Chancen der Intensivpflege

Chancen der Intensivpflege

Sofort sichtbar?

Wirkungsvolle Behandlungen mit schnell sichtbaren Ergebnissen stehen ganz oben auf der Beliebtheitsskala der Kunden. Um diesen Wunsch zu erfüllen und die Effekte auch mittelfristig zu halten, sind gute Kenntnisse über die eingesetzten Wirkstoffe, ihre Eigenschaften und Anwendungsmöglichkeiten notwendig.

Neben dem „Wellness- und Wohlfühlfaktor“ ist der Wunsch nach sofort sichtbaren Behandlungsergebnissen im Institut besonders hoch. Dabei dürfen aber nur Produkte und Methoden zum Einsatz kommen, die den strengen Auflagen der Kosmetikverordnung gerecht werden. Die gesetzlichen Anforderungen an kosmetische Produkte lassen sich einfach zusammenfassen: „Sie müssen sicher und harmlos sein.“
Um dieser gesetzlichen Anforderung auch Genüge zu tun, wird der seriöse Hersteller stets darauf bedacht sein, folgende Anforderungen zu erfüllen:
·         Alle eingesetzten Rohstoffe müssen hinsichtlich der vorgesehenen Anwendung als toxikologisch absolut sicher eingestuft sein.
·         Die Mischung der Rohstoffe ist ebenfalls von einem Toxikologen zu bewerten.
·         Das fertige Produkt muss in einem Epicutan-Patchtest seine Verträglichkeit unter Beweis stellen.
·         Die Haltbarkeit gegenüber mikrobiologischem Verderb muss in einem Konservierungsbelastungstest bewiesen werden.
·         Soll das Produkt in der Europäischen Union vertrieben werden, muss es abschliessend inklusive der Rezeptur beim Meldeportal für Kosmetische Produkte (Cosmetic Products Notification Portal, CPNP) gemeldet werden.

Chance für die professionelle Kosmetik
Diese Anforderungen schränken zwar den Einsatz bestimmter Rohstoffe mit nachgewiesener Aktivität ein, aber zum anderen stellen sie eine Chance für die professionelle Dienstleistungskosmetik dar. Nur hier besteht die Möglichkeit, die Anwendung von Methoden und Rohstoffen an eine vorhergehende gründliche Hautdiagnose zu knüpfen. Bei Produkten, die ausschliesslich im Fachhandel vertrieben werden, kann der Entwickler voraussetzen, dass seine Kosmetika nur hautzustandsgerecht eingesetzt werden und die Reaktion der Haut permanent überwacht wird. Somit lässt sich gerade im Bereich der Intensivpflege die Anwendung von Produkten und Methoden vertreten, die eine sogenannte Dosis-Wirkungs Beziehung aufweisen und die eine echte biologische Aktivität entfalten. Dabei darf man allerdings nicht Erwartungen wecken, die eine kosmetische Behandlung nicht erfüllen kann. Sofort sichtbare Behandlungsergebnisse können nur unter bestimmten Voraussetzungen und mit speziellen Methoden erzielt werden (siehe Kasten). Diese zum Teil nur kurzfristigen Effekte sollten aber immer mit langfristig angelegten Strategien einhergehen, die den jeweiligen Ursachen entgegenwirken. Da es sich aber immer noch um Kosmetika handelt, die gern auch als „Wirkstoffkosmetik“ oder auch „Cosmeceutical“ bezeichnet werden, dürfen bestimmte Aktivitätsgrenzen nicht überschritten werden. Vielmehr muss sichergestellt werden, dass eine bestimmte biologisch wirksame Konzentration im Gewebe aufrechterhalten werden kann, ohne dass dabei das Mass überschritten wird, bei dem Probleme auftauchen können.

Wirkung verstärken
In den vergangenen Jahren haben zahlreiche Peptide und spezifische Naturextrakte an Bedeutung gewonnen, deren Wirksamkeit durch eine Intensivbehandlung im Institut gesteigert werden kann. Dafür stehen folgende Möglichkeiten zur Verfügung: Barrierefunktion der Epidermis reduzieren: Hierfür geeignet sind verschiedene apparative und präparative Methoden, z.B. Mikrodermabrasion, mechanische, chemische oder biologische Peelings. Penetration der Wirkstoffe erhöhen: Hier bieten sich beispielsweise Konzentrate und der Einsatz von einschleusenden apparativen Methoden wie Ultraschall oder Mesoporation an. Man kann auch den Okklusionseffekt von Masken ausnutzen. Erhöhung der Wirkstoffaufnahme hydrophiler Aktivstoffe:
Dies erreicht man durch eine kurzfristig verstärkte Hydratation der Epidermis oder durch die Kombination von Lösungsvermittlern. Verbesserung der Verstoffwechselung: Mithilfe von
Radiofrequenz, Lymphdrainage oder Vakuummassage kann man die Mikrozirkulation in der Haut erhöhen. Auch diverse präparative Ansätze wie beispielsweise Modellagen lassen sich dafür einsetzen. Einbringung von Wirkstoffdepots: Diese setzen erst nach und nach ihre Wirkstoffe frei, was die biologische Konzentration in der Haut auf einem sicheren, aber wirksamen Level halten kann. Hier sind sogenannte Carriersysteme, Micro-Sponges und Pflanzenzellen als Beispiele zu nennen.

Zu viel des Guten?
In der Praxis zeigt sich jedoch immer wieder, dass die Kombination all dieser Möglichkeiten tatsächlich zu viel für die Haut war und es zu unerwünschten Reaktionen kommt. Deshalb ist es gerade bei Intensivbehandlungen wichtig, darauf zu achten, dass man sich gut geschult innerhalb der Sicherheitsschranken bewegt.
Eine Intensivbehandlung in der Kosmetikkabine stellt die Einleitung einer „Umstimmungsbehandlung“ dar, die nur mit einer konsequenten Heimpflege mittel – fristig die Ergebnisse sichern kann. Unter diesem Zeitraum versteht man etwa zwei bis drei Zellteilungszyklen. Im Alter steigen diese in ihrer Dauer von 28 Tagen durchaus auf mehr als das Doppelte an. So kann es beispielsweise bei anspruchsvoller Haut durchaus ein halbes Jahr konsequenter Pflege benötigen, bis sich nachhaltige Verbesserungen einstellen. Deshalb stellt der sofort sichtbare Erfolg einer Intensivbehandlung für die Kundin einen besonders motivierenden Erfolgsfaktor bei der langfristigen Gesunderhaltung der Haut dar. Kontraproduktiv sind Versprechungen wie etwa: „Falten-weg-Garantie innerhalb von 24 Stunden“, da hier am Ende nur Frustration auf beiden Seiten entsteht und so dem Berufsbild der professionellen Kosmetik geschadet wird.

Sichtbare Ergebnisse

Hautbild                     Methode

Fahle Haut                  Verbesserung des Reflexionsbildes durch Peelingmethoden und Pigmente
Falten                         Reduzierung durch Peelingeffekte und Hydratisierung der Epidermis,                              Adstringens
Rötungen                    Verminderung der Durchblutung, Einsatz von Rezeptorenblockern, Pigmente
Unreine, ölige Haut    Sehr gut identifizierte Aktivstoffe normalisieren gezielt die  Keimflora,                               reduzieren die Sebumproduktion, halten Follikel ausgänge offen und                               unterstützen natürliche Heilprozesse

Dr. Christian Rimpler | leitet als geschäftsführender Gesellschafter die Dr. Rimpler GmbH. Der Chemiker und Pharmakologe leitet den Verband Professional Cosmetic als Vorsitzender.

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