was dazu führe, dass die Kurgäste jedes Jahr wiederkämen. Wenn man sich nun die Frage stellt, warum CO2 Anwendungen so effizient sind, sollte man einen kleinen Exkurs in die Anatomie machen. Unser Leben hängt grundsätzlich von der Atmung ab. Sei es die äussere Atmung, bei der Sauerstoff eingeatmet und Kohlendioxid ausgeatmet wird, als auch die innere Atmung, bei der genau der entgegengesetzte Prozess abläuft. Unser Organismus braucht also sowohl Sauerstoff als auch CO2, damit die Zellatmung überhaupt funktioniert. Dabei ist vor allem folgende Wirkungsweise wichtig: Hämoglobin wird zur Abgabe von Sauerstoff angeregt, wenn die Kohlenstoffdioxidkonzentration steigt. Das hat der dänische Physiologe Christian Bohr 1904 herausgefunden. Der sogenannte „Bohr-Effekt“ ist demnach der Schlüssel zur Wirksamkeit von CO2-Behandlungen. Um mehr Sauerstoff in unterversorgtes Gewebe – zum Beispiel die Cellulite-Bereiche – zu bringen, muss daher der CO2– Partialdruck erhöht werden. Die lypolytische (fettlösende) Wirkung von CO2 wurde in einer Studie von Prof. Brandi (Siena, Italien) über Unterspritzung von CO2-Gas in adipöses Gewebe belegt. Prof. Brandi konnte belegen, dass die Behandlung mit CO2-Gas sowohl die Reduktion von adipösen Körperregionen als auch die neue diffuse Verteilung von Bindegewebsfasern anregt. In seiner Studie konnte er belegen, dass durch CO2-Unterspritzungen eine durchschnittliche Umfangverringerung am Bauch von drei Zentimetern erreicht wurde – und das ohne zusätzliche Diäten oder Bewegung.
CO2-Bäder im Institut
Damit die Wirkung von CO2-Anwendungen auch im Kosmetikinstitut genutzt werden kann, muss gewährleistet sein, dass die Kosmetikerin das CO2-Gas in einer nicht invasiven Anwendung benutzen kann. Die Wissenschaft hat herausgefunden, dass CO2-Gas von der Haut in Nass- und Trockenbädern absorbiert wird. Der Schweizer Professor Dr. Stephan Hediger (Zürich) hatte dies 1923 in einer wissenschaftlichen Veröffentlichung bestätigt. Die Menge des absorbierten CO2ist dabei abhängig von der persönlichen Hautbeschaffenheit und liegt durchschnittlich bei 2 bis 4 Liter pro Behandlung. Die Kosmetikerin hat dabei die Möglichkeit, mit Ganzkörperpeelings oder anderen Anwendungen die Aufnahmebereitschaft der Haut effizient zu beeinflussen. Mittlerweile haben mehrere Anbieter Geräte entwickelt, die ein CO2 Trockenbad problemlos in Kosmetik- und Wellnessstudios ermöglichen. Achtung: Eine gute Schulung und Gefahrenaufklärung in Bezug auf den Umgang mit CO2sind absolute Grundvorausetzungen. Kontraindikationen sind unbedingt zu beachten, da in der Kosmetik grundsätzlich nur mit gesunden Menschen gearbeitet wird.
Der Ablauf
Während einer CO2-Trockenbad-Behandlung liegen die Kunden in einer Behandlungshülle aus Kunststoff, die im Brustbereich oder am Hals luftdicht abgeschlossen wird. Danach wird reines CO2in die Behandlungshülle gefüllt, in dem die Kunden etwa 45 Minuten bei entspannender Musik ruhen. Was auf den ersten Blick befremdlich erscheinen könnte, wird häufig schnell und gerne in Kauf genommen, sobald der wohltuende Effekt einsetzt. Oft ist dies ein Wärmegefühl, das die Kunden schnell in eine Tiefenentspannung versetzt.
Die Wirkung
Nach der Behandlung fühlt sich die Haut zart und weich an wie bei einem Peeling. Der Effekt auf die Haut ist nach jeder Anwendung spürbar und bei den meisten Kunden durch eine leichte Rötung sichtbar. Besonders auffällig ist auch, dass Narbengewebe gut durchblutet wird. Daher ist die Anwendung auch nach Operationen sehr beliebt – allerdings immer nach Absprache mit dem behandelnden Arzt. Weiterhin wird sowohl der Lymphfluss angeregt und durch die erhöhte Stoffwechseltätigkeit eine effiziente Entschlackung induziert. Wie oben schon erwähnt, wird auch das Bindegewebe nachweislich gefestigt und der Fettabbau – gerade an den Problemzonen – angeregt.
Viele Möglichkeiten
Für die Kosmetikerin ergibt sich mit dem CO2-Trockenbad ein breites Spektrum an interessanten Anwendungsmöglichkeiten:
· Das CO2-Trockenbad kann die Kosmetikerin problemlos in eine
Gesichtsbehandlung integrieren
· Die Anwendung kann als Zusatzangebot in einem Nebenraum
installiert werden
· Bestehende Anti-Cellulite-Programme können effektiver gestaltet
werden. Zum Beispiel ist gerade nach einer Kavitationsanwendung
oder einer Mesodermabration das CO2-Trockenbad empfehlenswert zur Entschlackung
· Bei bestehenden Krampfadern eignet sich das CO2-Trockenbad optimal, da es die Venen stärkt und die Blutfluidität günstig beeinflusst
· Jährliche Kuranwendungen sind sinnvoll, da die Haut vielen Umweltbelastungen ausgesetzt ist und eine Kur zu einer langfristigen Kundenbindung führt.
Positiver Effekt auf Psyche
Die Anzahl der Behandlungen ist einerseits abhängig vom Behandlungsziel und andererseits vom Grad der Cellulite. Interessant ist bei einer Kuranwendung häufig der zu beobachtende positive Effekt auf die Psyche. Dieser bestärkt die abnehmwillige Kundin auch im Alltag darin, die von der Kosmetikerin empfohlenen Massnahmen (z.B. mehr Sport, gesündere Ernährung) besser umzusetzen. Sowohl für die Arbeit der Kosmetikerin als auch für die Kundinnen ist das CO2-Trockenbad somit eine effektive und sichere Anwendung, die es nun für den Beauty-Bereich zu entdecken gilt.
Christiane Alfes – ist Coach und Kosmetikerin. Sie entwickelt Seminare für lebendiges Lernen, führt ein kleines Studio für Kosmetik/Figurforming und Coaching in Otelfingen, CH, und ist für die Firma Physiotronic aus Kieselbronn tätig.