Pflegefehler

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Was Kunden falsch machen

 

Für perfekt gepflegte Haut ist eine fachlich kompetente Beratung unerlässlich. Für die Kosmetikerin ist es manchmal ebenso notwendig, mit den Kunden Tacheles zu reden, von der Selbstbehandlung abzuraten und klare Pflegeregeln aufzustellen. Kosmetikerin Mayleen Eraerts erklärt, worauf es ankommt.

 

Fangen wir doch mal mit einem Augenzwinkern an: Das Schlimmste, was der Kunde machen kann, ist, nicht zur Kosmetikerin zu gehen! Immer wieder sind Kunden der Meinung, dass sie genau wissen, was gerade aktuell bei ihnen auf der Haut los ist, und fangen an, sich selber zu behandeln. Der Kunde denkt, dass „Dr. Google“ am besten Bescheid weiss. Nach der Suche im Internet halten die meisten Kunden eine fachliche Konsultation leider für völlig überflüssig. Nach einer erfolgreichen Behandlung mit einer kompetenten Kosmetikerin an der Seite sehen Kunden die Notwendigkeit einer kompetenten fachlichen Beratung aber meist ein und wissen sie zu schätzen. Nicht weniger wichtig ist es, den Kunden die Illusion zu nehmen, dass die ganze Verantwortung alleine bei Ihnen, der Kosmetikerin, liegt.

 

Pflegeregeln aufstellen

Der Frühling steht vor der Tür und viele Kunden wollen nicht nur in ihrem Zuhause, sondern jetzt auch in ihrem Gesicht einen Frühjahrsputz durchführen. Da bieten sich ganz hervorragend intensive Kurbehandlungen an. Besonders beliebt sind Fruchtsäure- Behandlungen und Mikrodermabrasion. Sie gehören zu den Behandlungsmethoden, die dem Kunden schnelle, effektive und sichtbare Ergebnisse mit einem herrlich frischen Hautgefühl bieten. Zwei Kalkulationsbeispiele dafür habe ich Ihnen zusammengestellt. Nach Fruchtsäure-Behandlungen und Mikrodermabrasion gibt es allerdings einige Regeln, an die sich der Kunde halten sollte. Der Verzicht auf direkte Sonne und eine verlässliche Heimpflege gehören dazu. Leider halten sich Kunden nicht immer an die „Spielregeln“

und Empfehlungen der Kosmetikerin. Das kann, wie Sie wissen, das Ergebnis nicht nur beeinträchtigen, sondern auch zu Hautschäden oder Missempfindungen führen!

 

Die zehn häufigsten Fehler

 

1)    Selbst „diagnostizieren“ und Produkte auf gut Glück nutzen!

Kunden haben heute die Möglichkeit, im Internet Hautanalysen durchzuführen, und können dann sofort anhand dieser Analysen die „passenden“ Produkte online shoppen! Dass das

meist in die Hose geht, wissen Sie wahrscheinlich aus Ihrer eigenen Praxis. Die Kompetenz und das Wissen einer gut ausgebildeten Kosmetikerin, die sich im wahrsten Sinne des Wortes die ungeschminkte Wahrheit unter der Lupe anschaut, kann von keinem Analyseportal und auch nicht von einer Kraft im Drogeriemarkt oder einer Parfümerie ersetzt werden!

 

2)    Zu Hause im Gesicht rumdoktern!

Kunden sollten ganz klar darauf hingewiesen werden, dass das „Rumdoktern“ im Gesicht zu Hause für ein schönes Hautbild kontraproduktiv ist. Zweifelsfrei ist das Ausreinigen von

Unreinheiten in der Kosmetik notwendig. Jedoch sollten die Kunden das bitte der Fachfrau überlassen. Meist läuft nämlich das Ausdrücken und Rumquetschen zu Hause ohne die Haut vorher gereinigt zu haben und mit den blanken Fingern ab! Machen Sie Ihren Kunden deutlich, dass sie die Haut verletzten und im schlimmsten Fall monatelang unter so entstehenden Pickelmalen leiden müssen! Da hilft nämlich auch keine Creme mehr!

 

3)    Rubbeln, was das Zeug hält!

Kennen Sie auch Kunden, die denken, dass eine Behandlung umso besser wirkt, je schmerzhafter sie ist? Diese Einstellung haben diese Kunden meist auch zu Hause – ob es bei der Reinigung im Gesicht ist, ob die Mascara einfach nicht abgehen will oder beim Peeling mit Schleifpartikeln im Gesicht. Eine aggressive Herangehensweise ist nicht der ultimative Problemlöser und bewirkt meist das Gegenteil. Die Zusammenstellung der richtigen Produkte für die Kundin unter Berücksichtigung der persönlichen Herangehensweise ist hier oft die Lösung. Zum Beispiel können für die Heimpflege aggressive Peelings mit Körnern durch ebenso effektive AHA- oder Enzympeelings ersetzt werden.

 

4)    Sich nicht an Absprachen halten!

Um ein klasse Ergebnis zu erzielen, muss der Kunde mitarbeiten. Wenn Kunden sich nicht an abgesprochene Pflegerituale halten, wird das erwünschte Ergebnis beeinträchtigt.

 

5)    Sie nicht informieren!

Und zwar über Medikamenteneinnahme oder ästhetischen Eingriffe wie Botox, Hyaluronsäure oder Fadenliftings. Der Trend zu Unterspritzungen ist längst salonfähig geworden. Manche nehmen jede Art von Behandlung mit – ohne Rücksicht darauf, ob es vielleicht mit einer aktuellen Medikation kontraproduktiv ist, Fadenliftings zu machen oder nach einer Botoxinjektion eine Intensivbehandlung wie z.B. Microneedling durchführen zu lassen. Seien Sie als Kosmetikerin immer umsichtig und aufmerksam. Fragen Sie auch Kunden, die Ihnen schon vertraut sind und länger und regelmässig zu Ihnen kommen, ob in den letzten Wochen ein Eingriff erfolgte etc.!

 

6)    Alkohol- und Nikotingenuss!

Viele Frauen legen grossen Wert darauf, frisch und jung auszusehen. Da verwundert es nicht, dass sich Kundinnen immer mehr Intensivbehandlung wie z.B. Microneedling gönnen.

Im Sinne der Schönheit sollte sich die Kundin jedoch besonders nach so einer Intensivbehandlung zusammenreissen und nicht gleich zum Glas Wein und zur gewohnten Zigarette greifen. Damit Kunden die Sache ernst nehmen, erzählte ich manchmal, was alles Schlimmes passieren kann! Natürlich immer im Interesse bester Ergebnisse. Aber es hilft!

 

7)    Nicht genug trinken und schlecht essen!

Wenn Kunden sich über eine fahle, schlaffe, pickelige und trockene Haut beschweren, spielt nicht allein die Pflege eine Rolle. Besonders Kunden mit Hautproblemen wie Akne oder

auch Hauterkrankungen können das Hautbild mit einer entsprechenden Ernährungsumstellung und der Sorgfalt, dem Körper genügend Flüssigkeit zuzuführen, eine starke Verbesserung feststellen. Fragen Sie in Ihren Anamnesen Ihre Kunden nach den Ernährungsgewohnheiten und machen Sie sie sensibel für die Wichtigkeit.

 

8)    Pflege-Hopping!

Im besten Fall nutzt Ihre Kundin nur Ihre Produkte! Das Gute daran: Sollte sich das gewünschte Ergebnis nicht in dem geplanten Zeitraum einstellen, können Sie abschätzen, woran es liegen kann und mit welchem Produkt Sie dem Kundenziel näher kommen. Nutzt die Kundin nicht oder nicht ausschliesslich die Produkte aus Ihrem Institut, kann das Ergebnis leider manchmal lange auf sich warten lassen. Bei Pflege-Hoppern ist eine ausführliche Anamnese wichtig. Oft vergessen Kunden, was sich alles verbessert hat, und wollen gleich zum nächsten Produkt greifen! Das können Sie durch das Dokumentieren der Hautzustände in der Anamnese gut festhalten und dem Kunden als Ergebnis präsentieren!

 

9)    Nachlässigkeiten beim Sonnenschutz

Häufig greifen Kunden nur dann zur Sonnenpflege, wenn sie wissen, dass sie am Strand liegen werden. Oft ist aber schon der erste Sonnenbrand bei der Gartenarbeit im Frühjahr da! Mit den drohenden Hauterkrankungen kann man Kunden leider nur selten und wenig beeindrucken. Die Angst vor Falten lässt Kunden allerdings häufig vernünftig werden. Machen Sie Ihre Kunden darauf aufmerksam, dass der Gebrauch von Sonnenschutz vor Zellschäden und Falten schützen kann und sie mit dem Sonnenschutz nicht bis zum Sommer warten sollen. Besonders nach einer Kurbehandlung, bei der die Haut stark gepeelt wird, darf der Kunde nicht auf den Sonnenschutz verzichten!

 

10) Produkte nicht verwenden!

Die besten Produkte bringen alle nichts, wenn der Kunde sie zu Hause nicht verwendet. Manchmal liegt es daran, dass Kunden sich nicht mehr richtig erinnern können, wann sie was anzuwenden haben! Gehen Sie immer sicher, dass Ihre Kunden wirklich verstehen, wann welches Produkt in welcher Häufigkeit anzuwenden ist. Es hilft Kunden, wenn Sie ihnen die Anwendungsabfolgen insbesondere beim ersten Mal aufschreiben. Auch Kunden, die zu viele Produkte von Ihnen bekommen, verfallen in eine Pflege-Abstinenz. Berücksichtigen Sie beim Verkauf auch die Gewohnheiten der Kunden und führen Sie sie langsam an das volle Programm heran! Sonst ist der Frust bei Kunden über teure Produkte gross, die man so oder so nicht nutzt!

 

 

Myaleen Eraerts

Die Kosmetikerin betreibt ein eigenes Institut in Barsinghausen. Sie ist Expertin für ganzheitliche Kosmetik und hat sich auf die Themen Anti-Aging und Wirkstoffkosmetik spezialisiert. www.may-beauty.de