Reibeisenhaut

Rau wie Sandpapier
Etwa die Hälfte aller Menschen in Mitteleuropa ist von ihr betroffen – der Reibeisenhaut. Vor allem Mädchen bleiben von den unzähligen kleinen roten Punkten an Oberarmen und Oberschenkeln nicht verschont. Hier erfahren Sie, woher die raue Haut rührt und was dagegen hilft.
Wenn es im Sommer an den Strand oder ins Schwimmbad geht, beim Sport Shorts und TShirts angesagt sind, ärgern sich viele über zahlreiche dicht stehende rote Pickelchen an den Armen, den Beinen oder auf dem Rücken. Menschen, die unter „Reibeisenhaut“ leiden, fällt es schwer, Haut zu zeigen, denn statt streichelzarter, samtweicher Haut sind Arme und Beine rau wie Sandpapier. Obwohl es sich aus medizinischer Sicht nicht um eine körperlich schwerwiegende Erkrankung, sondern lediglich um eine kosmetische Beeinträchtigung handelt, kann die Verhornungsstörung die Lebensqualität der Betroffenen deutlich reduzieren.
„Reibeisenhaut“ ist die umgangssprachliche Bezeichnung, unter der verschiedene, meist erblich bedingte Verhornungsstörungen der Haut zusammengefasst werden. Erkrankungen aus der Keratosispilaris-Gruppe zählen ebenso dazu wie der seltenere Morbus Darier. Ausserdem findet man die Bildung von Hornpfröpfen auch als Begleiterscheinung anderer Erkrankungen, die zu trockener Haut führen, wie etwa Ichthyose (Fischschuppenkrankheit), Neurodermitis und Asthma oder Allergien.
Keratosis pilaris
Die Keratosis pilaris (Keratosis follicularis) ist eine Verhornungsstörung der Haarfollikel. Typisch sind kleine rote, punktförmige, etwa stecknadelkopfgrosse Hornkegel vor allem an den Streckseiten der Oberarme und Oberschenkel, zuweilen aber auch am Gesäss und im Gesicht. Sie können sich entzünden und es entsteht dann der Eindruck, als wäre der ganze Arm oder Oberschenkel voller Pickel.
Das Reibeisengefühl beim Darüberstreichen wird von kegelförmigen Hornhautknötchen verursacht, die die Haarfollikel umgeben. Typischerweise lassen sich die rauen Knötchen leicht abkratzen. Die Anlage zur Reibeisenhaut wird vererbt, deshalb findet man bei einem oder auch beiden Elternteilen oft ähnliche Hautveränderungen. Die Keratosis pilaris ist so häufig, dass man sie fast als normalen Zustand bezeichnen kann, denn etwa die Hälfte aller Menschen in Mitteleuropa ist davon betroffen. Meist lässt sich die Keratosis pilaris schon in der Kindheit feststellen. Vor allem in der Pubertät kann sich das Hautbild deutlich verschlechtern, was die Jugendlichen gelegentlich psychisch belastet. Bei Mädchen und jungen Frauen ist die Reibeisenhaut am stärksten ausgeprägt. Ein schwacher Trost: Die Zeit heilt sprichwörtlich alle Wunden – im Erwachsenenalter bilden sich die Hautveränderungen allmählich wieder zurück. Auch in den Sommermonaten bessert sich die Reibeisenhaut oft, während die trockene Luft im Winter den Zustand meist wieder verschlechtert.
Regelmässig eincremen
Was kann man dagegen tun? Es gibt derzeit leider keine Therapie, die die Reibeisenhaut dauerhaft glätten kann. Wichtig ist eine regelmässige und sorgsame Pflege. Meist lassen sich recht gute Erfolge erzielen, wenn man die betroffenen Stellen täglich mit keratolytischen (hornhautauflösenden) Cremes pflegt. Da sich die Hornpfröpfe gut abkratzen lassen, lässt sich mit einem Peeling die Pflege unterstützen. Hier kommen sowohl Peelings mit Schleifpartikeln als auch solche mit Frucht- oder Milchsäure infrage. Ein anfängliches Bad mit Totes-Meer-Salz weicht die Hornkegel auf. Anschliessend braucht die Haut Feuchtigkeit und Fett.
Ideal sind Salben mit hornhautlösenden Zusätzen. Am unproblematischsten ist der Wirkstoff Harnstoff (Urea); dieser sollte in 10%iger Konzentration enthalten sein. Die betroffenen Hautstellen lassen sich auch mit salicylsäure- oder benzoylperoxidhaltiger Salbe behandeln. Hier ist allerdings zu bedenken, dass man Salicylsäure nicht grossflächig auf den Körper aufbringen, sondern nur stellenweise, beispielsweise an den Oberarmstreckseiten, verwenden sollte. Benzoylperoxid löst ebenfalls Verhornungen, verfärbt aber die Wäsche, weshalb man es am Körper nur begrenzt anwenden kann. Für eine besonders intensive Therapie reibt man die betroffenen Stellen mit einer wirkstoffhaltigen Salbe ein und bedeckt sie dann über Nacht mit einer Frischhaltefolie. Wirkstoffe und Feuchtigkeit ziehen so optimal in die Haut ein, die Hornpfröpfe weichen besonders effektiv auf. Weiterer Vorteil: Das Bett bleibt von Fettflecken verschont.
Sonderformen
In sehr seltenen Fällen tritt eine Entzündung auf und die von der Keratosis pilaris betroffenen Haarfollikel werden irreversibel zerstört.
Beim Ulerythema ophryogenes sind Hornpfröpfe und Rötungen an den seitlichen Augenbrauen zu finden, die dort zum Verlust der Haare führen.
Bei der Keratosis pilaris decalvans ist der behaarte Kopf betroffen. Auch hier werden die Haarfollikel zerstört. Eine wirkungsvolle Therapie ist nicht bekannt. Einzelne Erfolge wurden mit der Gabe von Retinoiden (Vitamin-A-Abkömmlingen) erzielt.
Morbus Darier: Hierbei handelt es sich ebenfalls um eine relativ häufige, erblich bedingte Verhornungsstörung. Die Ausprägung kann zwischen sehr schwach und stark beeinträchtigend schwanken. Typisch sind hautfarbene oder rotbraune, harte, verhornte Papeln vor allem an den sogenannten seborrhoischen Arealen, also im Gesicht, an der Brust und am oberen Rücken. Die Haut fühlt sich beim Darüberstreichen ebenfalls rau an. Im Gegensatz zur Keratosis pilaris berichten die Betroffenen aber, dass sich der Haut – zustand im Sommer – bedingt durch Schwitzen und UV-Licht – deutlich verschlechtere.
Was kann man dagegen tun? Die Behandlung des Morbus Darier ähnelt der der Keratosis pilaris. Wirksam sind auch hier Pflegeprodukte mit hornhautauflösenden Inhaltsstoffen. Da die Haut auch zu Infektionen neigt, müssen gelegentlich desinfizierende oder antibiotische Präparate eingesetzt werden.
Prof. Dr. Michaela Axt-Gadermann | Die erfahrene Hautfachärztin und Autorin mehrerer Bücher hat sich spezialisiert auf dermatolo – gische Kosmetik, Lasermedizin, natürliche Heilverfahren, Akupunktur und Anti-Aging-Medizin.