Erbgut, alles gut?

Foto: Connect world/Shutterstock.com
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„Das sind halt die Gene“ – ein Satz, den wir alle schon gehört oder sogar selbst gesagt haben. Nicht immer zu Recht, wie neue Erkenntnisse der jungen Forschungsrichtung Epigenetik offenbaren. Und was bedeutet das jetzt für unser Hautbild?

Auch wenn man es sich angesichts der Vielfalt menschlicher Gesichter, Körper, Größen und Hautfarben nur schwer vorstellen kann: das Erbgut der Menschen unterscheidet sich kaum. Das reicht zwar aus, um viele Kinder zum Abbild ihrer Mütter und Väter zu machen. 
Ob wir aber früh ein Bäuchlein bekommen oder spät Falten, ob wir Pigmentflecken entwickeln oder nicht, ob wir schlank bleiben oder mit Übergewicht kämpfen – all das kann nicht nur mit dem Erbgut erklärt werden, denn da haben wir alle eine ähnliche genetische Grundausstattung. 
Eineiige Zwillinge zum Beispiel, die unter verschiedenen Bedingungen aufwachsen, sehen häufig unterschiedlich aus. Daher lautet die Frage aller Fragen nicht mehr „Ist dieses oder jenes Gen vorhanden?“, sondern „Wird dieses oder jenes Gen aktiv?“ 

Junger Forschungszweig

Die Antwort sucht die sogenannte Epigenetik, ein ebenso junger wie komplizierter Forschungszweig. Er untersucht zum ersten Mal, wie die Zellen unseres Körpers den Weg zu genau der Information finden, die sie brauchen. 
Hier eine bildhafte Erklärung: Wenn es ein Telefonbuch von der gesamten Weltbevölkerung gäbe und jeder dasselbe Buch hätte, wären bei jedem die eigenen Kontakte jeweils durch kleine Post-its gekennzeichnet. Die DNA in den Zellen ist das globale Telefonbuch, die epigenetischen Markierungen sind die Post-its. An einer jungen Hautzelle wäre der Genabschnitt mit dem Bauplan für neues Bindegewebe markiert, der Körper kann die Stelle sofort erkennen und elastische Fasern produzieren. Die Haut ist straff. Mit den Jahren der Benutzung kann es vorkommen, dass die Post-its abreißen. In diesem Fall verliert die Hautzelle den Wegweiser zum Bauplan des Bindegewebes und stellt die Arbeit ein – was sich früher oder später durch Falten, Augenringe oder schlaffe Haut bemerkbar machen kann. 
Lassen sich die Markierungen schützen? Wenn ja, wie?  Noch sind die Forscher weit von der Antwort entfernt, aber was bisher herauskam, leuchtet auf Anhieb ein. UV-Licht, Schadstoffe aus Autoabgasen, Lebensmittelzusätze oder Lifestylesünden wie Rauchen stehen im Verdacht, die Gene auf „alt“ zu schalten.

Epigenetik und Haut

Auch in Sachen schöne Haut und Anti-Aging ist die Erkenntnis: Gene bestimmen nicht alles. Nur circa 30 Prozent von dem wie wir altern, ist genetisch festgelegt. Die restlichen 70 Prozent lassen sich lenken, indem wir uns vor UV-Licht schützen und Stressfaktoren wie Nikotin, Verzuckerung und Umweltbelastungen meiden. 
Jugendliche Power bekommen die Zellen durch eine gute, vitalstoffreiche Ernährung und hilfreiche Wirkstoffe, die Kosmetik der Haut zuführt. Sie aktivieren gute Zelleigenschaften und lassen uns langsamer altern. Ein überzeugender Inhaltsstoff ist der, der in der Natur epigenetisch wirkt: wie beispielsweise ein Peptid, das das Gelée royale imitiert und so auch dessen positive Effekte auf die Haut hat. Das Peptid ist dafür zuständig, dass bei völlig identischen Genen aus der normalen Biene die Bienenkönigin wird. Auf die Haut bezogen, regt es die Zellerneuerung an, was zu einer ebenmäßigeren Haut führt und ein jüngeres Aussehen verleiht.

Digital Aging

Der Aspekt „blaues Licht“ ist ein weiterer Faktor, der die Hautalterung auf epigenetischer Ebene beeinflusst. Auf Basis von Studien über den Einfluss von blauem Licht auf die Augen und Sehkraft hat man sich die Auswirkungen dieser Wellenlängen auch auf die Haut angeschaut. 
So kam es dazu, dass „Digital Aging“ ein aktuelles Thema in der Beauty-branche ist. Unter blauem Licht versteht man die Wellenlänge, die Geräte wie Laptops, Smartphones, Tablets und Fernseher abstrahlen. Dies erzeugt freie Radikale in der Haut und kann dazu beitragen, dass sie oxidativen Veränderungen ausgesetzt ist. Die Veränderungen sind immer gleich, egal, wodurch die Oxidation hervorgerufen wird. 
Man kann also im Grunde nicht unterscheiden, ob und welche Falte nun von welcher Wellenlänge herrührt. Andere Schäden durch blaues Licht können Pigmentierung oder erhöhte Empfindlichkeit der Haut sein. Ein gewöhnliches Sonnenschutzmittel bietet hier keinen Schutz. Denn dieser enthält Lichtfilter, die UV-Strahlung streuen, reflektieren oder absorbieren. Sie machen also nur ganz bestimmte Wellenlängen unschädlich, die Wellenlängen des blauen Lichts werden davon nicht beeinflusst. Daher schützen nur solche Produkte richtig, die sogenannte Radikalfänger enthalten. Die besten sind unter anderem Kakaopeptide, Vitamin E und C, wie sie sich in vielen Hautpflegeprodukten finden.
Wir alle, die Kosmetikerin und der Kunde, treffen täglich Entscheidungen, wenn wir durchs Leben gehen. Mit Entscheidungen für einen gesunden Lebensstil, eine ausgewogene Ernährung und die richtige Hautpflege sind vitale Zelleigenschaften länger aktiviert. Wir stärken die Zellen und altern langsamer. Je früher, desto besser: lieber vorbeugen als reparieren!

Eine Maske, die die Durchblutung anregt, aktiviert die Haut. Foto: Erica Smit/Shutterstock.com
Eine Maske, die die Durchblutung anregt, aktiviert die Haut. Foto: Erica Smit/Shutterstock.com

Ablauf:

  • Reinigung – das Ritual entspannt und klärt porentief.
  • Durchblutungsmaske – aktiviert die Haut.
  • Enzympeeling – löst abgestorbene Hautschüppchen, ohne mechanisch zu reizen.
  • Ampulle – versorgt die Haut bis in die Tiefen optimal mit hochkonzentrierten Wirkstoffen: Kakaopeptide und Vitamin E schützen z.B. vor freien Radikalen.
  • Massage – eine hautbildspezifische Creme wird einmassiert. Kakaopeptide, Saccharide und Polyphenole schützen als Radikalfänger vor Digital Aging.
  • Tipp: Viel trinken ist wichtig für eine schöne Haut. Die Kosmetikerin kann ihrem Kunden grünen Tee servieren. Dieser enthält besonders viele Polyphenole. Sie zählen zu den Antioxidanzien, die freie Radikale in unserem Körper einfangen.
  • Digital Detox: Im Spa sollte „Handyverbot“ herrschen. Um den Kopf freizubekommen, kann der Kunde das Handy während der Behandlung beiseitelegen und entspannt offline sein.

Andrea Weber – Die diplomierte Biologin leitet die Abteilung Forschung und Entwicklung des Kosmetikunternehmens Babor. Als technische Redakteurin schreibt sie auch Artikel für die Fachpresse.

Elena Helfenbein – Die Autorin leitet den Bereich Center für Studien und Anwendungen bei Babor (für den Teil Wirkstoff und Treatment).

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