Phytohormone

Die Zukunft des Anti-Aging
So winzig Hormone, die „Botenstoffe“ unseres Organismus, auch sind – ihre Wirkung auf unseren Körper ist enorm. Auch bestimmte Pflanzeninhaltsstoffe, die so genannten Phytohormone, wirken im menschlichen Organismus hormonähnlich – ihre positiven Eigenschaften auf die Haut machen sie auch für die Kosmetik wertvoll.
Frauen erleben mit zunehmendem Alter, wie sich der Körper durch die verringerte Produktion an weiblichen Geschlechtshormonen, den Östrogenen, verändert. Diese wechseljahrsbedingten Veränderungen zeigen sich auch auf der Haut – sie wird dünner, trockener und schlaffer, ihre Spannkraft und Elastizität lassen nach. Da eine Hormonersatztherapie, also die medikamentöse Gabe von Östrogenen, nicht ohne Nebenwirkungen ist und verschiedene Studien auf z.T. schwere gesundheitliche Beeinträchtigungen hinweisen, sind sanfte Alternativen gefragt – die so genannten Phytohormone bzw. Phytoöstrogene. Auf diesem Gebiet wird seit einigen Jahren intensiv geforscht.
Um ihre Wirkung zu entfalten, benötigen Hormone im Körper einen Rezeptor. Das Wirkprinzip ist vergleichbar mit einem Schloss, das nur durch einen bestimmten Schlüssel (Hormon) geöffnet werden kann. Auf der Suche nach hormonähnlichen „Schlüsseln“ ist man bei speziellen Pflanzeninhaltsstoffen fündig geworden: Die Phytohormone (phyton, griechisch: Pflanze) haben im menschlichen Körper zwar eine Hormonwirkung – da der „Schlüssel“ jedoch nicht exakt passt, ist diese schwächer als die der menschlichen Hormone.
Leichte Hormonwirkung
So wirken Phytoöstrogene im Körper ähnlich wie das weibliche Sexualhormon 17ß-Östradiol; verglichen mit diesem ist die Wirkung der Phytoöstrogene aber min-destens um den Faktor 100, meist sogar um den Faktor 1.000 bis 10.000 geringer. An-dererseits können die Phytoöstrogene im Körper in einer 100- bis 10.000fach höheren Konzentration vorliegen als die „echten“ körpereigenen Östrogene. Zu den Phytoöstrogenen gehören:
- Isoflavone (z.B. Genistein, Daidzein), die in Sojabohnen und Rotklee besonders reichhaltig vorkommen,
- Lignane, die sich vor allem in Leinsamen finden, aber u.a. auch in Kürbiskernen, Getreide, Nüssen, Brokkoli, Fenchel und Möhren,
- Coumestane, z.B. aus Alfalfa-, Klee- und Sojasprossen.
Mengenmässig kommen Phytoöstrogene in der typisch europäischen Ernährung nur in geringem Ausmass vor. So beträgt die durchschnittliche Phytohormonaufnahme in Europa und Amerika etwa zwei bis drei Milligramm pro Tag, in asiatischen Ländern (sojareiche Ernährung!) dagegen 20 bis 80 Milligramm pro Tag.
Mit dem Verzehr von Pflanzenöstrogenen z.B. durch den hohen Anteil von Soja in der täglichen Kost wird u.a. das geringere Brustkrebs- und Prostatakrebsrisiko in asiatischen Ländern in Verbindung gebracht. Auch sind typische Wechseljahrs-beschwerden wie Hitzewallungen japanischen und chinesischen Frauen nahezu unbekannt. Daneben sollen mit der Nahrung bzw. entsprechenden Präparaten auf-genommene Phytoöstrogene vor Knochenschwund (Osteoporose) schützen, den Cholesterinspiegel senken und das Risiko verringern, eine Herz-Kreislauf-Erkrankung zu entwickeln.
Doch auch hierzulande ist es gar nicht so schwer, sich über die Nahrung mit Phytoöstrogenen zu versorgen: Eine grosse Tasse Sojamilch oder ein Sojajoghurt (250–300 ml) enthalten ca. 50–70 Milligramm davon, also in etwa die durchschnittliche Tagesdosis in asiatischer Kost.
Unterstützung für die Haut
Eine Studie mit einem Soja-Extrakt zeigt ausserdem, dass eine durch Testosteron verstärkte Aktivität der Talgdrüsen wieder normalisiert werden kann. Daraus wird der Schluss gezogen, dass Isoflavone aus Soja z.B. bei fettender Haut, die im Zusammenhang mit einem erhöhten Testosteron-Spiegel steht, und auch gegen Akne einge-setzt werden können.
Der Einsatz von Phytoöstrogenen in der Dermatologie und Kosmetik ist zwar ein sehr junges Gebiet, aber man darf davon ausgehen, dass er in der Anti-Aging-Behandlung eine sehr grosse Rolle spielen wird. Zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass durch isoflavonhaltige Pflegepräparate typische Alterser-scheinungen der Haut, wie der Verlust von Spannkraft und Festigkeit, die Verdünnung der Epidermis und Trockenheit, positiv beeinflusst werden.
Die Phytoöstrogene sind in der Lage, die Zellneubildung und den Kollagenaufbau zu stimulieren. Gleichzeitig werden Kollagen und Elastin vor einem enzymatischen Abbau und die Hautzellen vor freien Radikalen geschützt. Die Haut wird praller und fester, die Konturen werden straffer, feine Linien verschwinden. Sie erscheint vitaler, frischer und jünger.
Die phytohormonhaltigen Pflegeprodukte stellen für die Kosmetik eine wirkliche Bereicherung dar. Sie bieten der Kosmetikerin die Möglichkeit, mit Pflanzenkraft sanft, aber wirksam gegen die Alterserscheinungen der Haut ihrer Kundinnen vorzugehen.
