Das Geheimnis der Jojobapflanze

Das Geheimnis der Jojobapflanze

Kleines Multi-Talent

In äusserst unwirtlichen Regionen beheimatet, sorgt die Jojobapflanze mit ihrer einzigartigen Überlebensstrategie dafür, dass Wüsten nicht austrocknen oder gar zu Sandwüsten verkommen. Diese und weitere hervorragenden Eigenschaften machen sich Forscher zunutze und setzen Jojoba bei hochwertigen Feuchtigkeitsprodukten ein.

Wie die Extrakte der Aloe-vera- Pflanze ist Jojobaöl ein häufig eingesetzter, wertvoller Rohstoff in kosmetischen Produkten. Erstaunlich daran ist, dass erst in den Vierzigerjahren des 20. Jahrhunderts der professionelle Anbau dieser Pflanze begann. Denn wie bei vielen anderen heute aktuellen pflanzlichen Rohstoffen beginnt auch bei der Jojobapflanze die Entstehungsgeschichte vor Millionen von Jahren. Dabei ist es dieser Pflanze gelungen, sich so der Natur anzupassen, dass sie in äusserst unwirtlichen Regionen zuhause ist. Ihre ursprüngliche Heimat ist die Sonora-Wüste zwischen Mexiko und den USA, mit 320.000 Quadratkilometern eine der grössten Wüstenregionen der Welt.

Robust und stark
Die Jojobapflanze ist eine stark verzweigte Strauchpflanze, die immergrün ist. Sie wird zwischen 0,5 und 4 Meter hoch und kann bis zu 200 Jahre alt werden. Die Wurzeln sind als Pfahlwurzeln ausgeprägt und können bis zu 6 Meter in den Boden eindringen. Das ist der Grund dafür, dass sie auch in der Wüste noch an Wasser gelangen kann. Es gibt männliche Pflanzen mit gelben, auffälligen Blüten sowie weibliche Pflanzen mit eher unscheinbaren, weissen Blüten. Nach der Bestäubung durch Insekten oder den Wind entstehen Kapselfrüchte, die drei bis sechs Monate nach der Befruchtung gereift sind und sich öffnen. Darin enthalten sind olivenförmige, runzelige Samen, die das wertvolle Öl bzw. Wachs enthalten. In den letzten Jahren rückte die Jojobapflanze noch in einem anderen Zusammenhang in die Schlagzeilen. In den arabischen Ländern wurde erfolgreich mit das umweltfreundliche und schwefelfreie Jojobaöl hervorragend als Dieseltreibstoff-Ersatz geeignet ist.

Öl oder Wachs?
Anfang des 20. Jahrhunderts untersuchten Wissenschaftler die Zusammensetzung des Jojobaöls und fanden heraus, dass die Pflanze nicht nur in einer aussergewöhnlichen Umgebung wächst, sondern auch eine einzigartige Zusammensetzung hat. In Wirklichkeit handelt es sich beim Jojobaöl nämlich nicht um ein pflanzliches Öl, sondern um ein flüssiges Wachs. Die Jojobapflanze ist die einzige Pflanze, deren „Öl“ nicht aus Triglyceriden, sondern aus Alkoholfetten und fetten Säuren besteht und dadurch in Wirklichkeit ein Wachs ist. Die Zusammensetzung ist dem des Walrats, eines Wachses, das aus Pottwalen gewonnen wurde, ähnlich. Da die Gewinnung des Walrats aus Tierschutzgründen zurückgegangen ist, wurde der Einsatz von Jojoba zunehmend interessanter, insbesondere da man feststellte, dass das Jojobaöl dem Walrat sogar in seinen Pflegeeigenschaften für die Haut überlegen war. Denn die Zusammensetzung des Jojobaöls hat noch einen weiteren entscheidenden Vorteil: Die flüssigen Wachsester sind denen, die auf unserer Haut vorhanden sind, sehr ähnlich. Jojoba und das Hautsebum sind vollständig mischbar. Sie formen zusammen einen nichtfettigen Film mit der einzigartigen Eigenschaft, den sogenannten transepidermalen Wasserverlust zu kontrollieren. Das bedeutet, dass die natürliche Hautfeuchtigkeit in der Haut bleibt und damit der trockenen Haut vorbeugt. Weitere Inhaltsstoffe des hochwertigen Wachses sind Tocopherole (Vitamin E), Provitamin A und weitere Antioxidanzien wie Proanthocyanidine und freie Sterole.

Intensiv pflegend
Der Haupteinsatz von Jojoba erfolgt jedoch in kosmetischen Mitteln. Mit einem Gehalt von ca. 50% des hochwertigen Jojobawachses in der Pflanze ist die Ernte sehr ergiebig. Durch seine aussergewöhnliche Fettsäurezusammensetzung pflegt es die Haut intensiv, ohne dass ein schmieriger Fettfilm auf der Haut zurückbleibt. Durch seine entzündungshemmenden und hautberuhigenden Eigenschaften ist es auch für empfindliche Haut sehr gut geeignet. Ebenfalls hat es sich als Basisöl bei der Anwendung bei Ekzemen und bei Psoriasis bewährt. Die Elastizität der Haut wird durch den Einsatz von Jojobaöl gestärkt und lang anhaltend vor Feuchtig keitsverlust geschützt, indem ein at mungsakti ver Schutzfilm auf der Haut verbleibt. Die Haut fühlt sich angenehm gepflegt an, ohne dass ein fettiges Gefühl entsteht.Reines Jojobaöl verfügt darüber hinaus über einen natürlichen Lichtschutzfaktor von knapp 4. Ausserdem hilft es, die Sommerbräune lang anhaltend zu bewahren und eignet sich daher hervorragend für After-Sun-Formulierungen.

Besondere Eigenschaften
Durch seine besonderen Eigenschaften findet sich Jojobaöl auch häufig in Augenpflegeprodukten. Der Grund dafür ist, dass es ein sogenanntes „langsam spreitendes“ Öl ist. Das bedeutet, dass es sich beim Auftragen auf die Haut nur sehr langsam verteilt bzw. „kriecht“. Jojoba hat nahezu keinen Eigengeruch und wird auch nicht ranzig. Diese Eigenschaft würde es zum idealen Massageöl machen, da Laken und Tücher nicht so schnell einen ranzigen Geruch annehmen können. Beim Einsatz üblicher pflanzlicher Öle kann das ansonsten leicht passieren, vor allem wenn bis zur nächsten Wäsche mehrere Tage die Laken gesammelt werden. Der Nachteil von Jojoba als Massageöl ist jedoch das langsame Spreiten des Öls. Gerade bei Massagen wird ein schnelles Spreiten benötigt, damit eine flüssige Massage möglich ist. Hier hilft die Beimischung einer kleinen Menge anderer pflanzlicher Öle.

Schon gewusst?
Neben den Inhaltsstoffen deuten sogar der Name Jojoba und die lateinische Bezeichnung der Pflanze (Simmondsia chinensis) auf ihre Eigenheiten hin. Korrekt wird Jojoba nämlich „Ho-Ho-Ba“ ausgesprochen und auch der zweite Teil „chinensis“ der lateinischen Bezeichnung ist eigentlich irreführend. Denn in China ist die Pflanze überhaupt nicht heimisch. Die Bezeichnung soll dadurch entstanden sein, dass bei der Erstbestimmung ein Botaniker irrtümlich die Probe mit Pflanzen aus China verwechselte und deswegen die Artbezeichnung „chinensis“ vergeben wurde.

Jürgen Singer – Der Autor ist Geschäftsführer und Leiter der Forschung und Entwicklung von Neovita Cosmetics. Sein Fachgebiet sind Wirkstoffe insbesondere auch natürlichen Ursprungs. Das Unternehmen ist seit fast 45 Jahren Vorreiter für gesundheits- und umweltbewusste Haut- und Haarpflegeprodukte. 

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