Hauttypen und Wirkstoffe

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Was die Haut begehrt

 

Für die Hautpflege Ihrer Kundin gibt es eine grosse Auswahl an Produkten. Die Entscheidung, welches im Einzelfall das richtige ist, basiert auf der Analyse des Hauttyps und des Hautzustandes sowie auf dem fachkundigen Wissen über Inhalts- und Wirkstoffe. Aber welche Wirkstoffe passen zu welchem Hautzustand und worauf sollten Sie bei der Auswahl achten?

  

Zunächst ist zwischen Hauttyp und Hautzustand zu unterscheiden. Der Hauttyp gibt Auskunft über die Aktivität der Talg- und Schweissdrüsen sowie über den Durchfeuchtungsgrad und lässt damit Rückschlüsse auf die Abwehrfunktionen der Haut sowie ihre Barriere und Empfindlichkeit zu. Im Gegensatz dazu wird der Hautzustand von verschiedenen endogenen und exogenen Faktoren beeinflusst. Zu den endogenen Faktoren zählen zum Beispiel Stress und Hormone, zu den exogenen zählen Medikation, thermische Faktoren und generelle Umwelteinflüsse. Daher muss der Hautzustand von der ausgebildeten Kosmetikerin auch immer wieder genau analysiert werden, um beurteilen zu können, ob das aktuelle Pflegeregime noch das optimale ist. Der Hauttyp hingegen verändert sich in der Regel nicht. Hierbei wird zwischen den folgenden fünf Hauttypen differenziert.

 

Normale Haut

Normale Haut zeichnet sich aus durch eine intakte Talg- bzw. Schweissproduktion. Um diese intakte Basis aufrechtzuerhalten, bedarf sie dennoch des passenden Schutzes und der zielgerichteten Unterstützung. Hierzu eignen sich besonders gut Antioxidanzien, die die Haut vor freien Radikalen und damit vor oxidativem Stress schützen. Zu den bewährten Antioxidanzien gehören OPC, Vitamin C sowie Vitamin E. Vor allem clever kombiniert wirken sie in optimaler Synergie und entfalten damit ihre Höchstleistung.

 

Feuchtigkeitsarme Haut

Die feuchtigkeitsarme Haut braucht intelligente Wirkstoffsysteme. Hierzu zählt zum Beispiel eine spezielle quervernetzte Hyaluronsäure, die Aktivstoffe in eine 3-D-Matrix einbettet und zeitversetzt an die feuchtigkeitsarme Haut abgibt. Mit diesem „Wirkstoffkäfig“ ist eine anhaltende Versorgung der Haut mit hygroskopischen Molekülen garantiert. Zu den klassischen Moisturizern gehören aber auch die Pyrrolidoncarbonsäure (Sodium PCA) und Aminosäuren, die biomimetisch nachgebaut werden, um in der Haut eine optimale Wirkung zu entfalten. Eine Besonderheit stellen Filaggrinbooster wie z.B. Natto Gum dar. Sie regen die Filaggrinsynthese an und verbessern die Bindung von Feuchtigkeit.

 

Seborrhoea oleosa

Die fettige, unreine und grossporige Haut (Seborrhoea oleosa) braucht gezielte Wirkstoffe, die zum einen den unerwünschten Hautglanz nehmen, zum anderen Unreinheiten und Entzündungen (Mitesser) mindern. Hier helfen bewährte Wirkstoffkomplexe wie z.B. der Sebu Control Complex N. Dieser hemmt nachhaltig die überschiessende Sebumbildung durch direkte Einwirkung auf das hauteigene Enzymsystem. Parallel wird der unerwünschte Hautglanz gemindert. Auch antibakterielle Wirkstoffe wie z.B. Mikrosilber eignen sich bestens zur Pflege der Seborrhoea oleosa. Der antibakteriell wirkende Inhaltsstoff lässt Entzündungen und Unreinheiten schneller abklingen und beugt nachweislich pathogenen Keimen vor. Auch Fruchtsäuren werden besonders gut toleriert, sie bringen den alkalisch verschobenen pH-Wert wieder in ein leicht saures Milieu und entziehen damit vielen Bakterien ihren Nährboden. Kerabionic nennt sich das System, das dank gepufferter Säuren den pH-Wert auch über längere Zeit stabil hält.

 

Seborrhoea sicca

Der weitverbreitete Hauttyp Seborrhoea sicca zeichnet sich durch eine Überproduktion von Talg aus, weist jedoch parallel zu wenig Feuchtigkeit auf. Die Haut neigt zu Verhornungsstörungen und kann nur unzureichend Schutzlipide in der Hornschicht bilden. Daher braucht sie eine durchfeuchtende und barriereaufbauende Pflege. Hierzu bieten sich Produkte mit einer speziellen Cremegrundlage, dem „derma membrane system“, zur Stärkung der Barriere an sowie Produkte mit hohem Kalziumgehalt. Kalzium unterstützt die natürliche Regulierung der Hornschicht, Schuppungen werden normalisiert, Irritationen und Missempfindungen klingen ab. Im Gegensatz zur Seborrhoea oleosa weist die Seborrhoea sicca nur eine geringe Säuretoleranz auf.

 

Fettarme trockene Haut

Die fettarme und trockene Haut zeichnet sich nicht nur durch eine starke Talg-, sondern auch Schweissdrüsenunterfunktion auf und weist somit einen unzureichenden Hydrolipidmantel auf. Hier gilt es, sowohl den Feuchtigkeitsmangel (siehe feuchtigkeitsarme Haut), als auch den Lipidmangel auszugleichen. Und das fängt bereits bei der Reinigung an. Generell sollte man bei der Sebostase auf eine milde, rückfettende Reinigung wie z.B. eine Milch oder eine milde Creme setzen. Als Pflegewirkstoff eignet sich hydriertes Lecithin. Dieses zeichnet sich durch Ceramid-ähnliche Eigenschaften aus und hat daher naturgemäss eine hohe Affinität zu den Lipiddoppelschichten der Hautbarriere. Es stabilisiert den transepidermalen Wasserverlust (TEWL) und schützt die Haut vor dem Eindringen von Fremdstoffen. Eine Creme auf „derma membrane system“-Basis vermindert den TEWL zusätzlich und verleiht der Haut einen natürlichen Schutz vor allen äusseren Faktoren. Omega-3-Fettsäuren erhöhen die Widerstandsfähigkeit der Haut und wirken als Entzündungsprophylaxe. Gegen die Hautrauheit können milde Enzympeelings eingesetzt werden.

 

 

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Dagmar Schufla

Die gelernte Kosmetikerin ist aufgrund ihrer langjährigen Erfahrung als nationale Schulungsleiterin bei Reviderm tätig und Expertin in Sachen Wirkstoffe.