Geräteauswahl für die Kabine

Her mit der Technik!

 

Ob im neu gegründeten Institut oder wenn das Portfolio erweitert wird – welche Geräte machen Sinn? Nadja Stein stellt einige Methoden vor, mit denen ein guter Start in die apparative Kosmetik gelingen kann.

 

Wer in seinem Institut apparative Behandlungen neu mit aufnehmen will, hat die Qual der Wahl: Zahlreiche Geräte stehen zur Auswahl und beinahe jedes soll laut Hersteller „ideal für Anfänger“ sein. Doch neben der Frage nach dem Konzept im eigenen Institut und der Zielgruppe, die bisher angesprochen wird und die künftig angesprochen werden soll, muss sich auch die Anschaffung lohnen. Denn hochwertige Apparate können schnell mehrere Tausend Franken kosten und sie müssen sich auch amortisieren, damit das Institut wirtschaftlich erfolgreich sein kann.

 

Einstiegsmöglichkeiten

Einen sinnvollen Einstieg ermöglicht das Mikrodermabrasionsgerät. Es kann bei sehr vielen Behandlungen eingesetzt werden. Mit seinem Peelingeffekt bildet diese Anwendung die Grundlage dafür, dass sich Wirkstoffe tief in die Haut einbringen lassen. Das bewährte Ultraschallverfahren ist nach wie vor Standard in den meisten dermazeutischen Instituten. Es ist für fast alle Hautbilder geeignet und in seiner Anwendung sehr einfach. Die Mesoporation ist eine moderne und bewährte Methode, um Falten ohne Spritze sichtbar aufzufüllen.

Ausserdem lassen sich weitere Hautprobleme effektiv behandeln. Die Elektrische Muskelstimulation (EMS) komplettiert Anti-Aging-Behandlungen und kann darüber hinaus mit vielen weiteren Anwendungen kombiniert werden.

 

Grundsätzliches

Bevor also die Investition in ein neues, oftmals sogar in das erste Gerät erfolgt, steht zunächst eine Bedarfsanalyse auf dem Plan. Die zentrale Frage dabei ist, worauf die Kosmetikerin ihren Schwerpunkt legt. Möchte sie eher klassische Angebote wie Wellnessbehandlungen, Massagen, Maniküre und Pediküre bedienen oder liegt ihr Hauptaugenmerk auf den dermazeutischen Wirkstoffbehandlungen? Danach richtet sich die Auswahl der Produktlinien und vor allem der apparativen Methoden. Basis-, Standard-, Anti Aging- oder Zusatzbehandlungen – die Auswahl an Geräten dafür ist gross.

 

Die Basis

Bei der Mikrodermabrasion wird abgestorbenes Zellmaterial kontrolliert und mechanisch von der Hautoberfläche abgetragen. Bei der „klassischen“ Mikrodermabrasion werden die Hautschüppchen mithilfe von Kristallen entfernt, die mit hoher Geschwindigkeit auf die Haut treffen. Bei der Diamant-Mikrodermabrasion übernimmt ein Diamantkopf das Abschleifen und bei der Aquabrasion setzt man dafür Wasser- und/oder flüssige Wirkstoffe ein, die ebenfalls mit hoher Geschwindigkeit auf die Haut treffen. Bei allen Methoden saugt ein Vakuum die gelösten Hautschüppchen und das je nach Medium verwendete Material ab, wodurch die Haut zusätzlich stimuliert wird. Ziel dieser Methode ist es, die Haut durch ein intensives Tiefenpeeling von Verhornungen zu befreien und für Wirkstoffe durchlässig zu machen. So kann die Mikrodermabrasion die Basis zahlreicher Kosmetikbehandlungen sein und mitunter sogar das manuelle Ausreinigen ersetzen. Mit ihr kann die Kosmetikerin viele

Hautbilder behandeln und zahlreiche Hautprobleme verbessern.

 

Der Standard

Ultraschallbehandlungen stammen ursprünglich aus der Medizin, finden aber schon lange Anwendung in kosmetischen und therapeutischen Bereichen. Die für das menschliche Ohr nicht hörbaren Frequenzen werden über ein Handstück und ein wässriges Kontaktmedium auf die Haut übertragen. In der Kosmetik kommen Frequenzen von 1 MHz, 3 MHz, 6 MHz und bisweilen 10 MHz zum Einsatz. Durch die feine Vibration der Schallwellen werden die Zellzwischenräume in der Haut erweitert und der Stoffwechsel wird angeregt. Es kommt zu einer erhöhten transdermalen Durchlässigkeit, die das Eindringen von Wirkstoffen in die Haut erleichtert. Die Wirkungsweise des Ultraschalls in der Haut hängt von verschiedenen Faktoren ab, wie der Beschallungszeit, der Beschaffenheit der zu beschallenden Hautpartien und der Gewebestärke. Einen grossen Einfluss auf die Behandlung hat auch die Intensität des Ultraschalls, welche ganz individuell auf das jeweilige Behandlungsziel abgestimmt wird (je niedriger die Frequenz, umso höher die Wirkung).

Die komplexe Wirkung des Ultraschalls in einer kosmetischen Behandlung besteht aus einer thermischen, einer mechanischen und einer chemischen Komponente. Die thermische Wirkung aktiviert den Stoffwechsel und beschleunigt die Lymphzirkulation. Die mechanische Wirkung der Mikromassage entspannt die Muskulatur und aktiviert die Zellregeneration. Biochemische Auswirkungen sind die Stimulation der Kollagen- und Elastinbildung, die Straffung des Bindegewebes und die Verbesserung der Durchlässigkeit der Zellwände. Insgesamt sorgt die sonophoretische Wirkung dafür, dass Wirkstoffe schneller in die Haut eindringen können.

Da die Anwendung in der Regel leicht zu erlernen ist, können selbst technisch unerfahrene Kosmetikerinnen nach einer entsprechenden Schulung ihre Anti- Aging-Behandlungen leicht durch Ultraschall ergänzen.

 

(Nicht nur) Anti-Aging

Ist einer der Behandlungsschwerpunkte im Institut das Thema Anti-Aging und hat die Kosmetikerin bereits einige Erfahrung mit Apparaten, kann ein Mesoporationsgerät gut in das Konzept passen. Mit diesem Verfahren ist sie in der Lage, Falten effektiv aufzupolstern. Hat die Kundin bereits eine Unterspritzung vornehmen lassen, kann nach Rücksprache mit dem Arzt nach einigen Wochen die Behandlung mit der Mesoporation das Ergebnis optimieren und dafür sorgen, dass es länger erhalten bleibt. Ein durch elektrische Impulse erzeugtes Spannungsfeld kann für Sekundenbruchteile winzige Feuchtigkeitskanäle in der Haut so weit öffnen, dass Wirkstoffe ohne Injektion tief in die Haut eingebracht werden

können.

Wichtig: Dieses Verfahren darf nicht mit der Mesotherapie verwechselt werden, bei der die Wirkstoffe vom Arzt mittels zahlreicher kleiner Injektionen in die Haut gespritzt werden. Während man anfangs nur Falten mit der Mesoporation behandelte, ist es mittlerweile auch möglich, Wirkstoffe gegen sichtbare, erweiterte Äderchen im Gesicht, Hyperpigmentierungen, regenerationsbedürftige Haut oder Cellulite einzuschleusen. Das Besondere an der Mesoporation ist, dass durch die Öffnung zusätzlicher Feuchtigkeitskanäle Wirkstoffein höherer Dosierung und auch hochmolekular eingeschleust werden können. Die Nachhaltigkeit der Ergebnisse kann hierdurch um ein Vielfaches verlängert werden.

Achtung: Mesoporation darf nicht bei Kunden mit Herzschrittmachern oder mit Herz Kreislauf-Problemen angewendet werden; hier wäre Ultraschall eine mögliche Alternative.

 

Der Spezialist

Die Elektrische Muskelstimulation (EMS) ist eine Zusatzmethode, um Anti-Aging-Behandlungen effizient abzurunden. Bereits ab dem 25. Lebensjahr beginnt die Muskulatur zu erschlaffen. Da die Muskelmasse im Gesicht direkt unter der Haut liegt, zeigen sich die Auswirkungen vor allem durch das Absinken der Konturen. Das EMS-Gerät sendet Impulse durch die Haut, die die Nerven an der behandelten Stelle anregen und damit eine Anspannung der Muskeln bewirken. Sobald der Reiz zu Ende ist, entspannen sie sich wieder. So lässt sich die natürliche Muskelkontraktion nachahmen (= Training). Neben dem Muskelaufbau, der auch für definierte Konturen sorgen kann, wird die Durchblutung  der Haut gefördert, der Lymphfluss angeregt und die Muskelpartien werden je nach Anwendungsgebiet im Gesicht, am Hals und auf dem Dekolleté gestrafft.

 

Ziele der Mikrodermabrasion:

·         löst Verhornungen,

·         reinigt die Haut aus,

·         verfeinert Poren,

·         hellt Hyperpigmentierungen auf,

·         strafft und glättet,

·         verbessert die Durchblutung der Haut,

·         verbessert den Teint,

·         stärkt die Kapillaren und

·         mildert Fältchen.

 

Einsatzmöglichkeiten von Ultraschall:

·         unreine Haut,

·         müde Haut,

·         Falten,

·         atrophische Haut,

·         Narben,

·         Cellulite,

·         Rötungen und erweiterte Gefässe im Gesicht,

·         Pigmentflecken,

·         Bindegewebsschwäche,

·         Schwangerschaftsstreifen (Striae),

·         Muskelverspannungen und

·         Narbenbehandlung.

 

Ziele der Mesoporation:

·         Sie vermindert Falten und Linien,

·         glättet und verjüngt das Hautbild,

·         erhöht das Hautvolumen,

·         reduziert Pigmentflecken,

·         stabilisiert sichtbare rote Äderchen im Gesicht,

·         verbessert Cellulite und

·         vitalisiert müde Haut.

 

 

Nadja Stein | Nach ihrem Studium absolvierte Nadja Stein eine Kosmetikfachschule. Sie eröffnete ihr eigenes Institut und arbeitete mit einer Praxis für ästhetische Chirurgie und Dermatologie zusammen. Ihr Wissen gibt sie in Schulungen und Seminaren an interessierte Kosmetikerinnen weiter.