Maniküre mal anders

Individuell variieren

Altbewährtes wie die Maniküre-Behandlung muss nicht immer nur nach Schema F ablaufen. Obwohl die Anwendung im Kern stets dieselbe bleibt, können Sie ihr mit etwas Geschick dennoch das gewisse Etwas verleihen

Variation heisst der Schlüssel zum Erfolg. Mit speziell angepassten Behandlungen können Sie nicht nur die Bedürfnisse Ihrer Kundschaft zufriedenstellen, sondern sich auch von Ihren Mitbewerbern abgrenzen. Nachfolgend präsentieren wir Ihnen einige Bausteine, die in keiner Basis-Maniküre fehlen sollten, die aber individuell abgewandelt werden können.

 

Vorbereitung

Bevor Sie Ihre Kundin an den Nageltisch bitten, sollte dieser entsprechend vorbereitet sein. Reinigen und desinfizieren Sie die Arbeitsfläche gründlich, legen Sie ein neues Tischvlies oder ein neues Handtuch auf und stellen Sie alle für die Maniküre benötigten Arbeitsutensilien (Übersicht s. Kasten oben) griffbereit. Ehe Sie mit der Maniküre beginnen, sollten sowohl Sie sich als auch Ihre Kundin die Hände gründlich waschen. Anschliessend starten Sie Ihren Service am besten mit dem Desinfizieren Ihrer Werkzeuge im Beisein der Kundin – so sieht diese gleich, dass bei Ihnen hygienisch einwandfrei gearbeitet wird und fühlt sich in guten Händen. Reinigen Sie dann die Nägel Ihrer Kundin mit einer sauberen und trockenen Nagelbürste. Widmen Sie dabei auch der Nagelunterseite besondere Sorgfalt. Dort setzt sich leicht Schmutz fest, der natürlich auch Bakterien oder andere Krankheitserreger enthalten kann. Das bringt uns zum nächsten wichtigen Punkt – der Desinfektion. Nehmen Sie ein geeignetes Hautdesinfektionsmittel, um die Hände Ihrer Kundin und auch Ihre eigenen sorgfältig zu desinfizieren. Trägt Ihre Kundin Nagellack, entfernen Sie diesen mit einem milden, acetonfreien Remover, um den Zustand der Nägel begutachten zu können. Beginnen Sie danach mit einer genaue Nagelanalyse, um herauszufinden, welche besonderen Bedürfnisse die Nägel haben (Übersicht Nageltypen und -zustände s. Kasten oben) und, um zu entscheiden, welche Produkte und Behandlungen am besten für Ihre Kundin geeignet sind. Nachdem sie darüber hinaus besprochen haben, welche Wünsche Ihre Kundin hat und was sie von dem Service erwarten kann, beginnen Sie mit der eigentlichen Maniküre.

 

Pro und Contra Handbad

Mittlerweile ist der Einstieg in die Behandlung sowohl trocken als auch nass möglich – soll heissen, mit oder ohne Handbad. Die meisten Hand- und Nagelprofis machen den Einsatz eines Handbades vom Zustand der Nagelhaut der Kundin abhängig. Muss diese stark bearbeitet werden, ist es natürlich hilfreich, sie zuvor in einem Bad zu erweichen, um sie dann vorsichtig zurückschieben zu können. Zu beachten gilt jedoch, dass die Nagelplatten je nach Dauer eines Handbades mehr oder minder viel Wasser aufnehmen und dadurch aufquellen. Werden die Nägel später allerdings lackiert bevor diese wieder vollständig durchgetrocknet und auf ihre ursprüngliche Form zurück geschrumpft sind, kann dies feinste Risse in der Lackierung zur Folge haben, was wiederum dazu führt, dass diese schneller abplatzt. Wünscht sich die Kundin also eine abschliessende Lackierung, ist es in diesem Fall besser auf ein Handbad zu verzichten und stattdessen die Nagelhaut mit einem Cuticle Remover zu erweichen und sanft zu entfernen.

 

Soft gepflegt

Nachdem Sie die Nagelhaut geschmeidig gemacht haben, nehmen Sie ein Rosenholzstäbchen oder ein anderes geeignetes Instrument zur Hand, um diese vorsichtig zurückzuschieben. Achten Sie dabei darauf, die Nagelhaut nicht zu verletzen. Sie ist eine wichtige Barriere, die das Eindringen von Bakterien und anderen Krankheitserregern verhindert. Wird dieser „Schutzwall“ durchbrochen, können unangenehme Entzündungen (z.B. eine Nagelwallentzündung, auch Paronychie genannt) die Folge sein. Kürzen Sie die Nagelhaut keinesfalls mit einer Schere! Nur überstehende harte Hautfitzelchen werden mit der Nagelhautzange abgeknipst.

 

Formvollendet gefeilt

Kürzen und feilen Sie die Nägel in die von Ihrer Kundin gewünschte Form. Beraten Sie sie dabei, welche Nagelform am besten zu ihr passt. Verwenden Sie Feilen mit einer Körnung von 180- oder 240-Grit. Wenn die Nägel der Kundin leichte Rillen aufweisen, können Sie die Oberfläche mit einem feinen Buffer etwas glätten. Buffern Sie dabei immer in Wuchsrichtung. Alternativ können Sie auch einen Rillenfüller auftragen, falls Ihre Kundin das bevorzugt.

 

Rundherum verwöhnt

Entgegen der gängigen Vorgehensweise, Peelings und Massagen zum Abschluss der Maniküre durchzuführen, kann es durchaus sinnvoller sein, diese schon am Anfang vorzunehmen. Dafür spricht zum einen, dass sich die Kunden bei der Massage entspannen und dieser Zustand über die Gesamtdauer der Behandlung erhalten bleibt; zum anderen erhält man ein schöneres Anwendungsergebnis, wenn man die Hände und Nägel bereits zu Beginn der Behandlung mit Moisturizern pflegt.

Selbst wenn Ihre Kundin nur eine Basis-Maniküre wünscht, sollten Sie nicht die Extras vergessen! Im Anschluss an das Peeling und die Massage können Sie Ihre Kundin ruhig nochmals fragen, ob sie nicht doch noch eine Handmaske oder einen Paraffin-Dip möchte, um die Haut zusätzlich zu pflegen.

 

Perfekt in Szene gesetzt

Jetzt ist es soweit, entweder ein Pflegeprodukt aufzutragen oder die Nägel zu lackieren. So wie es verschiedene Haut- oder Haartypen gibt, ist auch die Beschaffenheit und der Gesundheitszustand der Naturnägel Ihrer Kundinnen nicht identisch. Besonders bei Nagelproblemen, beispielsweise bei dünnen, brüchigen Nägeln, sollten Sie ein speziell darauf abgestimmtes Naturnagelpflegesystem oder Kurpräparate einsetzen. Eine Lackierung der Nägel ist sicherlich einer der meistgenutzten Zusatzservices im Rahmen einer Maniküre. In zahlreichen Studios ist sie ein fester Bestandteil der Basis-Maniküre, aber da natürlich die Möglichkeit besteht, eine Hochglanzpolitur statt einer Lackierung anzubieten, kann sie auch als Extra betrachtet werden. Um die Nägel für eine Lackierung vorzubereiten müssen diese mit einem mit Cleaner getränkten fusselfreien Zellstoffpad von Produktresten befreit werden. Verwenden Sie möglichst kein Aceton und keinen Alkohol – diese können einen öligen Film auf der Nagelplatte hinterlassen, der die Haftung des Nagellacks beeinträchtigt. Alternativ können Sie die Nägel auch einfach mit etwas Seife und Wasser abwaschen.

Wenn Ihre Kundin nach der Maniküre keine spezielle Nagelkur benötigt, können Sie herkömmlichen Base Coat und Top Coat verwenden. In welcher Farbe die Nägel lackiert werden, entscheidet natürlich Ihre Kundin. Unterstützen Sie sie, indem Sie ihr geeignete Vorschläge unterbreiten, z.B. mit Hilfe einer Farbpalette. Bevor Sie den Farblack auftragen, überziehen Sie den Nagel mit einer dünnen Schicht Base Coat. Achten Sie darauf, ihn auch um die freie Kante herumzuziehen. Tragen Sie dann den Farblack in ein bis zwei dünnen Schichten auf und ziehen Sie auch diese um die freie Kante herum. Dadurch verringert sich die Gefahr, dass der Lack schnell abplatzt. Lassen Sie die erste Schicht leicht antrocknen, bevor Sie die zweite auftragen und tragen Sie zum Abschluss eine Schicht Top Coat auf.

Tipp: Vergessen Sie nicht den Verkauf! Für eine Auffrischung der Lackierung ist Ihre Kundin sicher gerne bereit, ein Nagellackfläschchen in der entsprechenden Farbe mit nach Hause zu nehmen.

Autorin: Mindi Borrego, US-Naildesignerin