Mikrodermabrasion

Die Haut restrukturieren
Die Mikrodermabrasion hat in den letzten Jahren einen regelrechten Boom erfahren. Dies liegt an den vielseitigen Einsatzmöglichkeiten dieser Methode und den Ergebnissen, die sich mit ihr erzielen lassen. Gehen Sie dem Erfolgsgeheimnis auf die Spur und lesen Sie, was die Mikrodermabrasion bewirkt.
Die Möglichkeit, die obersten Hautschichten schonend und kontrolliert abzutragen und dadurch die Regeneration der Haut anzukurbeln, klingt nicht nur verlockend – mittlerweile belegen einige Studien, welche Veränderungsprozesse nach mehrmalig durchgeführter Mikrodermabrasion (MD) in der Haut ablaufen.
So zeigen histologische Untersuchungen, dass sich die Verhornung – die Differenzierung der Keratinozyten – im Stratum corneum normalisiert und die Dicke der Epidermis zunimmt. Die Basalzellen teilen sich vermehrt, was die Zunahme der Epidermisdicke unterstreicht.
Eine weitere Auswirkung serienmässig durchgeführter MD-Behandlungen ist, dass die Verankerung der tiefer liegenden Dermis (Lederhaut, Korium) und der Epidermis (Oberhaut) ausgewogen ist, wodurch sich die mechanische Festigkeit der Haut verbessert. Schaut man sich die Zellen genauer an, so lässt sich feststellen, dass sich die Konsistenz der Basalzellen (Keimzellen) verändert und sich die Melanozyten in der Basalzellschicht gleichmässiger als in unbehandelter Haut anordnen. Die Melanisierung der Oberhaut nimmt ab.
Was in der Haut passiert
In der Dermis werden folgende strukturellen Veränderungen beschrieben:
- Die Papillarschicht ist verdickt und die Anzahl sowie Grösse der Bindegewebszellen (Fibroblasten) ist erhöht. Letztere liegen ausserdem – vor allem in der Umgebung von Blutgefässen – dicht gepackt.
- Die Kollagenfaserbündel sind dicker und dichter gepackt als bei der unbehandelten Haut. Überdies ist die Struktur und Anordnung des Faserproteins optimiert.
- Die elastischen Fasern sind nicht nur dichter gepackt, sondern neu synthetisierte Elastinfasern richten sich im Gegensatz zu den älteren, parallel zur Hautoberfläche ausgerichteten Fasern vertikal aus.
Zusammenfassend deuten die Studienergebnisse darauf hin, dass die MD-Behandlungskur eine Restrukturierung der Haut einleitet. Dies wäre im Hinblick auf die Altershaut sowie auf Verhornungsstörungen, aber auch zur Behandlung von Striae interessant.
Hilfe zur Selbsthilfe
Neben den anatomischen Auswirkungen beeinflusst das mechanische Peeling an der Oberfläche auch verschiedene Hautfunktionen positiv; diese spielen sich teilweise in tieferen Hautschichten ab.
So wird beschrieben, dass sich die Hautbarriere nach einer kurähnlichen Behandlung stabilisiert. Direkt nach der Mikrodermabrasionsbehandlung steigen der Talggehalt an der Hautoberfläche sowie die Hauttemperatur. Letzteres lässt sich vermutlich auf die gesteigerte Mikrozirkulation und den angeregten Blutfluss zurückführen.
Innerhalb der Bindegewebsschicht wurden ausserdem folgende Veränderungen beschrieben: Nicht nur die Anzahl, sondern auch die Aktivität der Fibroblasten ist erhöht, so dass Kollagen- und Elastinfasern verstärkt synthetisiert werden.
Es wird vermutet, dass die Vielzahl der lokal in Gang gesetzten biologischen Vorgänge – die man teilweise noch nicht versteht – dazu dienen, die Regenerationsprozesse der Haut zu fördern.
Know-how ist gefragt
Da bei der Mikrodermabrasion etliche Parameter von Bedeutung sind, lassen sich die beschriebenen Effekte jedoch nicht verallgemeinern. So beeinflussen beispielsweise die Partikelgrösse der Kristalle, das angelegte Vakuum und die Geschwindigkeit, mit der die Kristalle auf die Haut geleitet werden, die Behandlung.
Massgeblich für das Ergebnis sind jedoch nicht nur gerätetechnische Einstellungen, sondern auch manuelle: So spielen der Druck, mit dem man das Handstück über die Haut führt, ebenso wie die Ausrichtung der Bewegung eine wesentliche Rolle. Nicht zu vergessen ist, wie oft das einzelne Hautareal pro Sitzung behandelt wird und in welchem zeitlichen Abstand diese MD-Termine wiederholt werden.
Liegen folgende Erkrankungen vor, so verbietet sich der Einsatz der Mikrodermabrasion: Neurodermitis und Psoriasis, Herpesinfektion, Krebs und Tumoren, krankhafte Hautentzündungen sowie Warzen, Leberflecke und Muttermale. Eine Mikrodermabrasion kommt auch nicht in Frage, wenn die Kundin Kortison oder Aknetherapeutika (z.B. Roaccutan) einnimmt. Ausgespart bleiben sollten auch die Augenpartie sowie die Lippen.
Das sollten die Kunden wissen
- Nach der MD-Behandlung ist die Haut etwas gerötet und leicht geschwollen. Während die Rötungen noch im Laufe des Tages verschwinden, reduziert sich die geringe Schwellung innerhalb weniger Tage. Die Haut kann sich zunächst etwas rauer anfühlen, was sich aber auch nach wenigen Tagen gibt.
- Direkt nach der MD benötigt die Haut einen konsequenten Sonnenschutz. Die Kundin sollte die behandelten Hautstellen nicht direkt der Sonne aussetzen und unbedingt Sonnenschutzpräparate mit physikalischen Filtern (z.B. Zinkoxid, Titandioxid, Silikaten) in die tägliche Pflege integrieren.
- Zudem muss die Kundin wissen, dass es mit einem Mal nicht getan ist; vielmehr sind – je nach vorliegendem Hautbild – mehrere Behandlungen notwendig.
Doch hier liegt auch gerade der Vorteil der Mikrodermabrasion begründet: Man kann das Problem behutsam angehen und erzielt bei fachgerechter Durchführung mindestens die gleichen Effekte wie bei einer invasiven Methode.
Autorin: al; Infos: Dr. Sabine Gütt, Dr. rer. nat. Holger Meyer-Waarden, Dr. rer. nat. habil. Ilja Kruglikov
