Trocken macht empfindlich

Wenn Fett- und Feuchtigkeit fehlen

Etwa jeder fünfte bis siebte Mensch leidet an trockener Haut (Sebostase). Besonders häufig davon betroffen sind ältere Menschen. Die Ursachen für diesen Hautzustand sind vielfältig

Generell können äussere und innere Faktoren eine Rolle spielen. So kann eine individuelle Veranlagung vorliegen, aber auch hormonelle Einflüsse sowie natürliche Alterungsprozesse können dafür verantwortlich sein. Umwelteinflüsse, wie z.B. trockene Heizungsluft, Klimaanlagen, Winterwetter, übermässige Sonneneinstrahlung, häufiges bzw. zu heisses Baden oder Duschen, die Verwendung von falschen Reinigungs- und Pflegeprodukten sowie Medikamente können ebenfalls zu einer trockenen Haut führen. Nicht zu vergessen ist der Lebensstil. Aber auch bestimmte Krankheiten, wie z.B. Diabetes mellitus, Neurodermitis, Psoriasis u.a. tun ihr Übriges.

 

Das Waschproblem

Im Prinzip kann jeder Reinigungsvorgang die Haut belasten. Während gesunde Haut eine moderate Reinigung schnell kompensiert, kann eine übermässig betriebene Hauthygiene zur Austrocknung führen. Besonders alkoholhaltige (Ethanol) Gesichtswässer, Seifen und Detergenzien entfetten die Haut. Ungeeignete Pflegeprodukte können den Hautzustand ebenfalls negativ beeinflussen.

Wenngleich eine trockene Haut keine bedenkliche Erkrankung darstellt, kann sie die Lebensqualität erheblich beeinflussen. Ein derartiger Hautzustand neigt ausserdem zu einer erhöhten Anfälligkeit gegenüber Reinigungs- und Putzmitteln sowie zu Ekzemen und allergischen Reaktionen.

 

Die Charakteristika

Kennzeichnend für die trockene Haut sind eine verminderte Talg- und Schweissproduktion sowie ein reduziertes Wasserbindevermögen. Das Hautbild ist in der Regel sehr feinporig, die Oberfläche wirkt glatt. Ausführungsgänge von Schweissdrüsen und Haarfollikeln sind kaum sichtbar. Die Haut wirkt matt, ein Fettglanz ist nicht zu finden.

Die trockene Haut neigt zu Mimik- und Knitterfältchen um die Augen. Hierfür ist wiederum der Mangel an Fett und Feuchtigkeit verantwortlich. Ebenso kann in der T-Region eine schuppige Haut auftreten, da der Hydrolipidfilm gestört ist. Auch Milien findet man bevorzugt bei der trockenen Haut. Sie ist oft sehr dünn, die Epidermis ist nicht gut ausgeprägt, beim Älterwerden wird die Haut durch biologische Prozesse dünner. Sie neigt zu Couperose und Teleangiektasien. Mechanischen und thermischen Reizen gegenüber zeigt sie sich sehr empfindlich. Durch die gestörte Barrierefunktion kann sie zu Juckreiz (auch an Diabetes denken) und Ekzemen neigen. Hier haben Bakterien, Viren und Mykosen es leicht, sich zu verbreiten.

 

Die Hautanalyse

Prinzipiell erleichtern die Hautanalyse sowie eine konsequente Pflege der Kundenkartei die adäquate Behandlung (nicht nur) bei Kunden mit sebostatischer Haut. Gerade in diesen Fällen ist eine lückenlose Dokumentation sehr hilfreich. Neben dem Alter der Kundin spielen deren Lebensgewohnheiten – Schlaf, Freizeitverhalten, Ernährung, allgemeiner Gesundheitszustand, Beruf – sowie die bisher benutzte Pflege eine wichtige Rolle. Um all diese Faktoren abzuklären, ist eine gründliche Anamnese von grosser Bedeutung. Anschliessend wird das individuelle Behandlungskonzept festgelegt; ebenso die Empfehlung für die Heimpflege.

Erstes Behandlungsziel sollte sein, den Fett- und Feuchtigkeitsmangel auszugleichen und die Schutzfunktionen wieder aufzubauen. Dabei lassen sich die Knitter- und Mimikfältchen mildern. Beim nächsten Schritt wird die Zellregeneration angeregt und damit die Straffung der einzelnen Problemzonen erreicht.

 

Die Pflege

Besonders wichtig ist eine milde Reinigung mit Milch oder Öl. Ein Reinigungsgel oder ein schäumendes Produkt sind fehl am Platz, da sie den Fettgehalt der Haut reduzieren. Als Peeling eignet sich ein sanftes Cremepeeling, alternativ ein Enzympeeling – vor allem dann, wenn die Haut eine Couperose aufweist –, da hier nicht „gerubbelt“ werden darf. Auch Jojobabeads, angerührt mit etwas Trägeröl, eignen sich gut; die kleinen Wachskugeln aus Jojobaöl haben einen extrem sanften Massageeffekt.

Mit Ampullen lassen sich Probleme gezielt und intensiv lösen. Ein Augenmerk gilt hier vor allem harmonisierenden und nährenden Substanzen. Bewährt hat sich meiner Erfahrung nach auch, mit feuchtigkeitsbindenden Wirkstoffen zu beginnen und anschliessend hochwertige Öle einzuseten. Das bedeutet für die Behandlung:

  • alle feuchtigkeitsspendenden (wasserlöslichen) Wirkstoffe vor der Massage einsetzen. Dazu gehören u.a. Aloe vera, Algenextrakte, Chitosan, Hyaluronsäure, Kollagen, NMF (Natural Moisturizing Factor) und Panthenol.
  • bei der Massage kann man mit hochwertigen Ölen arbeiten, wie z.B. Aprikosenkern-, Avocado-, Borretsch-, Hagebuttensamen- (Rosa Rubiginosa), Jojoba-, Nachtkerzen- und Weizenkeimöl, um nur einige zu nennen.

Diese Pflanzenöle helfen der Haut, Feuchtigkeit zu binden, unterstützen den hauteigenen Stoffwechsel und wirken regenerationsfördernd. Gesichts- und Körpermassagen mit diesen Ölen sind eine wahre Wohltat. Je nach Problemen oder gewünschter Wirkstoffkombination lassen sich verschiedene ätherische Öle zufügen, wie z.B. aus Geranie, Karottensamen, römischer Kamille, Lavendel, Jasmin, Orange, Rose, Rosenholz, Sandelholz, Weihrauch, Ylang Ylang und Zeder. Karottensamen- und Orangenöl sollte man vor einem Sonnenbad jedoch nicht anwenden, da sie photosensibilisierend bzw. phototoxisch wirken können.

 

Erfolge sichtbar machen

Erklären Sie der Kundin stets, was für einen Plan Sie haben. Zeigen Sie in einem kleinen Handspiegel, wie die Haut vor der Behandlung aussieht und woran Sie die Schwachpunkte erkennen. Dann erklären Sie ihr, mit welchen Produkten Sie eine Verbesserung erreichen werden. Während der Behandlung ist es angenehm, auf den Duft oder das Hautgefühl aufmerksam zu machen. Zum Abschluss nehmen Sie noch einmal den Spiegel in die Hand und begeistern den Kunden mit einem überaus angenehmen Aussehen und der Frage nach seinem persönlichen Hautgefühl. Jetzt ist das Verkaufen der von Ihnen empfohlenen Produkte kein Problem mehr, sondern ein Erfolg, der sich automatisch einstellt. Denn wer möchte nicht sein Bestes tun, um auch in Zukunft eine gesunde Haut und ein gepflegtes Gefühl zu haben?

Autorin: Jutta Gerwers-Hagedorn